Modellgeschichte (Archivversion)

Modellgeschichte
Stolz und selbstbewusst trug die Honda NX 650
bei ihrem Erscheinen 1988 den Namenszusatz
»Dominator« in übergroßen Lettern auf Tank und
Verkleidung – als Spielmobil, meist feuerrot, ließ
sie bis Anfang der neunziger Jahre keinen Zweifel an ihrer Führungsrolle unter den so genannten Funduros aufkommen. Übertrumpfte dank vorbildlicher Ausgeglichenheit die in Teildisziplinen besseren Kontrahentinnen. Fein verarbeitet, mit harmonischem Fahrwerk und einem tollen Motor konnte sie bei Testern und Käufern punkten.
Der technisch aufwendige Einzylinder leistete 45 PS, ausreichend, um auf kurvigen, engen Landstraßen
vorne zu liegen. Relativ kurz übersetzt, ließ sich die
intern als RD 02 bezeichnete NX 650 beim Ampelstart nicht die Butter vom Brot nehmen. Mit entsprechender
Bereifung und rund 200 Millimeter langen Federwegen kam sie auch recht flott in mittelschwerem Gelände voran, was Fernreisende, Endurowanderer und Rallye-Einsteiger zu schätzen wussten.
1990 entfielen aus Kostengründen unter anderem
der Kickstarter und die Edelstahlkrümmer, dafür bekam die Dominator ein Sekundärluftsystem (SLS), das in
der Schweiz schon seit Baubeginn im Einsatz war,
außerdem wurden die Bremsscheiben verbessert. Auf der unverändert schlanken Verkleidung war nur noch ein kleiner Schriftzug aufgeklebt. Ab 1991 verlor die an strengere Geräuschbestimmungen angepasste Enduro ein PS. Ein Jahr später stand eine größere Modellpflege ins Haus. Maßnahmen wie eine voluminösere Verkleidung oder eine breitere Sitzbank kamen
weniger den Offroadern, sondern eher den Straßen- und Tourenfahrern unter den Dominator-Fans zugute. Die bulligere, aber dennoch schnittige Maschine trug mit neuem Selbstbewusstsein ihren Namen wiederum groß auf.
Die Typbezeichnung RD 02 blieb, bis Honda 1995 die Fertigung nach Italien verlegte und die NX 650 als Typ RD 08 vom Band laufen ließ. 1996 gab’s die letzten gravierenden Änderungen: schlankere Verkleidung und wieder Edelstahlkrümmer. Durch den Wechsel des Produktionsstandorts sank der Verkaufspreis um mehr als 1000 Mark, gleichzeitig allerdings auch die Fertigungsqualität – Rahmen und Tank waren gegenüber den Japan-Modellen rostanfälliger. Bis zum Herstellungsende im Jahr 2000 unterschied sich das Motorrad lediglich durch zahlreiche Farbvarianten.
Marktsituation
Rund 12000 Dominator sind heute noch zugelassen. Nachdem das Modell nicht mehr gebaut wurde, ging das Interesse an gebrauchten Dominator zurück,
wie einige Vertragshändler unabhängig voneinander berichten. Besonders gilt das für neuwertige Fahrzeuge mit einem entsprechend hohen Preis über 3000 Euro. Diese stehen teilweise mehrere Monate im Ausstellungsraum. Gezielt werde selten nach der Dominator gefragt, so die Händler, generelles Interesse an soliden Enduros und Alltagsfahrzeugen indes bestünde sehr wohl. Da die NX 650 zweifelsohne genau als solche beworben werden darf, lasse sie sich dennoch einigermaßen gut verkaufen. Die Schmerzgrenze der Käufer läge bei rund 2500 Euro, schätzen die meisten befragten Vertragshändler.
Bei markenunabhängigen Gebrauchthändlern lautet die Devise: Stimmt der Preis, ist die Dominator nach wie vor heiß. Kunden stoßen in deren »Gemischtwarenläden« auf die optisch auffällige NX 650 und entdecken am lebenden Objekt erstmals die vielfältigen Vorzüge der Honda. Besonders beliebt macht sich die Enduro als Winterfahrzeug, so dass sie sich auch außerhalb der Schönwetter-Saison nicht übel verkaufen lässt.
