Martin Wimmer und Ralf Waldmann kaufen deutsche Traditionsmarke Die Rettung für MZ

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"Oft hat MZ in den vergangenen 20 Jahren auf der Kippe gestanden. Und doch immer wieder die Kurve gekriegt. Jetzt allerdings sieht es so aus, als käme im Erzgebirge nicht wieder eine Wende." Ein Zitat aus MOTORRAD 4/2009 - erschienen Ende Januar. Und jetzt ist sie doch da, die Wende: Die ehemaligen Grand-Prix-Fahrer Martin Wimmer und Ralf Waldmann haben MZ gekauft, oder zumindest so gut wie. Und "MZ" heißt in diesem Fall wahrscheinlich alles, also Marke, Produktionsanlagen und Rechte. Auch wenn es also lange wahrscheinlich war, dass die über 80jährige Tradition des sächsischen Motorradbaus in Zschopau ein Ende hätte, scheint es weiterzugehen. Nach Informationen von MOTORRAD wird das Ergebnis der Verhandlungen nächste Woche bekannt gegeben, Martin Wimmer ist sehr optimistisch, dass alles klappt, auch wenn der Einzelheiten noch nicht "zu 1000 Prozent sicher" sind. Da von der Geschäftsführung des MZ-Eigentümers Hong Loeng zurzeit niemand in Deutschland ist - in Malaysia werden die Details vielmehr zurzeit mit der Konzernführung besprochen - , wird es noch einige Tage dauern, bis der Vertrag tatsächlich unterzeichnet wird.
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Aus diesem Grund gibt es auch noch keine offizielle Stellungnahme zu den weiteren Planen. Was aber von verschiedenen Medien vermutet wird, ist nicht unwahrscheinlich: Konzentration auf die 125er, die Teile dafür sollen voraussichtlich aus China kommen, wo Martin Wimmer lange gelebt hat. Neben exzellenten Verbindungen wurde dort offensichtlich auch bereits eine Firma gegründet, über die die Geschäfte in Zukunft abgewickelt werden könnten. Eine Zukunft für die aufwändige 1000er kommt in diesem Szenario jedoch nicht vor.
Natürlich wissen Wimmer und Waldmann auch, dass neben den Produkten auch am Image gearbeitet werden muss, so hat Ralf Waldmann unter anderem gegenüber der Bild-Zeitung geäußert, dass man in den Enduro-Sport mit einer MZ einsteigen wolle.
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Nicht nur ein Engagement im Rennsport, auch das ganze Projekt einer Auferstehung von MZ benötigt eine gehörige Finanzspritze. Zum Thema Finanzierung war gemeldet worden, dass der Freistaat Sachsen eine Unterstützung ablehnt, hierzu stellt Wimmer klar, dass dies eine Falschmeldung ist: "Die Gespräche laufen, da ist noch nichts entschieden". Laut Wirtschaftsministerium könne eine wiederauferstandene Firma MZ - unabhängig vom Investor - durchaus mit Förderung rechnen: Alle Neuinvestitionen und alle Gelder für Forschung und Entwicklung könnten bei einem Unternehmen dieser Größe mit bis zu 50 Prozent gefordert werden. Voraussetzung dafür: Ein tragfähiges Konzept, das eine Produktion in Sachsen vorsieht. Nur ein Kauf an sich könne nicht gefördert werden, schließlich sind die bestehenden Anlagen bereits mit Fördermitteln unterstützt worden. Das Wirtschaftsministerium stellt klar: Zweimal Steuergelder für die gleiche Sache ausgeben, das geht nicht.

In der Region um Zschopau freut man sich natürlich über die letztlich doch unerwartete Nachricht: Wer hatte schon damit gerechnet, dass zwei deutsche Investoren mitten in der Wirtschaftskrise ein Unternehmen kaufen, dass eigentlich völlig am Ende war? Oberbürgermeister Klaus Baumann, in den Siebziger Jahren selbst unter anderem als Lackierer bei MZ beschäftigt, schätzt es sehr, dass die langjährige Tradition des Motorradbaus in der Region fortgesetzt wird; und auch Wimmer bestätig, dass sie auf jeden Fall in Zschopau produzieren wollen. Noch wichtiger als die Tradition sind dem Bürgermeister daher die Arbeitsplätze, die in der Region entstehen sollen. Baumann zu MOTORRAD: "Wimmer und Waldmann sind Fachleute mit Gespür dafür, was geht und was nicht geht. Wenn dann noch kaufmännischer Sachverstand dazu kommt, bin ich sehr optimistisch." Nicht nur die Freude der Marke, drücken den beiden Investoren, der Traditionsmarke MZ und der ganzen Region sicher die Daumen, dass Baumann mit seiner Einschätzung Recht behält.

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