Max Biaggi: Balanceakt zwischen Idol und Alptraum (Archivversion)

Keine Frage: Max Biaggi polarisiert. Mit seiner reichlich unverblümten Art, sich nach Misserfolgen auf der Rennstrecke öffentlich über vermeintliche Unzulänglichkeiten seiner Technik – seien es Motorrad oder Reifen – zu beschweren, hat er sich speziell unter den japanischen Motorradherstellern wenig Freunde gemacht. Als er Ende 2005 ohne Vertrag dastand, wollte ihm im Grand-Prix-Fahrerlager niemand mehr eine helfende Hand reichen – nach einer Saison, die er mit vier Podest-plätzen für das Repsol-Honda-Werksteam als Fünfter beendet hatte.
Doch Biaggi ist zweifelsohne ein Motorrad-Super-star. 42 Grand-Prix-Siege und seine vier 250er-WM-Titel, die er von 1994 bis 1997 gewann, sprechen eine ebenso deutliche Sprache wie die drei zweiten Ränge in der 500-cm³- und MotoGP-Klasse. Seine Zweikämpfe mit Landsmann Valentino Rossi, auf und abseits der Piste gleichermaßen inbrünstig geführt, sind Legende. Wie auch der Sieg in Katar zu Saisonbeginn, als er auf der Werks-Suzuki sein erstes Superbike-Rennen überhaupt fuhr.
Trotzdem blieben die Beobachter skeptisch: Wie lange würde es dauern, bis der Römer auch seinen neuen Arbeitgeber brüskieren würde? Dass eine Eskalation der erwarteten Art ausblieb, kann mit einer menschlichen Komponente seines nicht ganz freiwilligen Wechsels vom GP-Zirkus in die Superbike-Manege zusammenhängen. Denn sein Renningenieur bei Corona-Suzuki ist Giacomo Guidotti. Ein Mann, der nicht nur Troy Corser 2005 auf der Suzuki zum Superbike-WM-Sieg verhalf. Guidottis Vater war ehedem Manager des Aprilia-Grand-Prix-Werksteams, und Guidotti junior stand Biaggi schon 1994 zur Seite – als der seinen ersten Viertelliter-Titel für Aprilia gewann.

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