Erschienen in: 03/ 2016 MOTORRAD

Kultbike Yamaha XJ 900

Vom Sportler zum Tourer

Wie bequem es zwischen allen Stühlen sein kann, bewies Yamaha mit der viel zu spät angetretenen Gegnerin von Hondas 900er-Bol-d’Or, der Yamaha XJ 900.

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100_Kultbike Yamaha XJ 900 (jpg)

Die Lenkerverkleidung sorgte beim Premierenmodell für Unruhe.  

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aus MOTORRAD 03/2016
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Ende der 70er hatte Yamaha unter Schmerzen endlich sein Viertaktprogramm etabliert. Von Ein- bis Vierzylinder hielten die Dinger und, schöner noch, fuhren prima Gewinne ein. Da wäre eine Verschnaufpause gerade recht gewesen. Doch Herr Honda hatte andere Pläne, hämmerte die epochale CB 900 Bol d’Or sowie deren 1100er-Big-Bike-Schwester auf den Markt – und schon stand Yamaha wieder im Hemd da. Immerhin sammelte die wunderbare XJ 650 ab 1980 in der oberen Mittelklasse fleißig Punkte, zwei Jahre später von einer nur in den USA erfolgreichen 750er namens Seca assistiert. Dann der Befreiungsschlag: Fünf Jahre nach ­Honda brachte Yamaha 1983 die sportliche Yamaha XJ 900.

Werbeslogan: Unser Motorrad des Jahres. Befreiungsschlag? Nur 853 cm³ seien beim von der Seca übernommenen Motorgehäuse zu holen, hieß es, zwei Ventile pro Zylinder mussten genügen, ein Kardanantrieb galt nicht eben als sportlich. Schmal war die Yamaha XJ 900 immerhin geraten, denn wie von der 650er vorgelebt, trug sie Lichtmaschine und Anlasser huckepack über dem Getriebegehäuse. 48 Zentimeter – weniger konnten damals nur Twins. Kupplung, Ölpumpe und Getriebe entlieh sie der fast ebenso kräftigen XJ 650 Turbo. Obwohl Bol d’Or wie XJ 900 mit 85 PS auf dem Prüfstand deutlich unter ihrer Nennleistung blieben, zog die Yamaha meist davon. Der Grund: Sie war die Leichteste ihrer Klasse. Mit 244 Kilo.

Erfolgskarriere als Kardantourer

Bereits 1985, als Suzukis GSX-R 750 und Yamahas FZ 750 debütierten, wurde die Yamaha XJ 900 beim Sportverein abgemeldet. In der Ketten verachtenden Reisefrak­tion jedoch, da hatte sich herumgesprochen, wie kultiviert und elastisch ihr Vierzylinder läuft, wie anspruchslos und solide er Zehntausende Kilometer abspulte. Seit die anfangs lenkerfeste kleine Verkleidung sich am Rahmen festklammerte, nahmen die Klagen über Hochgeschwindigkeitspendeln drastisch ab, obendrein stimmte der Preis. Yamaha erkannte diese Zeichen, baute die Verkleidung zur Halbschale aus, erhöhte – geht doch! – auf 892 cm³ und nominell 98 PS sowie mehr Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich.

Das passte, und zwar so gut, dass die nun parallel angebotene unverkleidete Variante beinahe unterging. Man hatte sich wohl darauf geeinigt, eine Yamaha XJ 900 als maximal praktisch zu betrachten. Da gehörte ein Windschutz unbedingt dazu, schon wegen möglichst hoher Autobahnschnitte. Ihre Besatzung wohlig wiegend, sparsam, schnell genug und grundsolide, schlich sich diese Yamaha Kilometer für Kilometer aus dem Rampenlicht und schlug eine Erfolgskarriere als Kardantourer ein. Die dauerte bis 1994. Elf Jahre Bauzeit, das schafft kein Sportler dieser Welt.

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21.01.2016 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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