Löhmer-Suzuki V-Strom 1000 (Archivversion) ASCHENPUTTEL

Es war einmal ein mächtiges Motorrad, mit einem fulminanten V2-Motor, das galt mit 237 Kilogramm in seiner Klasse als echtes Leichtgewicht – wenn auch nicht als Schönste im Land. Dem gaben seine Väter neben einem komischen Namen auch eine Pendelneigung bei höherem Tempo mit auf den Weg. Aber um niemanden in Versuchung zu führen, kappten die Entwickler im fernen Japan elektronisch die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h.
Keine Bange, die Geschichte geht gut aus: Schon im Serientrimm fand Suzukis pausbäckige V-Strom 1000 viele Prinzen. Einer, der es besonders gut mit ihr meint, heißt Klaus Löhmer und wohnt hinter den sieben Bergen, in Euskirchen bei Bonn.
Er lässt nämlich die 17-Zoll-Felge handwerklich äußerst akkurat auf attraktive
5,5-Zoll verbreitern. Darüber stülpt er
einen Straßenschuh im Format 180/55 statt des 150ers. Hinten rotiert ein Bridgestone BT 54, vorne kann der Trailwing
auf der 19-Zoll-Serienfelge verbleiben. Und weil Wünschen manchmal hilft, gibt es die Felgenverbreiterung auch für die
V-Strom 650 und die Honda Varadero.
Der wackere Klaus kann gar, wie an
der Testmaschine, mit einem Satz Tourensportreifen vom Typ BT 020 (vorn in
110/80 ZR 17), sowie Wilbers-Federn für vorn und hinten dienen; sonst bleibt das Federbein serienmäßig. Haftfreudig verkrallen sich die Straßenreifen im Asphalt, schnell wachsen Vertrauen wie Kurvenspeed. Harmonisch durchwedelt die V-Strom Wechselkurven, lässt sich zielgenau dirigieren. Erst bei schnellen Schräglagenwechseln, wenn das Tempo von allen guten Geistern verlassen scheint, erfordern die hohen Kreiselkräfte des großen Vorderrads energischere Lenkimpulse.
Ein Tischlein-deck-dich finden Tourenfahrer vor. Die Sitzbank, deren Kern und Bezug ein Sattler individuell anpasst, unterstützt die Lendenwirbel. Feiner spricht die Gabel mit den neuen Federn an, sie verarbeitet dicht aufeinander folgende Impulse besser, die Tendenz zum Stuckern entfällt fast. Beim Bremsen schließlich taucht die Front nun nicht mehr so weit ab.
Himmlisch stabil im Vergleich zur Serien-V-Strom ist der Geradeauslauf. Um das zu demonstrieren, demontierte das tapfere Löhmerlein für MOTORRAD testhalber den Speedcutter im fünften und sechsten Gang. Nun spannt die 1000er in allen Fahrstufen 98 Rösser ein, dreht ungehemmt hoch. Schade, die Zulassungsfee verweigert ihren Segen zu diesem Umbau. Schließlich rennt die Löhmer-Suzuki deutlich schneller über die Bahn als das Original und bleibt dabei allzeit ruhig.
Wunderbar leicht lassen sich dank edler Magura-Radialpumpen Kupplung und Bremse bedienen, Lucas-Stahlflexleitungen verbessern den Druckpunkt der Serienbremszangen. Die Optik tuned der Bugspoiler von der SV 1000 S – er passt ohne Modifikationen – und das erschlankte Heck: Eine neu gefertigte Halterung erlaubt, Nummernschilder bis 220 Millimeter Breite inklusive Kennzeichenleuchte nach oben zu setzen, dazu wandert das Sitzbankschloss in den linken Seitendeckel.
Das i-Tüpfelchen wären die schmalen »Schalldämpfer«, die sich eng an den Rahmen schmiegen und das Heck selbst mit Koffern verschmälern. Doch die überlauten Remus-Töpfe, Typ Revolution, taugen nur für Aufruhr in der Nachbarschaft. Miniblinker und abgeklebte Scheinwerferwinkel machen den wuchtigen Vorbau schnittiger. Letztere sind in Deutschland aber illegal, weil sie die Standlichtlampen verbergen. Und das ist leider kein Märchen. tsr

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