Mercedes-Benz F 300 Life-Jet (Archivversion)

Silber-Pfeil

Mit einem besonderen Silber-Pfeil traf Mercedes-Benz bei der Frankfurter IAA ins Schwarze: Die futuristische Fahrmaschine F 300 Life-Jet soll die Vorzüge von Motorrad und Auto vereinigen.

Nach dem Neuheiten-Dauerfeuerwerk bei den Autos überraschte Mercedes-Benz auf der Internationalen Automobil-Ausstellung auch die Motorrad-Branche: Die Studie F 300 Life-Jet beantwortet als moderner Threewheeler die bisher metaphysiche Frage, ob sich die Vorzüge von Motorrad und Auto kombinieren lassen.Mercedes verspricht fürs Freizeit-Fahrzeug von übermorgen Fahrspaß und Kurvendynamik eines Motorrads mit Komfort und Sicherheit eines Personenwagens. Roadster-Frischluftspaß ohne Helm ist Dreingabe: Die beiden Dachhälften lassen sich im Heck-Stauraum hinterm Überrollbügel transportieren. Vom Kofferraum mit 125 Litern bleibt dann aber nichts mehr...Junge und junggebliebene Freizeit-Menschen, für die laut Mercedes das Fahrzeug konzipiert wurde, wird´s kaum stören. Für sie steht das F im Namen eher für Faszination, Fahrdynamik oder Fahrspaß -nicht für Forschung. Und genau das war die Absicht der »Väter« des Projekts um Dr. Michael Krämer, früher Leiter der Mercedes-Forschung und heute Chef der Pkw-Vorentwicklung. Damit in der Nische zwischen Motorrad und Auto nichts an alte Threewheeler, Tri-Cars oder Trikes und deren ungutes Kippverhalten erinnert, entwickelte Mercedes eine aktive Wanksteuerung names ATC (Active Tilt Control).Das Miteinander von Elektronik, Hydraulik und Mechanik steuert der Fahrdynamik-Rechner, der ständig mit Daten über die Gier- und Längsgeschwindigkeit, Beschleunigung, aktuellen Lenkeinschlag und die Lage des Hydraulikzylinders, der die Vorderachse steuert, gefüttert wird. Nach Errechnung des nötigen Schräglagenwinkels wird der Hydraulik der entsprechende Steuerbefahl erteilt. Bei 30 Grad Schräglage von Karosse und Vorderrädern ist im Gegensatz zum Motorrad jedoch Schluß. Allerdings ermöglicht der Computer flotten Hirschen damit eine pänomenale Querbe-schleunigung von 0,9 g. Ein Wert, den eine mit Slicks bestückte 500er vielleicht an einer Kurve pro Rennkurs erreicht...In fürs Motorrad kritischen Fahrsituationen wie Bremsen in der Kurve oder Ausweichen hilft das System, das eine dreifache elektronische Sicherung besitzt, ebenfalls: Der Hydraulikzylinder überträgt mit 180 bar Druck via Hebelwelle und Gelenken die Kräfte auf eines der beiden Federbeine. Durch Verschieben deren oberer Anlenkpunkte folgen Achsquerlenker sowie Spurstangen und erzeugen die immer optimale Schräglage. Kippen tut die Fuhre angeblich erst bei 1,15 g.Angetrieben wird der smarte Silber-Pfeil von 1,6 Liter-Motor der A-Klasse (siehe Datenkasten). Zum Schalten genügt ein Tritt auf die Kupplung und eine leichte Bewegung des Schalthebels an der rechten Cockpit-Seite, den Rest erledigt die sequentielle Schaltung.Eine echte Innovation ist das Lichtkonzept mit seinem runden Freiflächen-Reflektor mit drei Bereichen und zwei Glühlampen. Bei Kurvenfahrt schaltet die Elektronik, je nach Neigung, das Nebellicht zu und steigert die Streubreite von 25 auf 45 Grad. Das generelle Lichteinschalten übernimmt ein Sensor. Im Design und vor allem im Cockpit macht der Life-Jet einem Jet wirklich Ehre. Ins Lenkrad in der Form eines Steuerhorns sind alle Funktionstasten integriert.Eine Frage blieb bisher allerdings unbeantwortet: Wann kann MOTORRAD fahren?
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Mercedes F 300 Life-Jet (Archivversion)

FahrzeugLänge 3956 mmBreite Aufbau 1236 mm gesamt 1730 mmHöhe 1527 mmRadstand 3011 mmSpurweite vorn 1560 mmVorderachse Doppelquerlenker- Vorderachse aus Kohlefaser mit StahlführungsrohrenWanksteuerung Anti Tilt Control (ATC) mit computer- gesteuertem Hydrau- liksystem für Aufbau- und RäderneigungGewicht ca 800 kgChassis Strangpreßprofile mit Alu-Gußknoten Antrieb Schwinge über quer angeordnete Trag- arme mit dem Chassis verbunden, Zahnriemen mit Exzenterscheibe im Innern der SchwingeGetriebe Fünf Gänge, sequentielle Gang- wahlTankinhalt 28 lHeckstauraum 125 lMotorZylinderanordnung/Ventile R 4/2Hubraum 1598 cm³Bohrung/Hub 80/79,5 mmLeistung 75 kW/102 PSMaximales Drehmoment 150 Nm bei 4000/minFahrwerteBeschleunigung 7,7 s 0-100 km/hHöchstgeschwindigkeit 211 km/hKraftstoffverbrauch 5,3 l/100 kmMaximaler Neigungs- 30 GradwinkelMaximale Querbe- 0,9 gschleunigungKippgrenze 1,15 gReifenReifengröße vorn 150/80 ZR 16 hinten 190/50 ZR 17

Dreimal drei (Archivversion)

Gottlieb Daimlers Reitwagen von 1885 war als erstes Motorrad wegen der Stützräder eigentlich ein Vierrad, das erste Automobil ein Dreirad: der Motorwagen von Karl Benz von 1886. In den zwanziger Jahren versuchten viele mehr aus Motorrädern zu machen, in dem sie Vorder- oder Hinterrad gegen eine zweispurige Einfachachse tauschten. Erst dem Briten Peter Morgan gelang mit seinem legendären Threewheeler, der bis 1952 gebaut wurde, ein wendiges Dreirad, das nicht so leicht kippte. Der Messerschmitt Kabinenroller, vor den Wohlstandszeiten ein Auto des kleinen Mannes, bot vornehmlich Wind- und Wetterschutz. Ein jüngerer Dreiradversuch ist das 1993 vorgestellte Modulo aus Italien mit dem Motor der BMW K 75.

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