Menschen und ihre Motorräder (Archivversion) Gas geben

Dave Akhurst mag es exotisch und schrill. Und das beileibe nicht nur, was seine Oberbekleidung angeht. Wobei: Liegt nicht ein eigenwilliges Motorrad mit alternativem Antrieb voll im Trend?

Es kam gar keine andere Farbe in Frage. Das Ding musste einfach grün sein. Weil es ja irgendwie schon grü¼n war, noch bevor es den Lack weghatte. Und weil dem Mann, der dieses Ding gebaut hat, von Anfang an ein Name im Kopf umherspukte: Greenfly. „Ich wollte ein Motorrad bauen“, sagt Dave Akhurst, „das konstruktiv aufs Notwendigste reduziert ist und die Umwelt möglichst wenig belastet.“ Dann, er wirkt dabei eine Spur messianisch, schiebt er hinterher: „Die Maschine sollte auf jeden Fall mit Gas laufen. Es verbrennt sauberer, und es besitzt einen höheren Wirkungsgrad als Benzin.“

Ein grünes Motorrad mit Gas also. Zehn Jahre ist es her, dass sich der Ingenieur Dave Akhurst auf die Suche nach der Effizienz des Einfachen machte. Zweierlei mag dabei ausschlaggebend gewesen sein. Zum einen wohnt der 57-Jährige in Kent, des beinahe pastoralen Idylls wegen auch „Garden of England“ genannt. Ergo die Ökotendenz. Zum anderen steht neben Akhursts Cottage eine Backsteinscheune, die eine fantastisch ausgestattete Werkstatt beherbergt. Dort widmet sich der ehemalige Yamaha-TZ-350-Rennfahrer mal der Produktion von Saiteninstrumenten, mal der Feinbearbeitung von Ducati-Kipphebeln. Und eben der Greenfly. An deren Anfang stand ein XT-500-Motor. Oberhalb der Kurbelwelle durfte der olle Klopfer bleiben, wie er war. Lediglich der Vergaser musste einem sogenannten Gaskalibrator weichen.

Um einiges aufwendiger gestalteten sich die Modifikationen im unteren Motorbereich: „Ich habe eine Automatik eingebaut und den Endantrieb auf Riemen umgestellt. Das war mit dem originalen Kurbelgehäuse nicht zu machen, also fertigte ich eben ein neues Gehäuse aus einem Stück Aluminium.“ Davon hat der Engländer ohnehin eine Menge verwendet. Etwa für den Rahmen, der auch als Ölbehältnis dient und in den unterm Sitz der Gastank eingeschweißt ist. Oder für die ebenfalls selbst gefertigten Räder sowie für die einarmige Telegabel und die Einarmschwinge. „110 Kilo fahrfertig sind doch nicht schlecht, finde ich. Außerdem ist die Maschine mit Ausnahme des Motors zu drei Viertel voll recyclebar, und das finde ich noch besser.“ Vor allen Dingen deshalb, weil Akhurst ohnehin schon massenhaft recycelte Teile eingesetzt hat. Beispiel: Die Hinterradabstützung teilen sich ein Dämpfer aus einem Austin Metro und eine Feder von einer BMW.

Ein bisschen hochbeinig steht sie da neben der Scheune, die Greenfly, ihr Konstrukteur grinsend im Hintergrund. „Mag ja sein, sie ist nicht nur eigenwillig, sondern sieht auch so aus. Aber stilistische Feinheiten interessieren mich in diesem Fall nicht“, befindet er trocken. „Es geht mir darum zu zeigen, dass das Konzept funktioniert.“ So gesehen.

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