LKM-FZ1 (Archivversion) Rundum sorglos

leich taucht sie wieder auf, diese fiese Stelle. In fünf Sekunden wird sich zeigen, ob Mister LKM, Hennes Löhr, seine Hausaufgaben nicht nur
ordentlich, sondern perfekt gemacht hat. Runterschalten in den Zweiten, leicht über den Lenker runterdrücken. Die Kombination aus breitem
Lenker und den montierten Michelin Pilot Power ist traumhaft. Federleicht wie eine 600er taucht die LKM-FZ1 ab, folgt den Intentionen und der angepeilten Linie des Piloten. Hartes Anbremsen über zwei Schlaglöcher – das mit Gabelfedern und Federbein von SO-Products bestückte Fahrwerk lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen, hält beide Räder fest am Boden und filtert die Schläge einfach weg. So muss es sein.
Schräglagenwechsel, scharfer Rechtsknick, runter in den Ers-
ten. Und durchladen. Der erste Gang ist bis 130 km/h übersetzt. Fünf heftige Bodenwellen hintereinander erschüttern die Tausender von Yamaha. Das Vorderrad wird leicht. Sehr leicht. Kurzzeitig hat der Fahrer das Atmen vergessen, sich am Lenker fest-
gekrampft. Doch der Lenkungsdämpfer hat die Sache im Griff.
An genau der gleichen Stelle hatte die Serien-FZ1 vor ein paar Wochen noch wild mit dem Lenker geschlagen.
Überhaupt benimmt sich eine LKM-FZ1-Fazer völlig anders als das Serienpendant. Und das liegt vor allem am Motor. Vor-
geschichte: Für den Naked-Bike-Kracher FZ1 hat Yamaha den drehfreudigen R1-Motor aus dem Teileregal gezerrt und ihn neu konfiguriert. Die Kurbelwelle ist schwerer, die Verdichtung geringer, und die Steuerzeiten wurden zahmer ausgelegt. Diese Maßnahmen sollten aus dem Rennaggregat einen Landstraßenräuber zaubern. Doch etwas ist schief gelaufen. In der FZ1 dreht der
Motor zäher und nicht so hoch wie im Supersportler. Auch konnte die Nackte nicht wie gewünscht an Drehmoment zulegen. Die FZ1 liegt sowohl in puncto Beschleunigung als auch Durchzug hinter ihrer Sportlerschwester und vermiest zudem mit sehr ruppiger Gasannahme die Freude am Fahren.
Ein Fall für Hennes Löhr. Um die Mängel der FZ1 auszumerzen, zerlegt er den Vierzylinder bis auf den Rumpf und verpasst dem Hightech-Aggregat einen Feinschliff, bei dem er von über
30 Jahren Erfahrung zehrt (siehe Interview Seite 59). Löhrs Veredelungen im Zylinderkopfbereich sind strömungsoptimierend und verbessern die Füllung der Zylinder. Das penible Auslitern,
die perfekte Abstimmung der vier Zylinder untereinander erhöhen die Laufkultur. Präzises Ventilspiel in Verbindung mit exakter
Einstellung der Steuerzeiten durch Langlöcher in den Nocken-wellen-Zahnrädern bilden das i-Tüpfelchen. Die Hardware-Maßnahmen unterstützt Tuner Löhr durch einen Eingriff in das Steuergerät und spielt ein neues, auf sein Feintuning abgestimmtes Mapping auf die Yamaha-Steuereinheit.
Das Ergebnis ist nicht nur mess-, sondern auch spürbar.
Wunderbar sanft und direkt hängt der Tausender am Gas, setzt die Befehle der Einspritzung sofort in Vorwärtsdrang um. Die vermaledeiten Lastwechselreaktionen sind nahezu verschwunden, der Motor hat kräftig an Leistung zugelegt. 148 PS hatte eine
originale FZ1-Testmaschine zuletzt auf dem MOTORRAD-Prüfstand gepresst. Die LKM-FZ1 drückt 166 PS. Oberhalb von 4000/min besitzt die getunte Maschine stärkere Muskeln, vor allem das Drehmoment-Plus im mittleren Bereich wertet den Motor auf. Während man mit der Serien-FZ1 in engen Radien oft mit der Kupplung nachhelfen muss, zieht die LKM-FZ1 dort ohne Fingereinsatz einen sauberen Strich. Unter Beibehaltung des Serien-Schalldämpfers gibt Löhr für sein Motor-Tuning 161 PS an und verlangt für die beschriebenen Maßnahmen 1450 Euro. Noch mal drei PS mehr sollen es mit Slip-on-Endschalldämpfer von Bodis oder Akrapovic sein, sechs durch eine Akrapovic-Komplettanlage.
Die noch bessere Nachricht: Das Motorrad bleibt TÜV-konform. Und LKM gewährt zwei Jahre Garantie. Unabhängig, ob der Kunde seine Maschine mit einigen Tausend Kilometern auf den Hof stellt, ein Neufahrzeug bei ihm kauft oder anliefert.

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