Ab zirka 1000 Euro kann man zum Dominator-Halter werden. Größtenteils Privatpersonen bieten für diese Summe ältere, stark beanspruchte RD 02 mit Laufleistungen um die 50000 Kilometer an. Die meisten offerierten NX 650 kosten jedoch zwischen 1500
und 2000 Euro. In dieser Preisklasse bewegen sich
ordentlich gepflegte RD 02 (Baujahr 1993/1994) mit einem Kilometerstand unter 20000 oder RD 08 von 1995 und 1996, die zwischen 30000 und 40000 Kilometer gelaufen sind und in der Regel deutlich sichtbare Gebrauchsspuren aufweisen.
Für 2500 Euro verkaufen Händler Modelle ab Baujahr 1996 mit weniger als 20000 Kilometern, von privat finden sich für diesen Preis topgepflegte Fahrzeuge der Jahrgänge 1997/1998 mit ähnlich geringer Laufleistung. Annoncierte Fahrzeuge über 3000 Euro sind entweder feine Supermoto-Umbauten mit teuren Zutaten oder sehr neuwertige 1999er- oder 2000er-Modelle und vor allen Dingen eines: schwer loszukriegen, wenn sich der Verkäufer beim Preis nicht drücken lassen will.
Besichtigung
Die ausgereifte NX 650 ist ein langlebiges Motorrad, das bei regelmäßiger Wartung Laufleistungen über 50000 Kilometer wegsteckt. Doch speziell bei einzylindrigen Enduros können sich die auf dem Tacho dokumentierten Kilometer je nach vorheriger Beanspruchung der Maschine sehr unterschiedlich auswirken. Den größten Tribut fordern Geländeeinsätze, entsprechend benutzte Exemplare weisen meist stärkere Verschmutzungen im Bereich des Federbeins auf. Kratzer und Dellen an Motorschutz, Rahmen, Tank oder Verkleidung deuten auf die für Offroadeinsätze obligatorischen kleineren Stürze und Umfaller hin.
Gab es regelmäßige Eskapaden in Staub und Schlamm, sollte die Besichtigung äußerst penibel ausfallen: Sind Luftfilter, Gabeldichtringe, Umlenkhebel, Schwingen- und Lenkkopflager sowie Speichen und Felgen in Ordnung? Bei der Probefahrt empfiehlt sich, auf ebener Strecke ein Stück freihändig zu fahren, um den Geradeauslauf zu checken. Auch wenn das Fahrzeug kaum auf losem Untergrund bewegt wurde, lohnt sich genaues Hinsehen. Wie erwähnt, wird die Funduro heutzutage häufig als Alltags- und damit auch Winterfahrzeug eingesetzt. In solchen Fällen ist wegen der starken Nutzung in der kalten Jahreszeit (zum Beispiel durch Streusalz oder die Belastung für den Motor bei meist kurzen Fahrten) Obacht geboten. Eine durch Korrosion angegriffene Oberfläche von Felgen, Rahmen und Motorgehäuse sind kein gutes Zeichen. Besonders bei den in Italien produzierten RD 08 sollte man einen Blick in den Tank werfen, ob dieser innen frei von Rost ist.
Ideal ist ein scheckheftgepflegtes Fahrzeug mit
regelmäßigen Ölwechseln (vorgeschrieben sind 6000-Kilometer-Intervalle). Neuwertige Verschleißteile deuten ebenfalls auf gute Pflege hin. Die Lebensdauer von Kolben und -ringen liegt normalerweise bei über 50000 Kilometern. Wichtig ist die
regelmäßige Wartung des Singles mit den vier radial angeordneten Ventilen, was hoffentlich durch Rechnungen dokumentiert ist. Nach 30000 Kilometer Laufleistung ist ein geringer Ölverbrauch nicht ungewöhnlich. Auffällige Motorgeräusche sind hingegen bei einer gesunden Dominator unüblich, also Vorsicht, wenn’s rasselt, klickert oder klopft!
Weitere nützliche Tipps zur Besichtigung und zu Wartungsarbeiten sowie zahlreiche Reifenempfehlungen finden sich auch im Internet unter www. hondadominator.de. Dort gibt’s außerdem einen guten Überblick über sämtliche Farbvarianten der NX 650.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel