Kurztest Honda NSR 125 gegen Yamaha TZR 125 (Archivversion) Vorwiegend heiter

Ein Achtelliter Hubraum und 15 PS in sportlicher Verpackung - Honda und Yamaha liefern mit NSR und TZR wirksame Mittel gegen den Ernst des Lebens.

Sie sind im besten Alter und fühlen sich doch leer und verbraucht? Sie suchen vergeblich den Sinn des Lebens? Der Töpferkurs in der Toskana hat ebensowenig geholfen wie das Wochenende in der Selbstfindungsgruppe? Dann stecken Sie in einer Krise, die Jethro Tull so treffend mit den Worten »too old to rock´n´ roll, too young to die« umrissen hat.Ein trauriger Zustand, doch gottlob gibt es Mittel, die Linderung versprechen: Honda NSR 125 und Yamaha TZR 125 - zwei frei verkäufliche Anti-Depressiva, deren Einnahme lediglich den Besitz eines gut abgehangenen Einser-Führerscheins (Stichtag: 1. April 1980) und eine gute Portion geistiger und körperlicher Eigenleistungen voraussetzt.Der Körper ist gefordert, weil diese spielzeughaften Geräte das Gebiet der Ergonomie nur insofern streifen, als sie die nötigen Auflagepunkte für Hände, Füße und Hinterteil bieten. Während die Honda ansatzweise versucht, durch ein gepolstertes Sitzkissen so etwas wie Komfort zu bieten, zeigt sich die Yamaha konsequent spröde und hält sich den Fahrer mit gerade mal zwei Zentimeter Schaumgummi vom Leib. Dazu gesellt sich bei der TZR eine unnachgiebige Hinterradfederung, die die Härteprüfung komplett macht.So gut die Yamaha im Austeilen ist, so sensibel ist sie im Nehmen. Sie reagiert ansatzlos auf den kleinsten Lenkimpuls, auf den kleinsten Hauch von Gewichtsverlagerung. Mit diesen blitzartigen Reflexen gesegnet, legt sie - die nötige Feinmotorik des Fahrers vorausgesetzt - Zickzackkurse auf den Aspahlt, die jeden Feldhasen vor Neid erblassen lassen.Rundum ein Quentchen verbindlicher gibt sich die Honda: Mit ihrer weicheren Federung und ihrem etwas weniger impulsiven Lenkverhalten spielt sie die Rolle der Rennmaschine nicht ganz so überzeugend wie die Yamaha, was auf holprigen, kurvengespickten Straßen durchaus als Vorteil gesehen werden kann. Was nicht heißen soll, die NSR sei ein Langweiler: Auch sie ist ein Sponti allererster Güte, der unablässig Konzentration und Fingerspitzengefühl fordert.Mehr noch als die Fahrwerke fordern die Triebwerke ein hohes Maß an geistiger Zuwendung. Nicht, weil sie bei Unachtsamkeit für angsteinflößende Fahrleistungen sorgen, sondern weil die Einzylinder, um überhaupt Fahrleistungen zu bringen, durch unablässiges Schalten am Kochen gehalten werden müssen. Dabei tut sich die TZR einmal mehr als »Racer« hervor. Bei niedrigen Drehzahlen - das heißt bis zirka 6000/min - stellt sich ihr Motor tot, dann lebt er kurz und heftig auf, um bei Nenndrehzahl hart gegen eine Mauer zu rennen. Der Honda-Motor ist untenherum etwas kooperativer und riegelt obenheraus nicht so hart ab - das spart beim Start Kupplungsbeläge und beim Fahren mit wechselnden Geschwindigkeiten den einen oder anderen Schaltvorgang. Die schlechte Nachricht: Dazwischen gibt es keine Drehzahlspanne, in der der Single so richtig bei Laune wäre und das schrille Lied des jubelnden Zweitakters sänge.In der unmittelbaren Auseinandersetzung zwischen NSR und TZR gibt es trotz aller Unterschiede keinen Sieger. Vorn ist die Maschine, deren Fahrer der bessere Maschinist, der mutigere Kurvenkünstler, der geschicktere Windschatten-Taktiker ist - der mit größerem Eifer den Ernst des Lebens hinter sich zu lassen versucht.

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