Kultbike BMW K1

Erst Technologieträger, dann schwer verkäufliche Standuhr und mittlerweile Liebhaberstück - BMWs Verkleidungskünstler machte eine wilde Entwicklung durch.

Foto: Archiv

Kein anderes Motorrad verursachte 1988 auf der Welt-Motorradmesse IFMA einen solchen PR-Rummel wie die BMW K1. Noch bevor auch nur ein Kunde mit ihr gefahren war, wurde sie zum "Motorrad des Jahres" gewählt. Die BMW-Marketingprofis trommelten kräftig in der Pressemappe: "Mit ihr (der K1) begibt sich BMW aus seiner klassischen Markt-
domäne der Tourenmaschinen in das Segment der sogenannten Supersport-Motorräder."
Okay, die K1 war die erste Serien-BMW mit Vierventil-Zylinderkopf, die erste mit neuer digitaler Motorelektronik und das erste K-Modell mit Vierkolben-Bremssätteln und Paralever-System an der Hinterradschwinge. Aber deshalb gleich ein Supersportler? Der Werbe-Schuss ging voll nach hinten los, denn das 100 PS starke und vollgetankt 258 Kilogramm schwere Schalentier hatte im Feld der Supersportler nichts zu beschicken und verlor reihenweise Vergleichstests.

Erst oberhalb von 6000/min gehts richtig vorwärts, doch bei exakt 9170/min ist dann schon wieder Feierabend. Der Anfang vom Ende kam 1990: BMW präsentierte die bis auf die Verkleidung weitgehend baugleiche Vierventil-K-100-RS. Die konnte fast alles noch etwas besser, sah wie ein ganz normales Motorrad und nicht nach James-Bond-Mobil aus und erlaubte auch die Montage der so beliebten Koffer. K1-Fahrern blieb zum Gepäcktransport nur ein 422 Mark teures Taschensystem, das den unter einer Blende steckenden Soziusplatz belegte. Ende 1993 war für die K1 dann endgültig Schluss. In ihren letzten Jahren war die BMW eine gnadenlose Neumaschinen-Standuhr, die nicht selten zum Händler-Einstandspreis verscherbelt werden musste. Noch schlimmer sah es auf dem Gebrauchtmarkt aus - das Teil war jahrelang nahezu unverkäuflich und der Inzahlungnahme-Horror. Doch diese Zeiten sind vorbei, die K1 hat ihren preislichen Tiefpunkt längst hinter sich gelassen und ist mittlerweile ein gesuchtes Sammlerstück - unverbastelter, schriller Originalzustand vorausgesetzt.

Weltweit wurden 6921 Stück verkauft, davon 2050 Exemplare in Deutschland. Das ist für BMW-Verhältnisse wenig und war auch kein wirtschaftlicher Erfolg, doch der K1 bleibt die unbezahlbare Ehre, die BMW-Motorradneuzeit eingeläutet zu haben. Seit der K1 ist BMW einfach alles zuzutrauen.

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Foto: fact

Das Modelljahr 1989 war zwar blitzschnell ausverkauft, doch die stolzen K1-Besitzer ernteten anstelle von Bewunderung oft nur Häme und Spott. "Raumschiff Enterprise" und "Zahnpasta-tube" waren noch die harmloseren Bezeichnungen für den BMW-Technologieträger.
Doch die wahre Berufung der K1 war und ist nicht die Renn-, sondern die Langstrecke. Die futuristische Verkleidung liegt so gut im Wind, dass Dauergeschwindigkeiten von über 200 km/h nicht weiter anstrengend wirken. Der Wind- und Wetterschutz entspricht dem eines ausgewachsenen Tourers. Echte 236 km/h sind mit der K1 locker und vor allem fahrstabil machbar. Die Motorcharakteristik unterscheidet sich dabei gewaltig von der der alten K-100-Modelle. Mit homogener Leistungsabgabe ist bei der K1 nicht viel. Ihr längs eingebauter Reihenvierzylinder benötigt Drehzahlen.

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