Lexikon (Archivversion) Zur Klärung einiger Begrifflichkeiten im Interview

Bußgeldkatalog
Für schwere oder vorsätzlich begangene Verkehrsverstöße will Bundesverkehrsminister Tiefensee den Bußgeldkatalog ab 2009 verschärfen. Den Griff tief in die Tasche müssen vor allem die fürchten, die zu schnell sind, gefährlich überholen, Vorfahrtsregeln und Ampeln missachten, zu dicht auffahren und Drogen oder Alkohol konsumieren. Wer in geschlossenen Ortschaften zwischen 21 und 25 km/h zu schnell fährt, riskiert eine Buße von 80 statt wie bisher 50 Euro. Besonders teuer werden Alkoholfahrten: Der dritte Verstoß kostet 1500 Euro (bislang 750 Euro). An Fahrverboten und Punktevergabe soll sich dagegen nichts ändern. Der neue Bußgeldkatalog ist noch nicht beschlossen. Kritiker sehen ihn als "Abzocke". Kataloge: www.bmvbs.de.

Tagfahrlicht
Der Begriff "Tagfahrlicht" steht für das Fahren mit Licht am Tag. Dabei lässt sich zwischen dem "Fahren mit Abblendlicht" und dem "Fahren mit Tagfahrleuchten" unterscheiden. Beim Fahren mit Abblendlicht erhöht sich der Benzinverbrauch um zirka 0,2 Liter pro 100 Kilometer. Seit Oktober 1988 müssen Motorräder in Deutschland mit Abblendlicht am Tag fahren. Ein Sicherheitsvorteil, solange nur motorisierte Zweiräder generell tagsüber mit Licht unterwegs sind. Für Pkw und Lkw gibt es seit 2005 in Deutschland eine Empfehlung, mit Abblendlicht am Tag zu fahren. Zur Begründung dienen Studien, die sinkende Unfallzahlen voraussagen. Viele europäische Staaten haben deshalb bereits die Tagfahrlichtpflicht für Pkw eingeführt. Österreich hat sie 2008 jedoch wieder abgeschafft, weil die Unfallzahlen stiegen. Eine Untersuchung zeigte zudem, dass sich viele Fahrzeugführer durch die Lichtquellen ablenken lassen und anderes übersehen. Für das Institut für Zweiradsicherheit steht deshalb fest: "Die Einführung des allgemeinen Tagfahrlichts bringt eine Benachteiligung der ohnehin schon schwächeren Verkehrsteilnehmer (Motorrad- und Fahrradfahrer, Fußgänger) mit sich." (www.ifz.de). Für Tagfahrleuchten an Pkw existiert bereits eine Norm, an einer für Motorräder wird gearbeitet. Außerdem bieten Pkw-Hersteller bereits Modelle mit sparsamen Tagfahrleuchten an. Ob daraus eine Pflicht wird und wie sich die lichtschwächeren Tagfahrleuchten auf die Erkennbarkeit von Motorrädern auswirken, ist offen.

Kfz-Steuer
Bei Motorrädern wird die Kfz-Steuer nach Hubraum berechnet: Pro angefangene 100 cm3 kostet das jährlich 7,36 Euro. Eine Bemessung nach Abgasemissionen wie bei Pkw und Nutzfahrzeugen existiert nicht.

EU-Führerschein
Die neue EU-Führerscheinrichtlinie enthält eine Vielzahl von Regelungen, die bis zum 19. Januar 2011 in das nationale Recht der 27 EU-Mitgliedstaaten umgesetzt werden müssen und ab 19. Januar 2013 gelten. Einerseits enthält die Richtlinie Festlegungen. Ein Beispiel: Einsteiger-Bikes für den beschränkten Führerschein der Klasse A werden europaweit 48 PS statt wie bislang 34 PS leisten. Andererseits gibt es aber auch enorme Spielräume in der Umsetzung, beispielsweise beim Einstiegsalter: Für den Mopedführerschein AM, der motorisierte Zweiräder mit maximal 50 cm3 und 45 km/h Spitze umfasst, können die einzelnen Staaten die Untergrenze frei zwischen 14 und 18 Jahren wählen. Zudem kann sich jeder Staat zwischen Schulung oder Prüfung beim Stufenzugang für die Motorradfahrerlaubnis entscheiden. Das könnte in Deutschland zu einer erneuten Aufstiegsprüfung zwischen dem beschränkten Führerschein der Klasse A und dem offenen A ohne Leistungsbeschränkung führen. Weiterer politischer Zündstoff verbirgt sich hinter der Befristung der Führerscheine, die nur noch maximal 15 Jahre gültig sind, wenn sie nach Januar 2013 ausgestellt werden. Für ältere Führerscheine existiert immerhin 26 Jahre lang Bestandsschutz. Erst 2033 müssen sie in das neue EU-Dokument umgetauscht werden. Die neue Führerscheinrichtlinie wird in Deutschland wohl nicht vor der Bundestagswahl 2009 in Angriff genommen.

