Mapping und die Manipulation Plug and pray

Ran an den Kabelbaum und her mit der besseren Leistungsentfaltung? Ganz so einfach ist der Umgang mit Powercommander und Co. nicht, wie ein Testlauf beweist.

Foto: Künstle
Bei der Abstimmung eines Motorrads müssen die Werkstechniker Kompromisse schließen: Wie lässt sich beste Fahrbarkeit mit den gesetzlichen Vorgaben bezüglich Abgas- und Geräuschemissionen kombinieren. Klar ist: Das Mapping eines Motorrads ist genau auf den Serienzustand angepasst. Was aber passiert, wenn Teile geändert werden, beispielsweise andere Luftfilter oder Zubehör-Auspuffanlagen zum Einsatz kommen? Die Motorsteuerung wird plötzlich mit neuen Konstellationen konfrontiert und muss Werte verarbeiten, die in keinem Kennfeld erfasst sind. Beispielsweise durch deutlich veränderte Geschwindigkeiten im Ansaug- und Abgastrakt. Optimal wäre es, wenn das System lernfähig ist, sich beispielsweise mit Klopfsensoren und schneller Lambdaüberwachung auf die veränderte Situation einstellen kann. Doch was tun, wenn das Bike damit nicht ausgestattet ist? "Zu Vergaserzeiten", so Armand Mottier von Micron Systems, "hat man einfach umbedüst. Das geht heute nicht mehr." Deshalb wird auf die Mikroelektronik gesetzt. Bekanntestes System ist der Powercommander von Dynojet, andere kommen von Nikko (G-Pack) oder Dimsport (Rapid Bike). Über diese Zusatzgeräte werden die Einspritz- und Zündbefehle des Steuergeräts manipuliert, das dort hinterlegte Set-up des Herstellers allerdings nicht angetastet.

Beispiel: Das Grund-Mapping gibt für eine bestimmte Drehzahl und Drosselklappenstellung die Einspritzzeit von fünf Millisekunden vor. Auf dem Zusatzgerät ist für diese Konstellation hinterlegt, dass die Einspritzzeit um fünf Millisekunden erhöht werden soll. In der Folge spritzt die Düse mit zehn Millisekunden ein, um ein fetteres Gemisch für mehr Leistung zu erhalten. Dass das Grund-Mapping eines Serienbikes allerdings fast nicht zu verbessern ist, beweist unsere Prüfstandsläufe mit einer Yamaha FZ1, die mit einem Powercommander und dem G-Pack-Modul von Nikko bestückt wurde. Durch einfaches Anstecken der Geräte bleibt die Leistungsentfaltung nahezu unverändert auf Serienniveau. Die Anbieter empfehlen deshalb, beim Einsatz dieser Geräte das Bike individuell auf einem Prüfstand abzustimmen. Erst dann, so Rapid-Bike-Vertriebsmann Karsten Schmidt, "passt das Mapping zum Bike wie die maßgeschneiderte Kombi zum Fahrer". Was der Gesetzgeber dazu sagt ist, steht in "Mapping und das Gesetz".

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote