Kutlbike KTM Duke Landstraßen aller Art

Dank des prächtigen LC4-Singles bekam KTM festen Boden unter die Füße, und in der Duke erweiterte der Motor das Herrschaftsgebiet der Österreicher auf Landstraßen aller Art.

Foto: Jahn

Weil jüngere Menschen die Marke KTM nur als stattlichen Hersteller mit BMW-ähnlichem Jahresausstoß kennen, sei gleich hier daran erinnert, dass vor rund 25 Jahren in Mattighofen beinahe alle Lichter ausgegangen wären. Erst die mutige Vermarktung eines ebenso mutigen Motors zog den Karren so richtig „in den Dreck“ und ließ bald alle Enduristen dieser Welt im Viertakt schunkeln. Gegenüber bis dahin üblichen, hektischen Zweitaktern wirkte der 1987 vorgestellte Vierventiler von KTM wie eine Offenbarung, drückte mit rund 50 PS genug Leistung, gab sie aber viel berechenbarer ab. Gleichzeitig leitete er mit Wasserkühlung, rasanter Drehfreude und – dies vor allem – geringem Gewicht die Neuzeit des Einzylinder-Viertakters ein.

Ganze 32,5 Kilo machten natürlich nicht nur Stollenritter scharf, weshalb die damals aufstrebende Randsportart Super Moto schon bald erste Umbauten sah. Im KTM-Versuch dachten ein paar Verwegene sogar noch weiter: Der mittlerweile 609 cm³ große Prügel sollte auf die Straße: „The Duke“ hieß das verrückte Projekt. Allerdings zermürbte der LC4 (für Liquid Cooled Fourstroke) schon auf längeren Verbindungsetappen jeden Treiber. Für den Gebrauch konstanter Drehzahlen musste er also zivilisiert werden – vorn links im Motorgehäuse zog folglich eine direkt vom Primärrad angetriebene Ausgleichswelle ein. Die wiegt 750 Gramm, rotiert gegenläufig zur Kurbelwelle – und tatsächlich, sie verhindert taube Finger und schmerzende Gelenke. Jedenfalls lange genug, um kurz über den Sinn dieses Leichtgewichts nachzudenken. „Als Funbike sehen wir sie nicht“, äußerte Entwicklungsleiter Wolfgang Fellner kurz vor Serienstart 1994, was nur mit der österreichischen Scheu vor Festlegungen zu erklären ist: Wenn sich ein Motorrad dem Spaß verpflichtet, dann die KTM Duke.

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Foto: Jahn

Das fängt schon bei der Machart an: polierte Exzenterschwinge, hochwertige WP-Federelemente, Edelstahl-Auspuffanlage, Brembo-Vierkolben-Bremssattel vorn. Alles sauber und solide zusammengesteckt und in eine Form gebracht, die mit ihrer Tank-Sitzbank-Linie sowie dem breiten Alu-Lenker zwar noch entfernt an Enduro erinnert, mit maßvollen Federwegen und Niederquerschnitt-Schlappen auf 17-Zoll-Rädern aber einen ganz neuen Kurs vorgibt. Ab in den Asphaltdschungel. Dort hatten potente Einzylinder-Enduros bereits zaghaft die Alleinherrschaft reiner Straßenmaschinen angezweifelt, die Duke jedoch trat auf wie ein Paukenschlag. 153 Kilo vollgetankt gegen 50 quicklebendige PS, ein unerschütterliches Fahrwerk und eine brutale Vorderbremse – Schwarzwald, Allgäu oder Harz, sämtliche Kurvenreviere fielen dem Herzog zu. Wer fünf Liter auf 100 Kilometern verbrennt, hat mächtigen Spaß – es gibt Leute, die schaffen über neun.

Klar fällt dieses Kraftrad irgendwie unters Drogengesetz, und deshalb limitierte KTM die Verbreitung durch einen mehr als beachtlichen Preis. Für die erste Duke wurden 15000 Mark aufgerufen, die Duke II kam 1999 auf über 16000. Dafür hatte sie mehr Hubraum, mehr Leistung, mehr E-Starter, mehr Endtöpfe und etwas mehr Kilos. Mit ihren fragilen Leichtmetallrädern verabschiedete sie sich zwar endgültig aus der Kiesgrube, mit verbesserten Manieren etablierte sie den LC4 dafür endgültig als besten Kurvenräuber. Bis 2008 die Duke 690 kam, neue Leistungsdimensionen eröffnete und sich mit 7895 Euro dem gemeinen Volk in die Arme warf – ein Kultbike von morgen.

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Daten
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 625 cm³, 40 kW (55 PS) bei 7500/min, 58 Nm bei 5500/min, Fünfganggetriebe, Einschleifenrahmen aus Stahlrohr, Gewicht vollgetankt 160 kg, Reifen vorn 3.50 x 17, hinten 4.25 x 17, Tankinhalt 12 Liter, Höchstgeschwindigkeit 178 km/h, 0–100 km/h in 4,2 sek.

Literatur
Es gibt viele Duke-Storys, leider noch nicht in Buchform. Technisch Interessierten mag eine Reparaturanleitung für LC4-Modelle etwas geben, die im Bucheli Verlag für 29,90 angeboten wird. Motorrad-Historiker kommen bei Friedrich Ehn auf ihre Kosten: „KTM – Weltmeistermarke aus Österreich“ für 48,50 Euro aus dem Weishaupt Verlag.

Szene
Vor exakt 20 Jahren ­erschienen und immer noch in ­aller Munde – so sehen die Jugendjahre eines Klassikers aus. Mit Sicherheit werden gut erhaltene Duke I und II bald gesucht, heute reichen 2000 Euro oder etwas mehr, um sich ein gepflegtes Exemplar zu angeln. Die II ist entschieden alltagstauglicher und menschenfreundlicher. Beide sind bei jedem ordentlichen KTM-Händler immer noch bestens versorgt.

Internet
Unter www.dukeclassics.de firmiert das Forum der Freunde von Duke I und II. Allen KTM-Onroad-Modellen wid­met sich www.ktmforum.eu

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