Tempo 80
Mit Einführung der 3. EU-Führerscheinrichtlinie fällt 2013 Tempo 80 für jugendliche Leichtkraftradfahrer weg. In diesem Punkt besteht keine Möglichkeit für eine nationale Abweichung. Die bauartbedingte Beschränkung auf 80 km/h für 16- und 17-jährige Leichtkraftradfahrer existiert nur in Deutschland. Da auch Lkw schneller als Tempo 80 fahren, führt die Beschränkung besonders beim Überholtwerden zu gefährlichen Situationen, die vermeidbar wären, wenn 125er-Fahrer im Verkehr mitschwimmen könnten. Ab 2013 ist das dann so.

125er-Leichtkrafträder
Bislang dürfen in Deutschland nur Autolenker 125er fahren, die ihren Führerschein vor dem 1. April 1980 gemacht haben, jetzt also mindestens 47 Jahre alt sind. Die 3. EU-Führerscheinrichtlinie, die 2013 umgesetzt wird, gewährt in diesem Punkt den Einzelstaaten Ausnahmeregelungen. Derzeit dürfen in Österreich Pkw-Fahrer, die ihren Führerschein fünf Jahre besitzen und einen sechsstündigen Fahrkurs nehmen, mit Leichtkrafträdern rumdüsen. In Frankreich und Belgien reichen zwei Jahre Erfahrung als Autolenker zur 125er-Fahrerlaubnis. In Spanien sind es drei Jahre. Warum eine Regelung wie beispielsweise die in Österreich in Deutschland nicht möglich sein soll, ist unklar.

Streckensperrungen
Mehr als hundert Straßen sind in Deutschland für Motorradfahrer ganz oder teilweise gesperrt. Neben nächtlichen Fahrverboten in Kurorten und in der Nähe von Krankenhäusern werden oft auch Straßen gesperrt, die bei Motorradfahrern besonders beliebt sind. Zuletzt der Lochenpass im baden-württembergischen Zollernalbkreis. Als Begründungen führen die zuständigen lokalen Straßenverkehrsbehörden neben der Verkehrssicherheit auch Lärm- und Abgasbelästigung an. Eine Streckensperrung stellt einen massiven Eingriff in die Rechte der Motorradfahrer dar und gilt als letzte aller Möglichkeiten. Wer sich gegen eine drohende Streckensperrung wehren will, kann unter www.ifz.de/bagmo.htm den Leitfaden "Gemeinsam gegen Streckensperrungen" herunterladen.

Bussspuren
Motorradfreundliche Städte bieten beispielsweise genügend Parkplätze für motorisierte Zweiräder an. In Großbritannien geht man noch einen Schritt weiter. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson plant, dass Motorräder künftig Busspuren nutzen können. Einer Studie zufolge sinken die Unfallzahlen, wenn die Spuren für motorisierte Zweiräder geöffnet werden. In einigen britischen Städten wie Bristol und Bath sind die Spuren bereits seit Jahren für Motorräder freigegeben. Auch das britische "Department for Transport" ermutigt Städte inzwischen, Bikes auf Busspuren zuzulassen.

EU-Emissionsgrenzwerte
Die Europäische Kommission plant, für neue Motorräder verschärfte Emissionsgrenzwerte festzulegen. Noch gibt es keine Veröffentlichung zum Thema. Die grobe Richtung: ähnliche Werte wie die Euro 5 für Pkw ab 2015. Das bedeutet in etwa eine Halbierung der jetzigen Grenzwerte für Kohlenmonoxid. bho

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel