Mastercross 2006 (Archivversion) Interflug

23 Motorräder aus allen Klassen, sieben Piloten von sieben international renommierten Zeitschriften, drei Tage Zeit und jede Menge Flugstunden. Das Mastercross 2006 – Gigantismus auf Stollenreifen.

Collin Dugmore ist sichtlich beeindruckt. Und das will was heißen. Der Südafrikaner, der 19 seiner 37 Lebensjahre in Deutschland verbracht hat, ist in der Regel Mr. Cool in persona. Bei seinem allerersten Mastercross verliert der mit allen Wassern gewaschene Routinier allerdings seine Fassung. Nicht, weil es um die persönliche Prestige-Wertung geht. Beweisen zu müssen, dass er der Schnellste der Vorzeige-Crosser ist, mit denen die insgesamt sieben internationalen Motorrad-Fachzeitschriften antreten, daran ist der Vollblut-Racer längst gewöhnt. Den Druck, sich messen und alles geben zu müssen, spürt der Profi-Crosser jedes Wochenende.
Was ihn reizt, sind die Möglichkeiten, die der Auftritt im Parcmotor bei Igualada, einer Offroad-Anlage in der Nähe von Barcelona, die demnächst um einen Straßenrennkurs erweitert wird, bietet. Nämlich die Chance, alle aktuellen Motocross-Modelle drei Tage lang über eine Motocross-Piste zu prügeln. Ein weltweit einmaliges und längst renommiertes Konzept, eben das Mastercross.
Das – natürlich – von der Vollständigkeit der anwesenden Modellpaletten lebt. Schade, dass nach den schwachen Bewertungen im Vorjahr die Edelschmiede TM Racing beleidigt zu Hause in Italien blieb und dass ausgerechnet eine der spektakulärsten Neuerschei-
nungen des kommenden Modelljahrs, die komplett renovierte und nun mit Alu-Rahmen ausgerüstete Yamaha YZ 450 F, zum Zeitpunkt des Tests noch nicht europäischen Boden berührt hatte. Sei’s drum. Der Frage nach dem besten Viertakt-Crosser in der MX1-
Klasse – inklusive der 450er-Yamaha – wird MOTORRAD nach dem Vergleichstest der MX2-Bikes (Heft 24/2005) bereits in der nächsten Ausgabe gesondert nachgehen.
Dennoch: Der Reiz des Ungewöhnlichen sollte nicht über den grundsätzlichen
Charakter des Mastercross hinwegtäuschen. Den einer Momentaufnahme, die unter den vorgegebenen Bedingungen sicher ein weitgehend objektives Ergebnis erreicht.
Und so viel darf geprahlt werden: Der unter der Flagge von MOTORRAD startende Collin schlug sich prächtig. Ausnahmslos alle Bestzeiten gingen auf das Konto des fünffachen deutschen Meisters. Und wer sich wundert, dass seit Jahren kaum weiterent-
wickelte Zweitakter wie die Suzuki RM 125 oder die Kawasaki KX 250 das Halbfinale oder sogar das Finale erreichen können, der sollte Collins bescheidenes Berufsethos beherzigen: »Die Bikes könnten noch schneller, ich nicht.« Was wohl nicht nur für Collin gilt.

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