Maxisport (Archivversion) Die starke Mitte – oder warum weniger auch mehr sein kann

Die Maxisport-Kategorie der Motorräder, die nicht ganz klar den beiden anderen Gruppen zuzuordnen sind. Anders als im Rennsport werden die beiden großen italienischen Twins von Ducati und Aprilia beim Master Bike nicht den Superbikes zugeordnet. Einfach deswegen, weil ihre Spitzenleistung im Serientrimm doch ziemlich weit von den großen Vierzylindern entfernt ist. Das trifft auch auf die Suzuki GSX-R 750 zu, letzte Protagonistin der ehemaligen Superbike-Kategorie, die sich heute heimatlos irgendwo im Niemandsland zwischen den 600er- und 1000er-Vierzylindern befindet.
Trotzdem haben diese drei Maschinen besondere Reize, die von ihren Fans geschätzt werden. Denn weniger Leistung muss ja keinesfalls schlechtere Runden-zeiten bedeuten. Im Gegenteil können die drei unter Umständen von besserer Fahrbarkeit und Beherrschbarkeit profitieren. Dementsprechend groß ist traditionell der Respekt, der den italienischen Twins vor allem aus dem japanischen Lager entgegengebracht wird.
Besonders von der englischen Seite, die ebenfalls mit einem anderen Hubraum und Motorenkonzept vertreten ist, werden Aprilia RSV 1000 R und Ducati 999 S in-
teressiert beäugt. Nachdem man sich
die durchschnittlichen Rundenzeit der 999
zu Gemüte geführt hatte, hielten sich die Respektsbekundungen allerdings in Grenzen. 1.55,67 Minuten. Da braucht sich der hubraumschwächere Triple aus Hinckley mit einer Bestzeit von 1.55,309 gewiss nicht zu verstecken. Dementsprechend geknickt standen die Roten aus Bologna nach der Maxisport-Runde an der Boxenmauer. Denn nicht nur die kleinere Daytona zeigte ihnen aus der Boxengasse die lange Nase – sondern auf der Strecke auch
die beiden Klassenkonkurrentinnen GSX-R 750 und RSV 1000 R.
Woran liegt es, dass die Vorjahreszweite in Jerez nicht in Tritt kommt? Zunächst
einmal maßgeblich an ihrer ellenlangen
Sekundärübersetzung, die nicht nur furchtbar viele Schaltvorgänge erzwingt, sondern selbst bei reichlichem Gebrauch des trockenen Getriebes nicht passt. »Die Übersetzung stimmt in keiner Kurve«, klagt Jürgen. »Wenn ich im hohen Gang fahre, schiebt die 999 übers Vorderrad. Im niedrigen muss ich kurz nach dem Scheitel schalten. Dafür ist die Bremsstabilität phänomenal. Die Stabilität in schnellen Kurven auch. Das Handling wiederum ist wegen des tiefen Hecks, mit dem die Duc angesichts massiver Grip-Probleme mit dem Straßensportreifen Dunlop Qualifier fahren muss, mehr als träge.«
Dem stimmen die meisten anderen Fahrer zu. Durchschnittlich acht Punkte vergeben sie in der Eigenschaftswertung. Das ist kein guter Wert – aber er wird von der Suzuki GSX-R 750 mit 7,85 Punkten noch unterboten. »Müder Motor, schlecht abgestimmtes Fahrwerk«, so Jürgens Fazit nach den langsamsten Runden des Trios. »In der Mitte geht dieses Triebwerk nur
unwesentlich besser als eine gute 600er, oben raus ist es ebenfalls nicht besonders spritzig. Dazu eine Fahrwerksabstimmung, die zwar nicht so sehr daneben liegt wie bei der 1000er-Suzuki, aber immer noch vorne zu hart, hinten zu weich ist – damit treffe ich keine Kurve. Außerdem funk-
tioniert diese Kupplung lange nicht so gut wie bei der 600er. Bei jedem Einkuppeln stehe ich quer. Sorry, aber mehr war einfach nicht drin.« Mit mehr meint er schneller als 1.54,772 Minuten. Für Jürgen die langsamste Runde in dieser Klasse – für den Durchschnitt der sechs schnellsten Fahrer mit 1.55,314 immerhin die zweitschnellste Kandidatin.
Womit klar ist, dass die Aprilia mit der RSV 1000 R Factory völlig überraschend, indes eindeutig den Sprung ins Finale geschafft hat. Die beste Bewertung aller Kandidatinnen, sechs schnellste Rundenzeiten, mit 1.54.922 die beste Durchschnitts-
Rundenzeit: Am Erfolg der Sportlerin aus Noale gibt es nichts zu deuteln. Wie antwortete Entwicklungschef Mariano Fioravanzo bei der Präsentation der aktuellen RSV-Generation einmal auf die Frage,
warum denn die Kunden angesichts der deutlich stärkeren und leichteren japanischen Vierzylinder-Fraktion eine Aprilia-Sportlerin kaufen sollten: »Weil sie ein schnelles Motorrad ist.« Bis hierhin hat er Recht behalten.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel