Messe Mailand (Archivversion) Mailänder Scala

In den Hauptrollen der diesjährigen Mailänder Gala: Honda, Yamaha und Kawasaki. Suzuki dagegen wartet lieber mit seiner Neuheiten-Premiere bis zum Pariser Salon. Dafür rückten insbesondere italienische Nebendarsteller erfolgreich ins Rampenlicht.

Gerüchte im Vorfeld der Mailänder Messe, Aprilia würde ein Naked Bike oder eine große Reise-Enduro aus dem Hut zaubern, bestätigten sich nicht – vorläufig jedenfalls. Stattdessen möchte der italienische Hersteller sein Modellprogramm mit der halbverkleideten SL 1000 – Beiname: Falco - in die Preisklasse unter 20000 Mark abrunden und in Konkurrenz zu arrivierten sportiven Landstraßenfegern à la Honda VTR 1000 treten. Kein Supersportler soll sie sein, sondern ein sportliches Landstraßen-Motorrad, bei dem besonderer Wert auf die Zweipersonentauglichkeit gelegt wurde. Auch bei der SL 1000 setzt Aprilia auf den nominell 118 PS starken 60-Grad-V2 der RSV mille. Dessen elektronische Einspritzung wurde zugunsten eines homogeneren Leistungsverlaufs mit einem geänderten Kennfeld programmiert.Weitere Aprilia-Neuvorstellung: RSV mille R, für alle, denen es schon lange von der in Kleinserie gebauten edlen SP-Version träumt, die aber gerade nicht die dafür nötigen knapp 60000 Mark flüssig haben. Die R soll unter 30000 Mark kosten. Und dafür eine Menge bieten. Statt den Federelementen der nomalen Mille, also Showa-Gabel und Sachs-Federbein, setzt Aprilia bei der R einheitlich auf den schwedischen Lieferanten Öhlins, von dem auch der serienmäßige und einstellbare Lenkungsdämpfer stammt. Das voll einstellbare Federbein lässt sich auch in der Höhe indiviuell anpassen, die Gleitrohre der Upside-down-Gabel sind mit Titannitrit beschichtet. Weiteres R-Schmankerl: Die Sechsspeichen-Felgen ließ Aprilia eigens beim italienischen Spezialisten OZ anfertigen, sie sollen um 25 Prozent leichter sein als die Räder der Mille. Der Motor unterscheidet sich nicht von der 118 PS starken Standard-Version, die für das Modelljahr 2000 unter anderem in puncto Ansprechverhalten und Laufkultur überarbeitet worden sein soll.Ducati, Inbegriff des italienischen V2, stellte eine grundlegend modifizierte Rennversion 748 R vor, die neue Basis für die Supersport-WM. Trotz einer Reduzierung der maximalen Drehzahl von 11500 auf 11000/min soll ihr V2-Triebwerk in der straßenzulassungfähigen Version 106 PS leisten. Ein erster Fahrbericht der 748 R folgt in MOTORRAD 23/1999. Die mit 97 PS angegeben Basisversion 748 soll günstiger werden, verbindliche Preise für die 2000er-Ducati-Modelle standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Weitere wichtige Neuerung bei Ducati: Die Monster 900 erhält endlich den bereits aus der 900 SS bekannten luftgekühlten V2 mit elektronischer Einspritzung, ebenso wie die Bimota DB 4. Das freut die Bimota-, aber vor allem Monster-Fans. Vorbei die Zeit, da dem zulassungsbedingt stark zugeschnürten Vergasermotor der »alten« Monster nur auf illegalem Weg zu standesgemäßer Leistung verholfen werden konnte. Weiter frohe Botschaft aus Bologna: Der unberechenbare, weil selbsttätig einklappende Seitenständer wandert ins Museum – und zwar bei allen Modellen.Nicht aus dem Museum, aber sozusagen aus dem Teileregal zauberte Triumph den robusten 900er-Dreizylinder-Vergasermotor und verkauft ihn an Italjet, eine Firma, die eigentlich mehr für Motorroller bekannt ist. Man besann sich der guten alten Sechziger - da gab es schon mal eine englisch-italienische Koproduktion mit einem Bonneville-Motor - und stellte in Mailand die Grifon 900 vor. Das eigenwillig gestylte Naked Bike, es erinnert ein wenig an die Yamaha Vmax und darf sich durchaus als Hingucker bezeichnen, soll bis Mitte 2000 in Serienproduktion gehen.Für mindestens ebenso viel Aufsehen sorgte Cagiva. Zum einem mit der großen Reise-Enduro Navigator, aber vor allem mit den Raptor-Modellen, allesamt befeuert vom bärenstarken V-Triebwerk der Suzuki TL 1000 S. Mit den »Reptilien« erwächst der Ducati Monster-Familie hausgemachte italienische Konkurrenz, die, so verspricht Importeur Zupin, für rund 18000 Mark ab Frühjahr 2000 in Deutschland erhältlich sein wird. Und auch von der Cagiva-Edelmarke MV Agusta soll es demnächst ein für Normalsterbliche bezahlbares Motorrad geben: die F4 S, wahlweise als Ein- oder Zweisitzer. Kostenpunkt: um 33000 Mark.Weiteres Highlight der Messe: die Honda-Neuheiten CBR 900 RR Fireblade und VTR 1000 SP-1 sowie die grundlegend überarbeitete Kawasaki ZX-9R (siehe auch Heft 20/1999), deren Details sich in der ab Seite 30 anschließenden Technik-Geschichte finden. Auf dem Pariser Salon möchte Kawasaki dann noch mit der neuen ZX-6R aufwarten.Ein anderer japanischer Hersteller, Yamaha nämlich, setzt für das Modelljahr 2000 weniger auf eine Neuheitenoffensive wie in den vergangenen zwei Jahren praktiziert, sondern mehr auf kontinuierliche Modellpflege. Für den Supersport-Bestseller R1 versprechen die Japaner vor allem eine verbesserte Aerodynamik und weniger Gewicht: Trocken sollen es 175 Kilogramm sein. Ein Ram-Air-System dagegen erwies sich ebenso wie eine elektronische Gemischaufbereitung als pures Gerücht. Ein weiterer Yamaha-Verkaufsschlager, die FZS 600 Fazer, tritt künftig erwachsener, weil tourentauglicher auf. Die Techniker reagierten auch konsequent auf Kritik am schnellen Allrounder: Dessen Gabel lässt sich nun in Zustufe und Federvorspannung einstellen. Neben neuen Instrumenten (mit zwei Tageskilometerzählern und einer Uhr) bekam die Fazer eine Warnblinkanlage spendiert, das Tankvolumen vergrößerte sich auf respektable 20 Liter. Wegen einer geänderten Führung des Endschalldämpfers konnten die Beifahrerfußrasten tiefer angebracht werden, was den Fahrkomfort des Passagiers deutlich erhöhen soll.

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