Masterenduro 2006 (Archivversion) Über-Flieger

Jeder gegen jeden, jede gegen jede. 25 Enduros, sieben Top-Piloten aus sechs Nationen und eine Frage: Welches Bike ist der Überflieger für die Saison 2006?

Hand aufs Herz, gewundert hat sich über die Konstellation im Finale eigentlich niemand. KTM gegen KTM gegen KTM. Bei der erdrückenden Marktdominanz der
Österreicher zwar kein besonders aufregendes, aber dennoch nachvollziehbares Ergebnis. Sehen wir es sogar als Gerechtigkeit des Schicksals an. Im vergangenen Jahr wurde KTM beim Masterenduro schließlich ohne einen einzigen Blumentopf nach Hause geschickt. Damals, als sich im Gerangel um den klassenübergreifenden Chefposten die Honda CRE 450 F gegen die Gas Gas 300 und die Yamaha WR 250 F durchsetzte. Bitter für einen
Hersteller, der dem Stoff, aus dem die Enduroträume sind, seit Jahren die orangefarbenen
Fäden liefert. Apropos Farben, selbst wenn das Masterenduro wohl der umfangreichste Endurotest der Welt ist, fehlen drei Hersteller: Bei Aprilia hatte die Produktion der kürzlich vorgestellten RXV 4.5 noch nicht begonnen, Beta und TM Racing zeigten kein Interesse.
Zurück zu KTM. Denn schließlich verrät gerade der überraschende Auftritt der hinlänglich als schwachbrüstig bekannten 250er-Viertakt-KTM viel vom Wesen des Endurosports. Denn obwohl das Resultat des Masterenduro letztlich nur eine Momentaufnahme bleibt, die die Kräfteverhältnisse unter den gegebenen Bedingungen widerspiegeln, beweist es doch eins: Die pure Motorleistung bleibt im Unterholz von zweitrangiger Be-
deutung. Fahrbarkeit, Handling, Agilität, das sind die Werte, die zählen. Anforderungen, die trotz der noch aktuellen Präsenz der Zweitakter ganz klar den Viertaktmotoren zugute kommen. Die gefahrenen Zeiten belegen die Kräfteverhältnisse eindeutig. In keiner einzigen Klasse konnte ein Zweitakter – sicherlich auch durch den vom Reglement auferlegten Hubraumnachteil bedingt – sich vor dem jeweils langsamsten Viertakter platzieren.
Das weiß Sascha Eckert schon lange. Im Kampf um Sekunden und vor allem Prestige, den die Kollegen des italienischen Magazins Motosprint mit dem Engagement des
vierfachen Weltmeisters Mario Rinaldi bereits vorab für sich entschieden, schlug sich die
Verpflichtung von MOTORRAD im Parcmotor im spanischen Igualada nämlich hervor-
ragend. Immerhin sammelte der 28-Jährige aus Negernbötel in Schleswig-Holstein schon drei Enduro-DM-Titel, drei Vizemeisterschaften und vor sechs Jahren einen neunten Platz in der Enduro-WM.
Und den Rest der international zusammengewürfelten Truppe – von Herrn Rinaldi
natürlich abgesehen – doste das Nordlicht im MOTORRAD-Auftrag in nahezu jedem Turn ein. Was ihm in diesem erlauchten Kreis sicher wieder einen Job fürs kommende Jahr verschaffen wird. Und es ist sicher: Auch Enduro-Weltmeister werden älter.

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