Mit viel Komfort kommt man am Besten vorwärts (Archivversion)

Schutz vor Wind und Wetter ist die Minimalanforderung an einen Tourer, ein lauschiges Plätzchen für Kapitän und Passagier das Meisterstück.

Wenn man tagelang auf der Piste unterwegs ist und Tausende von Kilometern abspult, erhalten Kriterien wie Wind- und Wetterschutz, Sitzkomfort sowie ein weich ansprechendes Fahrwerk eine große Bedeutung. Viel mehr jedenfalls als am Wochenende auf der Hausstrecke.
Ein knapp verkleidetes Motorrad wie die Honda
CB 1300 S kann naturgemäß keinen besonders
guten Schutz bieten. Recht laut geht es hinter ihrer Scheibe zu. Dafür passt sie Fahrern jeden Zuschnitts prima und glänzt mit tollem Federungskomfort.
Etwas besser schirmt die F 800 ST vorm Fahrtwind ab, nur Arme und Schultern lässt sie ungeschützt
im Wind liegen. Ihr Arbeitsplatz ist angenehm leise, auch für den Passagier. Allerdings fallen die Vibrationen des Twins unangenehm aus. Und der Kniewinkel ist für große Fahrer ein wenig spitz.
Für lange Ritte taugt der ausladende, gut gepolsterte Harley-Sattel, doch der nicht ideal gekröpfte Lenker liegt recht weit weg. Und das kleine, nach hinten
abfallende Soziusplätzchen ohne Haltegriffe ist eines Tourers unwürdig. Dabei hat die Road King die höchste Zuladung, fette 221 Kilogramm. Die große,
abnehmbare Scheibe – vier Schrauben lösen, und man fährt ein Naked Bike –, erzeugt bei Tempi
jenseits von 130 heftige Turbulenzen. Spürbar als deutlicher Sog und als Trommeln am Helm des
Sozius. Zumindest läuft der V2 weicher, als es das heftige Stampfen im Leerlauf vermuten lässt.
Heftig schüttelt sich der Guzzi-V-Twin, es kribbelt
bis in die Fußrasten. Lebenszeichen oder lästige
Attitüde? Immerhin heißt es bei der Norge Scheibe hoch und ab dafür. Dann wird’s ruhiger. Elektrisch per wenig griffgünstiger Knöpfe betätigt, fährt der kleine Schutzschild auffallend langsam auf und ab. Schade nur, dass man sich weit zum Lenker strecken muss. Toll geriet der Soziusplatz, doch mit Passagier sackt das weiche Federbein sehr weit ein.
Der Burgman rangiert in puncto Wind- und Wetterschutz auf dem dritten, bei Laufkultur des Motors sogar auf dem zweiten Rang. Respekt. Allerdings sprechen seine wenig komfortablen Federelemente am schlechtesten an. Und er sattelt bloß 176 Kilogramm. Ungewohnt ist der fehlende Knieschluss, und die breite Heckverkleidung spreizt dem Sozius arg die Beine. Das Platzangebot ist dafür riesig.
Die FJR bietet vorn wie hinten eine gut gepolsterte, zweiteilige Sitzbank ohne störende Ecken und Kanten, und das in moderater Sitzhöhe. Jenseits der 130 nehmen jedoch die Vibrationen deutlich zu. Außerdem wird es hinter ihrer Scheibe auf der Autobahn unbotmäßig laut, vor allem hochgefahren dröhnt
es heftig. Ehrlicher und leiser ist der Fahrtwind bei tief gestellter Scheibe. Außer für den Sozius.
Vorbildlich ist der Federungskomfort der R 1200 GS. Ihre Besatzung sitzt souverän aufrecht. Sofern der Sozius es geschafft hat, den Hochsitz zu entern. Keine leichte Übung mit Koffern, welche die Zuladung auf 183 Kilogramm drücken. Oben angekommen, darf sich der Passagier über guten Windschutz und geringe Lautstärke freuen. Nervig sind derbe Vibrationen des Boxers just bei Autobahnrichttempo 130.
Da zuckt der Gold Winger bloß mit den Schultern. Sein Big Block glänzt mit perfekter Laufkultur, als
wären seine sechs Zylinder mit Samt und Seide
ausgeschlagen. Hinzu kommen die bequemsten Pullmansitze sowie der feisteste Windschutz hinter
der fetten Verkleidung. Und fast sänftenartiger
Federungskomfort auf normalen Straßen. Sicher und behütet wie in Abrahams Schoß!

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