Kurzporträt Hans Bader (Archivversion)

Dreifaches Jubiläum für Hans Bader: Seit 25 Jahren arbeitet er für KTM; kürzlich verließ das 250 000. Motorrad das Montageband, für das der Österreicher seit 14 Jahren verantwortlich zeichnet; und schließlich wird der jugendlich wirkende Mann im Oktober 50. »Ich bin immer noch sehr motiviert«, sind seine ersten Worte beim Besuch in seinem Büro. »Ein optimales Arbeitsklima«, fügt er offenherzig hinzu. »Früher, zu Trunkenpolz’ Zeiten, war es auch sehr gut.« Mit einigem Widerwillen erzählt er von den schlechten Jahren vor dem Konkurs, als die Vertrauensbasis zwischen Unternehmensführung und Belegschaft zerstört war. Doch darüber geht Hans Bader, der aus dem nahegelegenen Altheim stammt, schnell hinweg und berichtet lieber, wie er zu KTM kam. »Nach der Schule schaute ich immer an der Werkstatt von Ingenieur Morawitz vorbei. Der hatte Autounion und Mercedes. Das hat mich total fasziniert.« Nach der Mittleren Reife wurde der Morawitz sein Lehrherr. Und der ging später als Entwicklungschef zu KTM. Bader verschlug es zunächst als Mechaniker nach München, wo er alsbald in der Sportabteilung von BMW unterkam. 1971 - KTM hatte bereits ein Moto Cross-WM-Team gegründet - ließ Eigentümer Erich Trunkenpolz über den früheren Lehrherrn bei dem jungen Mechaniker anfragen, ob er im Rennteam mitmachen wolle. Lust hatte Bader schon, aber so einfach aus der Großstadt weggehen, Freundin und so, das wollte er auch nicht. »Das Leben in München - als junger Mann kann man sich da nicht so leicht entscheiden«, lacht er. Schließlich tat er’s doch: am 20. Dezember 1971. So ein Datum merkt man sich. Neun Monate lernte er auf eigenen Wunsch noch in der Produktion des luftgekühlten 250er Zweitakt-Motors, bis er dann für den Russen Gennadi Moiseev schraubte, der 1974, 1977 und 1978 Moto Cross-Weltmeister wurde. Und Bader war maßgeblich beteiligt. »Wir haben uns schon verstanden, obwohl der Moiseev kein Deutsch konnte und ich kein Russisch. Wir haben uns mit ein paar Zetteln beholfen.« Wieder lacht der Abteilungsleiter verschmitzt, auch als er über seine Frau zu sprechen kommt, mit der er zwei Töchter hat. »Sie hatte viel Verständnis, ich war ja manchmal bis zu drei Wochen fort.« Acht Jahre später tauschte er den streßigen Rennmechanikerjob gegen die Endmontage im KTM-Werk ein - nicht zuletzt wegen der Familie. Bald wurde er zum Leiter der Endmontage befördert. In dem Zusammenhang muß er die neue Firmenleitung sehr loben: »Die lassen uns sehr flexibel arbeiten und gehen auf unsere Vorschläge ein.« Die Montage verläuft an zwei Bändern, die Modelle werden täglich mehrmals gewechselt. 90 Leute bauen bis zu 95 Motorräder am Tag. »Das ist machbar. Mit einer zweiten Schicht schaffen wir sicher bis 150 Stück.« Damit ist die Frage beantwortet, wie die neue Zweizylinder-Enduro produziert werden könnte. »Eng wird’s dann schon. Aber wir haben auch nicht geglaubt, daß wir 90 Stück hinbekommen.« Und das ohne Akkord, doch mit Prämien für besonders gute Arbeit.

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