Kultbike Zündapp GS 125 Replica für die Straße

In einer Zeit weit vor Ken Roczen war der Gelände­sport hierzulande populärer als Motocross, und deutsche Marken fuhren oft genug ganz vorne mit. Zündapp lieferte sogar die käufliche Hardware zum Offroad-Kult.

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Es gab nicht alle zwei Wochen sensationelle Neuheiten zu vermelden, und die Straßen-WM machte gerade Winterpause. Dennoch verdeutlicht der ­MOTORRAD-Titel vom 4. April 1970 schlaglichtartig, welche Bedeutung der Gelände-, heute Endurosport damals in Deutschland besaß: Einziges Bildmotiv ist nämlich die neue Zündapp GS 125, aufgenommen in München, als sie von zwei landestypisch gekleideten Buben bestaunt und befummelt wird. Zündapp? 125er? Geländesport? Vor 45 Jahren alles Begriffe von nationaler Bedeutung. Die ganze Welt schaute einmal jährlich auf die Six Days, bei denen in der Nationenwertung sechs Fahrer eines Landes auf Motorrädern aus ihrer heimischen Produktion antraten.

So was wie die Weltmeisterschaft der Stollenritter, hervorgegangen aus den allerersten motorradsportlichen Veranstaltungen überhaupt. Bei der immerhin schon 43. Auflage, ausgetragen im italienischen San Pellegrino, setzten 1968 alle aus der BRD stammenden Recken auf Zündapp, seit Anfang des Jahrzehnts mit 50, 75, 100 und schließlich 125 cm³ durchaus gut in der Spur. Sie kämpften mit ihren Zweitaktern aber nicht nur gegen Schlamm und Schotter, sondern auch noch gegen den DDR-Sozialismus, denn fünf Jahre in Folge hatten die Sieger auf Simson und MZ gesessen. Zur Überraschung der gesamten Fachwelt gelang der Coup, die Zündapp-Cracks blieben als Einzige über sechs Tage ohne jeden Strafpunkt.

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Ready to race

Flugs versilberte die Münchner Firmenleitung – das große Zündapp-Werk in Nürnberg war längst geschlossen – diesen Erfolg und präsentierte mit der Zündapp GS 125 eine nette Replica. Die musste zwar mit fünf statt sechs Gängen auskommen, trug Gabel-Tauchrohre aus Stahl statt Leichtmetall sowie einen kleineren Vergaser, wirkte aber dennoch mit ihrem filigranen, gleichwohl robusten Doppelschleifen­rahmen aus Chrom-Molybdän-Stahlrohr und dem markanten Fächerzylinder äußerst entschlossen. Alu-Schutzbleche, Schnellgasgriff, großflächiger ­Kettenschutz, 21-Zoll-Vorderrad und viele weitere Details verstärkten diesen Eindruck. Jawohl, diese Zündapp war ready to race und außerdem noch richtig schön. Das galt zu jener Zeit für die wenigsten Germanen-Kräder. Was Wunder also, dass ihr Motor und Fahrwerk eines der letzten erfolgreichen Zündapp-Straßenmotorräder inspirierten, die KS 125 nämlich.

Im Gelände überzeugte die Zündapp GS 125 mit stabilem Fahrwerk, gut ansprechenden Federelementen und überraschend zähem Motor. Weniger gut gefielen das Ziehkeilgetriebe mit seinen ellenlangen Schaltwegen und der neben der rechten Fahrerwade verlaufende Krümmer. Nichts davon hinderte die wackeren Werksfahrer, weiterhin Siegeslorbeer anzuhäufen. 1973 wurde Rolf Witthöft – nur noch mit Egon Müller, Dieter Braun oder den Gespann-Weltmeistern Enders/Engelhardt vergleichbar – auf Zündapp bester Six Days-Teilnehmer.

Grund genug, das Design der Zündapp GS 125 jenem der Werksrenner an­zupassen: 1974 erschien die Stollen-Zündapp in Schwarz-Rot, mit rundem Tank und kurzer Sitzbank. Ein Traum. Außerdem erhielt sie die sogenannte Langgabel und wurde – ready to race, ganz klar – mit Startnummerntafeln sowie vier unterschiedlich großen Ritzeln ausgeliefert. Rolf Witthöft holte übrigens 1975 und 1976 mit der Mannschaft erneut die Na­tionenwertung bei den Six Days. Er schmückte mindestens dreimal die Titelseiten von MOTORRAD.

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Infos Zündapp GS 125

Daten (Baujahr 1975): luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, schlitzgesteuert mit Umkehrspülung, 123 cm³, 13,25 kW (18 PS) bei 7600/min, 16,7 Nm bei 7400/min, Fünfganggetriebe, Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Gewicht vollgetankt 107 kg, Reifen vorn 3.00 x 21, hinten 3.50 x 18, Tankinhalt 10,2 Liter, Höchstgeschwindigkeit zirka 120 km/h.

Literatur: Der Marke Zündapp insgesamt widmen sich die Firmengeschichten von Thomas Reinwald, erschienen im Johann Kleine Vennekate Verlag, Preis: 34 Euro, und Uwe Frensel, erschienen im Heel Verlag, Preis: 24,95 Euro.

Szene: 1976 wurden die letzten GS 125 für 3598 Mark verkauft. Wer so ein Teil heute für denselben Euro-Betrag angeboten bekommt, sollte sofort zugreifen. Mit anderen Worten: Es ist beinahe aussichtslos, eine schöne Gelände-Zündapp zu ­erwerben. Aber gucken geht, und das sogar in Aktion: bei klassischen Geländesport-Veranstaltungen. Termine und viele ­weitere Infos auf www.enduro-klassik­.de

Internet: Für alle Zündapp-Modelle zuständig sind www.zuendapp-club.de und das Forum www.zuendapp.net

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