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Louis-Umbau Honda Dominator Was schütten die sich bloß in den Kaffee?

Ein Trupp des Motorradzubehör-Händlers Louis baut eine Honda Dominator zum Racer um. MOTORRAD Classic-Redakteur Uli Holzwarth ist begeistert. Und legt seine eigenen Umbau-Pläne erstmal auf Eis.

Es muss ein Ablenkungsmanöver gewesen sein. Irgendwann im Frühjahr war es, als Kay Blanke in seiner Eigenschaft als Honda XBR-Eigner wieder mal bei mir angerufen hat. Und – wie immer – nebenbei versucht hat, mir meinen Speichenrad-Satz abzuschwatzen, wegen Umbau und so. Hätte er sich eigentlich sparen können, meine Antwort kannte er ja. Keine Speichenfelgen, kein Café Racer-Umbau. Dachte ich, während ich gleichzeitig Ausschau nach einer guten Honda Dominator hielt. Ebenfalls wegen Umbau, und so. Was ich ihm aber nicht gleich auf die Nase gebunden habe.

Ein Scrambler sollte es werden, mit etwas Chrom und runder Lampe, so hab ich mir das vorgestellt. Glemseck 101 gehörte für mich deshalb auch in diesem Jahr wieder zum Pflichtprogramm. Nirgendwo sonst sieht man so viele tolle Umbauten, so viele inspirierende Maschinen und abgefahrene Leute, ähm, Ideenlieferanten auf einem Fleck. Aus ganz Europa sind sie im September 2014 wieder zur ­alten Solitude-Rennstrecke gepilgert, die Frickler, Künstler, Spinner, Amateure und Profis, um einer Szene zu huldigen, die viel zu bunt und vielschichtig ist, als dass man sie bloß auf die der Café Racer reduzieren könnte.

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Weil er einfach geil gemacht ist

Mittendrin auf der drei Kilometer langen Show-Meile natürlich auch das weiße Louis-Zelt. Logisch, dass ich dort vorbeischauen musste, man kennt sich ja. Ebenso den Seven ­Fifty-Umbau auf dem Podest, mit dem die Louis-Truppe im letzten Jahr schon mitgemischt hat.

Olle Kamelle, denke ich noch bei mir, als es mir fast die Pupillen aus dem Schädel reißt und mein Unterkiefer Richtung Zehenspitzen klappt. Dummerweise genau in dem Moment, als der Herr Blanke meiner gewahr wird. Ich sehe sein breites Grinsen, während mein Oberstübchen noch verzweifelt versucht, die Sinneseindrücke zu einem vollständigen Bild zusammenzufügen. Nicht, dass es an ungewöhnlichen Umbauten mangeln würde, schon gar nicht beim Glemseck 101. Doch dieser Umbau hier, der hat mich wirklich umgehauen. Weil er einfach geil gemacht ist. Und so anders ist als alles andere, was man üblicherweise zu sehen bekommt. Da ich mich ja selbst eingehend mit der Honda Dominator beschäftige, ­haben mir die Vierkantprofile im Bereich der Schwingenlagerung sofort verraten, welchen Ursprungs dieser Umbau ist. Meine Güte, was schütten sich die Jungs in Hamburg bloß in ihren Morgenkaffee?

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Es war einmal ein hochhackiges Stollenkrad

Es muss etwas sein, das Horizont und Sinne mächtig erweitert. Wie sonst kommt man auf die Idee, ein hochhackiges, leicht pummeliges Stollenkrad wie die Dominator als Ausgangsbasis für einen klassischen, zierlichen Renner zu verwenden? Der Kay muss mir mal eine Prise von diesem Mittelchen überlassen. Denn das, was er und seine Truppe da auf die schmalen Speichenräder gestellt haben, ist ein Knaller, für mich DAS Bike beim Glemseck 101 2014. Ein herrlich puristischer „Domi-Racer“, der so harmonisch geraten ist, dass die Enduro-Gene selbst für ­Kenner kaum mehr zu erahnen sind. Ein ­wunderschöner, in jeder Hinsicht gelungener Umbau zum klassischen Renner, der sich mit seinem Flat Tracker-Heck ­außerdem noch wohltuend vom üblichen Café Racer-Einerlei abhebt.

Im Zentrum der flachen und schlanken Kreation steht der auf 675 Kubik­zentimeter aufgebohrte Radial-Vierventiler mit gesunden 62,5 PS. Der schwarze Riese ­bildet einen reizvollen Kontrast zu dem handgedengelten Alu-Tank, durch dessen aufwendige Mehrschicht-Lackierung hier und da ein feiner Wölkchen-Schliff schimmert. Nicht minder gelungen die extra­vagante Auspuffanlage und viele weitere schöne Details, von denen sich hier jeder selbst ein Bild machen kann. Ich jedenfalls bin schwer beeindruckt.

Aber auch ein wenig konsterniert. Weil ich mir einen besseren Umbau auf Basis der Honda Dominator kaum vorstellen kann. Meine eigenen Pläne habe ich deswegen erst einmal auf Eis gelegt. Vielleicht werde ich sogar schwach, wenn Kay irgendwann wieder mal nach meinen Speichenrädern fragen sollte. Weil ich weiß, dass er nicht nur ziemlich in Ordnung ist. Sondern – wie man sieht – auch ein richtig Guter.

Foto: Louis
Kay Blanke (links) und Detlef Stüdemann.
Kay Blanke (links) und Detlef Stüdemann.

Kay Blanke im Interview

Wie bist du ausgerechnet auf die Dominator als Basis für den Umbau gekommen?

Für uns bei Louis ist es wichtig, dass wir möglichst viele Motorradfahrer erreichen und ­ihnen Anregungen geben können, das eigene Fahrzeug so oder ähnlich umzugestalten. ­Daher ist Grundvoraussetzung für solch einen Umbau, dass beim Kraftfahrtbundesamt noch genügend Bikes dieses Typs geführt werden. Die Dominator ist in Deutschland noch roundabout 10.000-mal vertreten, mit den XL- und XLR-Modellen hat sie außerdem noch einige Geschwister, auf die sich so ein Umbau ganz gut übertragen lässt. Sehr verlockend war für uns in diesem Fall natürlich auch der ziemlich drastische Vorher-Nachher-Effekt.

Was gab den Anstoß?

Das Konzept lag schon eine Weile in der Schublade. Nach dem Seven Fifty-Umbau als klassischem Café Racer im vergangenen Jahr wollten wir etwas Spannenderes ­machen und keine ­Stil-Wiederholung. 

Wann habt ihr angefangen?

Im Mai 2014 konnten wir absehen, dass wir es ­zeitlich packen können. Als erste Präsen­ta­tion haben wir uns das Glemseck 101 ­Anfang September 2014 gesetzt. Damit war der Terminplan schon sehr sportlich gefasst, ­zumal wir zu dem Zeitpunkt nicht einmal das Basisfahrzeug hatten.

Wer war denn alles am Umbau der Honda Dominator ­beteiligt?

Unser Werkstatt-Urgestein Detlef Stüdemann hat die Schraub- und Detailarbeiten erledigt, mein Part waren Konzept und Design.

War der Umbau nur ein Spaß-Projekt, oder was steckt dahinter? 

Solche Dinge sind die Kür unseres Jobs. Es ist großartig, so ein Vorhaben wachsen und letztendlich fertig zu sehen. Auch wenn es in der Tat unglaublich viel Spaß macht, ist Sinn und Zweck vor allem das Aufzeigen, was man mit den ­Teilen aus unserem Sortiment so alles anstellen kann.

Was war dabei die größte Hürde?

Ganz klar der eng gesteckte Terminplan. ­Daher haben wir einige Dinge parallel laufen lassen. Mit Tuning-Papst Ulf Penner, Friedhelm Lammers, der den Alu-Tank gebaut hat, und Danny Schramm als Lackierer haben wir einige Cracks der Szene mit ins Boot geholt, die einen hervorragenden Job gemacht ­haben.

War dir von vornherein klar, wie das ­Er­gebnis aussehen sollte?

Eigentlich schon. Scrambler- und Flat Tracker-Umbauten gab es inzwischen ja schon einige, warum also das Teil nicht richtig flach legen? Das Ganze dann in hübsch und ohne Rücksicht auf Konventionen bauen, so war der Plan. Dass die Umsetzung wegen der Hochbeinigkeit und dem steil ansteigenden ­Rahmen der Dominator durchaus tricky wird, hat für mich letztendlich auch den Reiz ­dieses Projekts ausgemacht.

Und wie habt ihr das Bike so flach ­bekommen?

Statt hinten mit der Pro-Link-Hebelei zu ­experimentieren, haben wir ein kürzeres ­Federbein von Bitubo verbaut. Das bringt dort sieben Zentimeter. Vorn haben wir die Gabelstandrohre gekürzt und das 21er-­Vorderrad durch ein 19 Zoll messendes ­ersetzt, das hat 9,5 Zentimeter eingespart. Außerdem ist der hohe Serienaufbau von Verkleidung, Tank und Sitzbank entfallen. Nicht zuletzt deshalb wirkt die Honda jetzt geradezu zierlich. Das täuscht übrigens nicht, ohne Sprit bringt sie nur noch 139 ­Kilogramm auf die Waage!

Stichwort Leistung: Wie viel drückt eure Domi?

Mit offener Auspuffanlage hat Ulf 62,5 PS und 74 Newtonmeter auf die Rolle gezaubert. Er nannte das gegenüber 44 PS und 54 Newton­meter im Serienzustand „ganz ­ordentlich“. ­Damit beim Glemseck 101 aber nicht gleich das Laub von den Bäumen fällt, musste ein Vorschalldämpfer her. Aber auch damit sind immer noch außerordentlich ­stürmische 58 PS dabei, das Vorderrad selbst im dritten Gang anzuheben. Erreicht ­wurde die Mehrleistung durch klassisches ­Tuning wie ­Aufbohren des Zylinders, Erhöhung der Ver­dichtung, Bearbeitung der Kanäle, eine scharfe Nockenwelle und den obligatorischen Mikuni-Flachschiebervergaser samt K&N-­­ Luft­filter.

Was kostete der Umbau, was waren die ­teuersten Posten?

Inklusive des Basisfahrzeugs mit gerade mal 8400 Kilometern auf dem Tacho haben wir rund 1.0000 Euro ausgegeben. Man kann ­einer ­Dominator aber auch für deutlich weniger Geld ein sehr ähnliches Äußeres ver­leihen. Bei uns schlug zum Beispiel allein die Einzelanfertigung von Krümmer und Vorschalldämpferanlage sowie dem Hurric-­Enddämpfer mit 2000 Euro zu Buche.

Nach der Seven Fifty nun die Dominator als ­Racer: Auf was dürfen wir uns denn beim nächsten Glemseck 101 freuen? 

Da muss ich erst einmal auf die KBA-Zahlen ­gucken. Und in unsere Terminkalender...

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