Modellgeschichte: KAWASAKI EL 250/252 (Archivversion)

Modellgeschichte
Darf man eine 250er überhaupt »Muscle-Bike« nennen? Man darf. Gründe, die dafür sprechen: Das Aussehen der EL 250 erinnert an die Kawasaki ZL 1000 Eliminator, und die war definitiv ein waschechtes Muscle-Bike. Außerdem ist das kleinwüchsige Motorrad wohl kaum als Cruiser oder Chopper und schon gar nicht als Sportler zu bezeichnen, da weder ein 1,50 Meter langer Radstand noch ein 13000 Touren drehender, ultrakurzhubiger Motor allein als Definitionskriterium für das eine oder andere Genre genügen. Am zutreffendsten ist wohl die Bezeichnung »Bonsai-Muscle-Bike«, denn gegenüber wesentlich schwächeren Yamaha XV 250 oder Suzuki GN 250 lässt die 33 PS starke EL tatsächlich die Muskeln spielen.
Durch ihre Eigenständigkeit sammelte sie Sympathie-Punkte. Zwei Jahre nach Ende der Bauzeit von 1988 bis 2003 sind noch rund 8500 Fahrzeuge zugelassen, davon sind und waren viele Maschinen im Fahrschuleinsatz. Die 160 Kilogramm leichte, zweizylindrige EL mit einer Sitzhöhe von nur knapp über 70 Zentimetern kam bei Lehrern und Fahrschülern gleichermaßen gut an.
Die Modellpflege beschränkte sich in erster Linie auf optische Retuschen. 1990 ersetzten Drahtspeichenräder die Dreispeichen-Gussfelgen, 1992 und 1993 bot Kawasaki parallel eine »E«-Version an, mit wiederum gegossenen Felgen, Cockpit-
verkleidung und Bugspoiler. 1996 kam die leicht
modifizierte EL 252 mit etwas mehr Hubraum auf den Markt. Kritik gab es nur an der störrischen Hinterradbremse, dem zu kleinen Soziusplatz und der unkomfortablen Federung hinten. Die EL war stets auch auf 27 PS gedrosselt erhältlich, ab 1990 sogar auf 17 PS, was jedoch das Temperament
des ansonsten quirligen Zweizylinders dermaßen zügelte, dass der Anschluss der sechs Gangstufen nicht mehr passte – Prädikat: nicht empfehlenswert. Ungedrosselt ist das insgesamt sehr zuverlässige und auf jeden Fall sehr originelle Bonsai-Muscle-Bike indes unbedingt empfehlenswert.

MArktsituation
Die Auswahl gebrauchter EL 250 und 252 ist gut. Händler und Private bieten sie ungefähr zu gleichen Teilen an. Ab 700 Euro sind rund 15 Jahre alte Fahrzeuge mit etwa 25000 Kilometern auf dem Tacho zu bekommen. Gute Chancen auf ein gepflegtes Mitte-Neunziger-Modell mit deutlich unter 20000 Kilometern ergeben sich bei einem Budget von 1000 bis 1300 Euro. Für rund 1500 Euro darf der Käufer schon eine 252er (ab Baujahr 1996) mit ebenfalls geringer Laufleistung um die 15000 Kilometer erwarten. Neuwertige Modelle ab Baujahr 2000 machen sich auf dem Gebrauchtmarkt sehr rar. An Fahrzeugen mit mehr als 30000 Kilometern auf der Uhr oder einem geforderten Preis über 2000 Euro zeigen unabhängig vom Baujahr offensichtlich nur wenige Käufer Interesse. Zeichen dafür: Die Anbieter inserieren diese Maschinen oftmals wochenlang erfolglos.

Tipps
Da viele ehemalige Fahrschulmaschinen im Angebot sind, sollte der Käufer nach Sturzspuren fahnden. Zwar passieren in der Fahrschule meist nur Umfaller mit entsprechend harmlosen Folgen für das Motorrad, aber auch kleinere Kratzer
und Risse ergeben ein unschönes Gesamtbild. Der Preis sollte dann deutlich unter dem unversehrter Maschinen liegen. Ohne Wiederverkaufsambitionen lohnt nämlich auch der Kauf von leicht ramponierten, technisch jedoch einwandfreien Fahrzeugen.

Test in MOtorrad*
15/1990 (17-PS-Fahrbericht), 15/1989 (VT)
VT=Vergleichstest; *Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

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