Kurztest Honda Rebel 125 und Kawasaki EL 125 (Archivversion)

Leichtmetall

Nicht einmal drei Zentner wiegen, gerade mal ein Achtele Hubraum vorzeigen und sich trotzdem mit dem Hauch von Freiheit und Abenteuer umgeben: Ganz schön rebellisch, diese Winzchopper von Kawasaki und Honda.

Hörer auflegen, PC runterfahren. Endlich Feierabend. Raus aus dem Sakko oder Kittel, rein in die Motorradklamotten und in den Sattel geschwungen. Aus Altersgründen oder in Ermangelung eines Einser-Führerscheins durfte es nur eine 125 sein? Macht nichts, bei Choppern sowieso: Kalifornien ist immer und überall, und daß größere Motorräder mehr leisten und auch sonst fast alles besser können, verliert an Bedeutung, wenn der Fahrtwind erstmal übers Gesicht streichelt.Schon biegt der Kumpel ums Eck, und gemeinsam geht`s durch das Verkehrschaos der Rush-hour. Mit geringem Gewicht und niedrigen Sitzhöhen rauben Kawasaki EL 125 und Honda Rebel dem Stadtverkehr seine Schrecken. Jede noch so keine Lücke reicht, um sich einen Vorteil gegenüber den Autofahrern zu verschaffen. Und für Ampelsprints der harmloseren Art langt die gebotene Leistung allemal. Der Stadt endlich entronnen, können die Freunde durchatmen und relaxen. Trotz kleinen Hubraums, bei der Honda gar verteilt auf zwei Zylindereinheiten, gestatten beide Motoren gemütliches Dahingleiten im großen Gang. Wenn es doch nur keine Berge gäbe oder Verkehrsteilnehmer, die noch langsamer unterwegs sind. Ein, zwei oder besser gleich drei Gänge herunterschalten und beherzt am Gas drehen, lautet die Devise in solchen Krisenfällen. Zum Glück spielen die Fünfganggetriebe ebenso leichtgängig wie präzise mit - und nach der Steigung herrscht ja wieder Ruhe. Bleibt das Erstaunen, wie extrem drehfreudig beide Motoren sind. Da Chopper grundsätzlich auf Drehzahlmesser verzichten und die Honda ihrem Fahrer lediglich mit Schaltmarkierungen im Tacho hilft, ist es weitgehend dem Gefühl überlassen, die richtigen Schaltpunkte zu treffen.Manchmal blickt der Honda-Kumpel neidisch zur Kawasaki hinüber: In Sachen Beschleunigung ist die EL seinem Untersatz klar überlegen. Doch freiwillig pendeln sich beide rasch wieder bei etwa 70 km/h ein, weil ihre Viertakter trotz geringer bewegter Massen beträchtliche Lebensäußerungen von sich geben. Die harten Vibrationen des Kawa-Singles und die dröhnende Instrumentenkonsole nerven auf Dauer richtig. Die Honda macht einen solideren Eindruck, nichts klappert und rumpelt. Doch die Vibrationen des Twins können, wenngleich von deutlich feinerer Art als die der Kawasaki, auf Dauer ebenfalls zermürben.Hohe Handkräfte, aber ein satter Druckpunkt charakterisieren die Scheibenbremsen in den Vorderrädern. Und weil sie die gut zu dosierenden hinteren Trommelbremsen ausreichend unterstützen, dürfen die Stopper beider Probanden als rundum ausreichend bezeichnet werden.Langsam macht sich der Allerwerteste bemerkbar: Während die Gabeln fast alle Unbilden deutschen Straßenbaus weitgehend ausgleichen, kapitulieren die hinteren Federbeine ziemlich schnell. Die Honda versaut einen sauberen Strich, weil sie trotz maximaler Vorspannung gnadenlos durchschlägt und scheinbar auf jegliche Dämpfung verzichtet. Nur geringfügig mehr Reserven bietet die Kawasaki: Zwar neigt auch sie voll vorgespannt zum Durchschlagen, doch dank besserer Dämpfung bleibt die gewählte Linie davon weitgehend unbeeinflußt. Dem Sitzfleisch ebenfalls wenig zuträglich sind die Sitzpositionen - wie in Stein gemeißelt, ohne ausreichende Bewegungsfreiheit.Die Sinnenbrillen sind längst verstaut, der Mond schimmert in die laue Nacht. Und die verchromten Rundscheinwerfer erhellen das Dunkel auch nur unzureichend. Schnell noch an der Tankstelle vorbei. Trotz ständiger Volllastfahrt liegen die Verbräuche mit etwa 3,8 Liter/100 km für die Eliminator beziehungsweise 4,4 Liter/100 km für die Rebel erfreulich niedrig. Dann ab nach Hause, in einen bequemen Sessel fallen. Der Hintern brennt. Als wäre man mit amerikanischen Schwermetall unterwegs gewesen.
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HONDA (Archivversion) - CA 125 Rebel

MotorLuftgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, zwei über Kipphebel betätigte Ventile pro Zylinder, Naßsumpfschmierung, ein Keihin-Rundschiebervergaser, Ø 18 mm, kontaktlose Kondensatorzündung (CDI), keine Abgasreinigung, E-Starter, Drehstromlichtmaschine 156 W, Batterie 12 V/6 Ah.Bohrung x Hub 44,0 x 41 mmHubraum 125 cm³Verdichtungsverhältnis 9,4 : 1Nennleistung 11 PS (8 kW) bei 9500/minMax. Drehmoment 0,9 kpm (9 Nm) bei 6000/minKolbengeschwindigkeit 14,4 m/sek bei 10 500/minKraftübertragungPrimärantrieb über Zahnräder, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkEinschleifenrahmen aus Stahlrohr, mit geteilten Unterzügen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 33 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, zwei Federbeine, mit verstellbarer Federbasis, Scheibenbremse vorn mit Doppelkolbensattel, Ø 240 mm, Trommelbremse hinten, Ø 130 mm, Speichenräder.Federweg vorn 140 mm hinten 75 mmFelgengröße vorn 1.85 x 18 hinten 2.75 x 15Reifengröße vorn 3.00 P 18 hinten 130/90 P 15 Maße und GewichteGewicht vollgetankt * 150 kgZulässiges Gesamtgewicht 329 kgZuladung * 179 kgTankinhalt/Reserve 10/2,7 LiterAusstattung/PreisGarantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungPreis inkl. MwSt. 6550 MarkNebenkosten 195 MarkFahrleistungen/MeßwerteHöchstgeschwindigkeitSolo (mit Sozius) 97 (91) km/hBeschleunigung (mit Sozius)0-60 km/h 7,7 (10,2) sek0-80 km/h 16,5 (21,9) sekTachometerabweichungAnzeige/effektiv 50/47, 80/77, 100/97, 100/97Kraftstoffart NormalKraftstoffverbrauch im Test 4,4 Liter/100kmTheor. Reichweite 227 km* MOTORRAD-Messungen

KAWASAKI (Archivversion) - Eliminator 125

MotorLuftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, zwei über Kipphebel betätigte Ventile, Naßsumpfschmierung, Keihin-Gleichdruckvergaser, Ø 30 mm, kontaktlose Batterie-Spulen-Zündung, Sekundärluftsystem (KCAS), E-Starter, Drehstromlichtmaschine 105 W, Batterie 12 V/9 Ah.Bohrung x Hub 55,0 x 52,4 mmHubraum 124 cm³Verdichtungsverhältnis 9,6 : 1Nennleistung 12 PS (8,8 kW) bei 9500/minMax. Drehmoment 1 kpm (10 Nm) bei 8000/minKolbengeschwindigkeit 17,5 m/sek bei 10 000/minKraftübertragungPrimärantrieb über Zahnräder, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kette.FahrwerkDoppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser Zweiarmschwinge aus Stahlrohren, zwei Federbeine, mit verstellbarer Federbasis, Scheibenbremse vorn mit Einkolbensattel und schwimmend gelagerten Bremsscheiben, Ø 260 mm, Trommelbremse hinten, Ø 130 mm, Speichenräder.Federweg vorn 130 mm hinten 60 mmFelgengröße vorn 1.85 x 17 hinten 2,75 x 15Reifengröße vorn 90/90 H 17 hinten 130/90 H 15 Maße und GewichteGewicht vollgetankt * 144 kgZulässiges Gesamtgewicht 329 kgZuladung * 185 kgTankinhalt 13 LiterAusstattung/PreisGarantie ein Jahr ohne KilometerbegrenzungPreis inkl. MwSt. 6690 MarkFahrleistungen/MeßwerteHöchstgeschwindigkeitSolo (mit Sozius) 102 (95) km/hBeschleunigung (mit Sozius)0-60 km/h 5,8 (7,8) sek0-80 km/h 10,9 (15,6) sekTachometerabweichungAnzeige/effektiv 50/49, 80/80, 100/100, 102/102Kraftstoffart NormalKraftstoffverbrauch im Test 3,8 LiterTheor. Reichweite 342 km*MOTORRAD-Messungen

Konkurrenten (Archivversion)

Zu den soliden Chopper-Gewächsen aus Japan zählt noch die Yamaha XV 125 Virago (zehn PS, 6990 Mark) und - mit leichten Abstrichen, was choppertypische Ausstattungsmerkmale betrifft - die Suzuki GN 125 (zwölf PS, 4790 Mark).Neben den Angeboten der vier großen japanischen Marken tummeln sich noch etliche Exoten auf dem Markt der 125er Chopper und Cruiser. Zu jenen mit Viertaktmotor zählt zum Beispiel der Daco Chopper 125 (9,3 PS, 5500 Mark) aus China. Er ist komplett ausgestattet und bietet als Extra jede Menge Fransen. Mit der Daelim VS 125 (14 PS, 5990 Mark) und der Hyosong Cruise 125 (15 PS, 5790 Mark) mischen auch Südkoreaner bei den ganz kleinen Choppern mit. Aus Deutschland kommt die Horex Imperator (zwölf PS, 4800 Mark), deren Herz aber aus Taiwan stammt. Das antike Design erinnert stark an Werners Horex-Eigenbau. Aus China kommt ein weiterer Exote: die Jincheng JC 125-8 (15 PS, 4990 Mark). Deren Motor kann sowohl mit einem Kick- sowie mit einem E-Starter zum Leben erweckt werden. Kymco Zing 125 (elf PS, 5745 Mark) heißt das barocke Angebot eines großen taiwanesischen Zweiradherstellers: Angetrieben von einem in Honda-Lizenz gebauten Einzylinder, ist die gut ausgestattete Maschine ein relativ schwerer Brocken. Ebenfalls aus Taiwan stammt die Lecson Knight 125-2 (elf PS, 5198 Mark), deren Ausstattung und Gewicht auf dem Niveau der Kymco Zing liegt. Als letzter Taiwan-Chopper sei die SYM Husky 125 (elf PS, 6290 Mark) genannt. Die reichhaltige Ausstattung und das hohe Gewicht lassen allerdings keine Verwandtschaft zu einem Schlittenhund erkennen. WP VZ 125 Classic (elf PS, 5650 Mark) heißt ein kleiner China-Chopper, der bis auf die Aufkleber und die Seitendeckel stark seinen Artgenossen aus Taiwan ähnelt.Sicher gewagt, was Sound, Feeling und Kraft aus dem Drehzahlkeller angeht, aber der Vollständigkeit halber seien auch die Zweitakter erwähnt: die Fantic Custom 125 (15 PS, 6980 Mark) und die Aprilia Classic 125 (15 PS, 7490 Mark), beide aus Italien.

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