LESERERFAHRUNGEN (Archivversion)

Über mangelnde Zuverlässigkeit können sich die Leser kaum beklagen. Fast alle aber regen sich über die Zündkerze und den Ölpeilstab auf - beide sind nämlich schlecht zugänglich.

Gibt es Liebe auf den ersten Blick? Ja. Als ich die Ténéré zum ersten mal sah, war es auch schon zu spät. Bedenkzeit bis morgen? Ging glatt, eine Stunde später rief ich den Vorbesitzer an, um den Kauf komplett zu machen. Seitdem verstärkte sich die Sucht mit jedem gefahrenen Kilometer. Schade aber: Schrauberfreundlich ist die XTZ nicht gerade. Entweder haben die Japaner Gummiknochen, oder sie sind der Zeit so weit voraus, daß sie zum Beispiel die Zündkerze einfach aus dem Motor beamen können. Nur so ist es auch zu erklären, daß der Ölpeilstab zwischen Lenkkopflager und Tank versteckt ist. Und wird der Verschluß nicht superfest angezogen, bekommt man bei der nächsten Fahrt einen Krümmer mit Zwangsölung. Ob ich die Ténéré wieder kaufen würde? Ja, auf jeden Fall.Jennifer Sirtl, FürthVor drei Jahren kaufte ich beim Händler eine gebrauchte XTZ 660. Die Sitzbank könnte ein wenig länger und bequemer sein. Die Verarbeitungsqualität würde ich als schlecht bezeichnen: So mußte ich bei Kilometerstand 16 000 den Auspuff flammspritzen lassen, sonst hätte er sich wohl aufgelöst. Der Krümmer wurde 6000 Kilometer später gegen ein Edelstahlteil von Wunderlich ausgetauscht. Eine Zumutung ist die Ölstandskontrolle: Der Öleinfüllstutzen ist umständlich zu erreichen und die Kontrolle des Ölstands ungenau. Bei Standzeiten ab drei Tagen gab es Startschwierigkeiten, wenn nicht vorher die Schwimmerkammern entleert wurden. Bis zum Kilometerstand 31 000 traten zwar keine kapitalen Schäden auf, da aber bekanntlich ein wenig mehr Leistung nie schaden kann, mußte die Ténéré kürzlich einer Triumph Tiger weichen.Stefan Schweitzer, 24943 Flensburg1991 holte ich meine neue XTZ 660 beim Händler ab und bin seitdem 63 500 Kilometer gefahren. Liegengeblieben bin ich nur einmal, als in Norwegen die Stromversorgung der Zündung wegen eines losen Steckers ausfiel. Bei Kilometerstand 46 000 brach der Krümmer, für den halben Preis des rechten Teils gab es bei Wunderlich einen Edelstahlkrümmer, der hervorragend paßt und zudem noch besser aussieht. Der Motor beherbergt jetzt noch den ersten Kolben. Irgend etwas klickert zwar ein wenig im Leerlauf, interessiert mich aber nicht weiter. Das Getriebe knallt beim Gangeinlegen wie am ersten Tag, teilweise springen die Gänge sogar heraus oder lassen sich nicht sauber einlegen - daran ändert sich auch nichts bei Verwendung synthetischer Öle. Gabel und Federbein sind selbst nach so langer Zeit noch öldicht, der Drehzahlmesser fungiert schon länger als Pendel, die Lackierung am Rahmen ist ausreichend, am Tank zumindest auf der rechten Seite noch gut. Im Endeffekt bin ich mit dem Motorrad zufrieden und würde es bei geringerem Gewicht sogar wieder kaufen.Andreas Denecke, HamburgMeine heißgeliebte XTZ, Baujahr 1991, hat jetzt 30 000 Kilometer auf dem Buckel. Außer zwei Kleinigkeiten hatte sie bisher keine Mängel: Die Verkleidung vibrierte bei 3000/min recht laut (abgestellt durch Abfeilen von zwei Plastiknasen), und die Isolierung der Zuleitung zu den Instrumenten hatte sich durchgescheuert.Caro Wehner, HerrenbergDie XTZ 660 ist sehr zuverlässig, laufruhig, hat eine große Reichweite (zirka 400 Kilometer), ein gutes Fahrwerk und eine bequeme Sitzposition. Allerdings hat sie auch einige Nachteile: fummelige Ölstandskontrolle, schwer zu beschaffende Reparaturanleitung und eine fragwürdige Lackqualität an Auspuff und Motor. Die Verkleidung macht sich durch laute Turbulenzen am Helm bemerkbar, die Kette ist äußerst pflegeintensiv, und die Speichen im Hinterrad sind offensichtlich unterdimensioniert. Dennoch halte ich die Ténéré für ein prima Motorrad. Sie hat nur ein richtig großes Problem - die Super-Ténéré.Thorsten Mühlena, NeumünsterKasten: Das Los hat entschieden: Die 100 Mark erhält Andreas Kohout aus Solingen

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