Modellgeschichte der Honda XRV Africa Twin (Archivversion)

1986 Werks-Honda NXR 750 Paris-Dakar

Mit 57 Litern vollgetankt 245 Kilogramm schwer und 75 PS stark, siegte die Werksmaschine erstmals bei der Rallye Paris-Dakar und ebnete den Weg für die Africa Twin. Für die in Handarbeit gefertigte NXR setzte Honda im Jahr darauf eine Leasinggebühr von 300000 Mark für sechs Monate fest. Eine Trockensumpfschmierung stellte die Ölversorgung des 45-Grad-V2-Vierventilmotors sicher, während spezielle Keihin-Unterdruckvergaser den Koloss auch dann noch am Laufen hielten, wenn die Fuhre horizontal im Tief-sand lag. Denn auf einen Elektrostarter hatte man damals noch verzichtet – und das bei einer Sitzhöhe von 990 Millimetern. Das robuste Rahmenlayout des Werksrenners sollte sich auch bei der XRV 650 wiederfinden.

1988 Honda XRV 650 Africa Twin (RD03)

Im Windschatten der BMW-GS-Modelle pirschte sich Honda mit der XRV 650 in das Segment der Reiseenduros. Die Skepsis gegenüber der 220 Kilogramm schweren Honda bremste den Verkauf von insgesamt 1464 Maschinen anfangs etwas ein, konnte die 10570 Mark teure und 50 PS starke Africa Twin letztendlich aber nicht am Durchmarsch hindern. Den ersten Vergleichstest mit der BMW R 80 GS gewann die im HRC-Design lackierte Honda, weitere sollten folgen. Der laufruhige Motor mit sanfter Kraftentfaltung, das präzise Getriebe und ein tadelloses Fahrwerk, das mit Komfort und Dynamik begeisterte, setzten neue Maßstäbe. Auch bei den Fahrleistungen blieb der BMW R 80 GS nur die rote Laterne.

1990 Honda XRV 750 Africa Twin (RD04)

Mit um 95 Kubikzentimeter vergrößertem Hubraum und 34,4er- anstatt 32er-Gleichdruckvergaser brachte es der 750er-Motor jetzt auf 59 PS bei zivilen 7500/min. Im Rahmen der Modellpflege legte die RD04 (größerer Schalldämpfer, zweite Bremsscheibe vorn, Ölkühler) um 17 auf 237 Kilogramm zu. Dafür verbesserte Honda den Windschutz und erhöhte die Steifigkeit am Rahmenheck für mehr Zuladung. Denn jetzt hatten sich die Langstrecken-Qualitäten nicht nur bei den Stollenrittern, sondern auch bei den ganz normalen Touristen herumgesprochen. 3930 XRV 750 bereicherten bis zum nächsten Modellwechsel 1993 den deutschen Markt.

1993 Honda XRV 750 Africa Twin (RD07)

Den letzten großen Schnitt setzte Honda an der RD07, musterte den schlanken Einrohrrahmen aus und packte den V2-Motor in eine stabilere Doppelschleifenkonstruktion. Durch den verkürzten Tank reduzierte sich der Inhalt auf 23 Liter. Verkleidung und Windschild erhielten optische Retuschen und das Hinterrad einen 140er- anstatt 130er-Reifen in Radialbauweise. Der 60-PS-Motor schlürfte ab sofort durch 35er-Vergaser, deren Ansaugluft auf kurzen Wegen vom neuen, nach vorn verlegten Luftfiltergehäuse zugeteilt wurde. 14 190 Mark waren ein stolzer, aber für die gebotene Qualität berechtigter Preis. Schon im ersten Modelljahr griffen 2491 reiselustige Deutsche nach der um drei Kilogramm leichteren RD07.

1996 Honda XRV 750 (RD07A)

Mit der Umstellung von einer CDI- auf digitale Transistor-Zündung und einer kleineren Vergaserbedüsung war die Entwicklung und Modellpflege der Africa Twin abgeschlossen. Und das bei stolzen 2214 verkauften Einheiten im Jahr 1996. Bis zum Verkaufsende 2002 brachten die deutschen Honda-Händler noch 7673 Exemplare der XRV 750 an den Kunden. Heute werden für alle gebrauchten Africa-Twin-Modelle relativ hohe Preise aufgerufen – und auch bezahlt. Kein Wunder, denn bislang haben es weder Honda noch die Konkurrenz geschafft, ein adäquates Nachfolgemodell auf die Speichenräder zu stellen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote