LSL-Triumph Thruxton Clubman (Archivversion) Yesterdays Beat

Früher, als Twix noch Raider hieß, Männer als echte Kerle durchgingen und Tanks noch nicht als Luftfiltergehäuse, da gab es in England eine feine Rennserie, die Clubman-Races. Gemäß Reglement mussten die darin startenden 500er in Serie
produziert werden und Straßenhomologation besitzen. Glorreiche Namen stammen aus dieser Epoche, BSA Gold Star oder Velo-
cette Venom Thruxton etwa. Nach eben dieser Rennstrecke von Thruxton hat Triumph seinen Café Racer benannt. Um damit an große Siege seiner Twins in den 60ern, insbesondere beim 500-Meilen-Lauf im Jahr 1969, zu erinnern.
Letztlich knüpft auch die LSL-Triumph Thruxton Clubman an diese Renntradition an. Denn dieses Motorrad startete bei den vier Läufen des »Triumph Classic Cups« 2005 für klassische und neuzeitliche Triumph-Twins. Da kann mehr Leistung naturgemäß nicht schaden. Dafür sorgen beim Krefelder Tuning-Bike Änderungen am Luftfilterkasten (Zwischenwand und Ansaugschnorchel fehlen – nicht eintragungsfähig), eine angepasste Vergaserbe-
stückung und relativ offenherzige Auspufftröten.
»Echte, fleischige 70 PS« seien damit drin, sagt LSL. Schön gleichmäßig an Kraft zulegend, fast unspektakulär schiebt der 865 cm3 große Kurzhuber die Schönheit an. Der 360-Grad-Paralleltwin spielt ihn lässig-schnoddrig, den Yesterdays Beat. Unten herum brabbeln die beiden Schalldämpfer noch dezent, bei hohen Drehzahlen aber werden sie ihrem Namen kaum gerecht.
Klassisch-sportlich fällt das von LSL modifizierte Sitzplatz-
Arrangement aus. Daran beteiligt: die hauseigenen, weniger extrem nach unten gekröpften Stummellenker Tour-Match, »Clubman«-Sitzbank ohne Plastikhöcker und weit hinten liegende
Austauschrasten »Racing«. Ja, so hat sich das angefühlt, damals. Wem das zu sportlich ist – wir werden ja alle älter –, kann bei LSL einen Hochlenker-Umbau für die Thruxton ordern. Heiß: Genau wie der Stahlrohrrahmen packt auch der Fahrer den Motor beim Zylinderkopf. Mit den Knien nämlich, die vollflächig anliegen.
Auf der Suche nach mehr als nur Yesterdays Speed biegt
die Triumph knackig und flott ums Eck. Umgespeichte Alu-Felgen in den Dimensionen 2.50 mal 18 und 4.25 mal 17 beherbergen gripfördernd dickere Diagonalreifen: formidable Bridgestone BT 45,
in den Formaten 110/80-18 und 150/70-17. Doch in allzu forsch angegangenen, langen Kurven rührt’s ein wenig im Gebälk. Das Fahrwerk repräsentiert den Stand der 80er Jahre, basta. Ist gar kein schlechtes Feeling, seinem Motorrad überlegen zu sein.
Die Telegabel mit progressiv gewickelten Wilbers-Federn spricht ordentlich an. Bockig geben sich dagegen die Classic-Stereo-Federbeine aus gleichem Hause. Bei langsamer Geradeausfahrt (wer will das schon?) lässt der LSL-Lenkungsdämpfer die Clubman ein wenig taumeln. Old Spirit selbst beim Look. Bestens stehen der Thruxton champagnerfarbener Lack, rauchig wie bei Norton, kleines Klarglas-Rücklicht und »satinierte LED-Blinker«. Ein knapp geschnittener, radikal gekürzter Innenkotflügel aus GFK ersetzt das ausladende Serien-Schutzblech am Heck. Deutlich drahtiger und schnittiger. Sinnlich-sportlich halt. tsr

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