Lesererfahrungen (Archivversion)

Nach Vierzylindern wollte ich unbedingt ein Motorrad, das lebt. Es sollte auf jeden Fall ein Zweizylinder werden. Meinen Umstieg von einer CBF 600 auf die BMW F800 ST habe ich nicht bereut. Im Gegenteil! Das Gerät macht einfach höllischen Spaß. Und das bei einem für heutige Verhältnisse erstaunlichem Sound. Auf einer Tour durch die Vogesen habe ich (für Motorräder sicherlich zweitrangig) einen Verbrauchsrekord von durchschnittlich 3,6 l/100 km aufgestellt. Fahrverhalten, Soziatauglichkeit, Bequemlichkeit und mittlerweile auch Schaltbarkeit auf ganz hohem Niveau! Da braucht man sich nicht wundern, warum BMWs meist die Tests gewinnen. Jeder, der meint, sein Japanhocker wäre unterbewertet worden, sollte mal eine BMW Probe fahren. Der Slogan stimmt, BMW aus Freude am Fahren. Für mich steht fest: Die nächste ist bestimmt wieder eine F 800 ST.
Frank Maehren, Bochum

Nach etlichen Vierzylinder-Japanern kam ich zu der F 800 wie die Jungfrau zum Kinde. Es war der zweite Eindruck, schau an, sieht nicht aus wie ’ne BMW, hat coole Features wie Edelstahlkrümmer, ABS, Zahnriemen, Stahlflex, Tank unterm Sitz und analoges Cockpit mit Computer plus netten Anzeigen. Wiegt nicht so viel, Windschutz ist auch dabei. Klar, so was gibt’s dann nicht mehr zum Normaltarif. Zu den Blinkerschaltern nur eins: Nach einiger Zeit kommt man zurecht, aber die Hupe mal schnell zu finden klappt noch immer nicht, vielleicht sollte man die mit dem ABS koppeln. Anfangs war ich skeptisch weil »nur« 86 PS und 800 Kubik, wollte doch keine mehr unter tausend, doch kein Thema, Power vorhanden. Vor allem unten raus, wirklich gut für die Landstraße, weniger für den Hinterreifen, denn nach zirka 4000 Kilometern ist der gute Conti Sport fällig. Gang vier ist für zügiges Bummeln perfekt ausgelegt. Spaßfaktor 9,5 für wenig Aufwand und Super Bleifrei.
Fahrwerk und Bremsen sind okay, durch die sportliche Sitzposition finde ich sie nicht viel handlicher als ihre Vorgänger, und einen schwammigen Druckpunkt durch das ABS, wie oft gelesen, kann ich nicht bestätigen. Der Motor ist ein Raubein, auch nach der Modifizierung der Antriebsscheibe. Die Geräusche bei langsamer Fahrt voraus sind schon arg gewöhnungsbedürftig, wenn man noch den runden Klang eines Vierer-Blocks im Ohr hat...was aber mit dem Originalauspuff schwer zu schaffen ist. So ist er halt, der Reihentwin. Mit LeoVince-Endtopf dagegen ist der Sound richtig gut, übertönt einiges und schützt im Wald vor Tieren, aber legal. Die Fuhre hat was, so, wie sie dasteht, trotz ihrer Problemzonen. Und das macht es manchmal eben aus.
Gerhard Reinl, Bad Homburg

Ich fahre seit 40 Jahren Motorrad und wollte neben meiner R 1150 GS Adventure mal einen kleinen »Schluchtenflitzer«. Im April dieses Jahres kaufte ich mir dann nach einer kurzen Probefahrt die F. Sie war zunächst für mich als altem Harley-Fahrer eine Offenbarung. Bei diesem Motorrad ist es aber wie mit einer Bekanntschaft aus der Diskothek. Ist die erste Euphorie abgeklungen und man hat sich neben den äußeren Attributen den inneren Werte genähert, entscheidet sich manchmal schnell, ob man sie seinem besten Freund um nichts auf der Welt gönnt oder aber das Gespenst an seiner Seite dem übelsten Feind als die eigentlich verdiente Krätze an den Hals wünscht. Wenn BMW dieses Motorrad so geplant hat, wie es sich mir offenbart, dann wünsche ich es zur Hölle. Beschleunigung – WOW, Fahrwerk – RESPEKT, Bremsen – SUPER. Die abartigen Geräusche aus dem Motor, die verfluchten Lastwechsel und das elende Geruckel machen dieses Motorrad zur Plage. Hätte ich das Geld über, würde ich sie zur öffentlichen Verbrennung freigeben. 2000 Kilometer habe ich in einem Monat abgespult und mehr als die Hälfte davon geflucht.
Seit vier Monaten steht sie unangerührt in der Garage. Habe ja noch die Adventure. Die F 800 ist das mit Abstand schlechteste, das ich je gefahren bin. Ich fahre im Oktober nach Indien und freue mich schon jetzt auf die Enfield. Auf meine Frage in der BMW-Werkstatt, ob das Motorrad wirklich so »Sch...« sein muss, ob denn wirklich so irre Geräusche aus dem Motor kommen müssten, erhielt ich die Antwort: »Dies ist der Stand der Technik«. Hatte bislang einige BMW, ja selbst den 125er-C1, und nie Grund zur Klage gehabt. F 800 S – pfui BMW, schämt Euch.
Michael Panno

Ich Habe im Juli 2006 eine nagelneue F 800 in Rot gekauft. Der Bordcomputer zeigt den Verbrauch sehr genau an. Bei mir ging der Motor ab Kilometerstand 3000 nach dem Kaltstart und einer kurzen Fahrtstrecke beim Runterschalten öfters aus (mehrere unfreiwillige Slides vor Kurven). Abhilfe zusammen mit der Umrüstung der Ruckdämpferaktion bei 6000 Kilometern: Das Standgas wurde neu justiert. Anschließend keine Auffälligkeiten mehr. Auch die harten Schaltschläge sind seither Geschichte.
Wenn der Conti kalt ist, hält der gar nix. Musste ich Mitte Januar schmerzlich erfahren. Bei 7500 Kilometern also umbereift auf Michelin Pilot Road. Danach 3000 Kilometer Pässefahren und heute immer noch echt satt Profil. Klasse Reifen. Insgesamt bin ich nach den diversen kleineren Mängeln zu Beginn mehr als hochzufrieden. Durchschnittsverbrauch 4,3 l/100 km, niemals Kette schmieren. Der ideale Begleiter für die tägliche Fahrt ins Büro. Service bei BMW funktionierte ebenfalls sehr gut, und die Inspektionskosten bei der Einfahrkontrolle und der 10000er-Inspektion betrugen jeweils überschaubare 100 Euro.
Volker Fißler

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote