Modellgeschichte: SUZUKI GN 250 (Archivversion)

Modellgeschichte
»Für Männerhände viel zu schade. Dem kernigen Tourer-Leichtgewicht fliegen die Frauenherzen
nur so zu«. Leere Werbesprüche aus den frühen Achtzigern. Denn ein ausgemachter Schürzenjäger war der schon bei seiner Markteinführung etwas
altbacken gestylte Softchopper GN 250 wahrlich nicht. Jedenfalls haben sich die Motorradfahrerinnen 1982 nicht unbedingt auf die Suzuki gestürzt. Auch die niedrige Sitzhöhe von 73 Zentimetern und lediglich 140 Kilogramm Gewicht dienten nicht als entscheidende Kaufhilfe. Der 17 PS starke, von der Enduro DR 250 übernommene Einzylinder-Motor erschien vielen potenziellen Käufern und eben auch Käuferinnen damals für den Betrieb auf asphaltierten Straßen einfach zu schlapp.
So ging die GN 250 eigentlich von Anfang wegen ihrer Unscheinbarkeit unter. Umso erstaunlicher, dass die Suzuki bis 1999 in Deutschland als Neufahrzeug erhältlich war. Statt, wie erwartet, jung-dynamischer Einsteiger interessierten sich eher
gesetztere Fahrer für das Motorrad. »Solche, die
was zum Aufrechtsitzen und mit Platz für den Bauch suchen«, beschreibt ein süddeutscher Händler
die GN-Klientel. Wegen der beachtlich langen Bauzeit von 17 Jahren sind heutzutage immer noch über 7000 Exemplare der Viertelliter-Maschine auf den Straßen unterwegs. Modellpflegemaßnahmen gab es in dieser Zeit bis auf Kleinigkeiten keine.
Unabhängig von typisch männlichen oder weiblichen Wunschvorstellungen bietet die Suzuki
GN 250 einige Vorteile: Der kleine Einzylinder-Viertakter mit E-Starter vibriert dank Ausgleichswelle erfreulich wenig, das exakt einrastende Fünfganggetriebe mit leichtgängiger Kupplung ist problemlos zu schalten, und das Fahrwerk mit ausreichend Bodenfreiheit schlägt sich im Einpersonenbetrieb sehr passabel. Unterm Strich ist die Suzuki noch heute ein sehr vernünftiges Tourenmaschinchen. Ohne große Ausstrahlung, aber mit sehr geringen Unterhaltskosten.


MArktsituation
Das letzte Modell von 1999 wird in der Schwacke-Liste bei einer Laufleistung von 30000 Kilometern für den Verkauf mit rund 1500 Euro bewertet. Faktisch liegen die meisten GN unabhängig vom Baujahr sowohl vom Preis als auch in der Laufleistung darunter. Etwas ältere Gebrauchte mit Erstzulassung Anfang bis Mitte der Neunziger werden vorwiegend von Privatverkäufern für 750 bis 1200 Euro angeboten. Durchschnittliche Laufleistungen dieser Maschinen: zwischen 8000 und 20000 Kilometer. Fahrzeuge aus den Achtzigern sind so gut wie nicht mehr im Angebot. Es ist anzunehmen, dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes in Einzelteile aufgelöst haben oder am Stück noch
in irgendwelchen Schuppen und Garagen ein immobiles Dasein fristen. Ist dennoch ein seltenes, rund 20 Jahre altes Stück inseriert, liegt der Preis um die 500 Euro. Ähnlich billig sind GN 250 mit Laufleistungen von deutlich über 30000 Kilometern und entsprechenden Gebrauchsspuren.


Tipps
Nach Aussagen verschiedener Suzuki-Werkstätten ist die GN 250 ein pflegeleichter Fall. Typische Wartungsarbeiten, speziell Ölwechsel, sollten selbstredend regelmäßig durchgeführt und im Idealfall durch Rechnungen dokumentiert worden sein. Da die GN 250 von vielen Vorbesitzern als Ganzjahres-Lastesel auch im Winter eingesetzt wird, empfiehlt es sich, die Maschine unbedingt gründlich nach Korrosion und Salzfraß abzusuchen.


Test in MOtorrad*
15/1993 (T), 15/1982 (T)
T=Test, VT=Vergleichstest; *Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

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