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Modellpräsentation Victory Project 156 Himmelsstürmer

156 Kurven und 20 Kilometer sind es bis zum Gipfel des Pikes Peak. Noch viel länger dürfte Victorys Weg von der Cruiserschmiede zum Vollsortimenter werden. Immerhin: Ein Anfang scheint gemacht. Ist „Project 156“ der erste Schritt hin zum „All American Sportsbike“?

Ein handgemachter Prototyp. Mehr nicht. Bei aller Begeisterung, die ­besonders Amerikaner regelmäßig entwickeln, wenn es um All American Bikes geht – man sollte das beachten. Und trotzdem: Wenn eine Firma wie Victory, Teil des 4,5-Milliarden-Dollar-­Umsatz-Konzerns Polaris, mit einem Rennmotorrad auf den Pikes Peak will, dann ist das mehr als sportlicher Bergsteiger-Ehrgeiz. Dann ist das eine Absichtserklärung.

„Race to the clouds“ nennt sich das zweitälteste Rennen der USA auch, und ­Victory rechnet sich dank der Unterstützung von Designer-Ikone Roland Sands und Ex-Superbiker, Motorrad-Tester und Jour­nalist Don Canet gute Chancen aus, ganz weit vorne zu landen.

Sands ist dabei für das Fahrwerk zuständig, Canet fürs Gasgeben. Und bevor sich jetzt der eine oder andere wundert: Multitalent Sands sorgt bei diesem Projekt nicht nur für Publicity. Der Kalifornier war früher selbst ein Rennfahrer. Unzählige Knochenbrüche, vier noch heute bestehende Rundenrekorde und der nationale 250er-Titel 1998 pflastern seinen Rennfahrerweg. Kein Wunder, dass so jemand sich schon früh der Fahrwerksoptimierung seiner Untersätze widmete, und zwar nach dem Prinzip „trial and error“. Eine wichtige Erfahrung, gerade bei einem so engen Zeitrahmen wie dem von Project 156. Vier Monate mussten reichen, um ein fahrfertiges Motorrad auf die Räder zu stellen, das den Anforderungen am Pikes Peak gewachsen ist. 

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Indian-Motor als Basis für Project 156?

Eine zentrale Rolle kommt dabei natürlich dem Motor zu, über dessen exakte Konfiguration sich Victory jedoch bislang ausschweigt. Immerhin: Ziemlich sicher hat er zwei Zylinder, vier Ventile pro Zylinder, 60 Grad Zylinderwinkel und eine Wasserkühlung. Gerüchteweise weiterhin ­bekannt: fette 67er Drosselklappen-Durchmesser und Titanventile. Bleibt die entscheidende Frage: Bildet der unlängst in der Indian Scout vorgestellte wassergekühlte V2 mit 1133 Kubikzentimetern die Basis für Project 156? Nahe läge das, denn immerhin gehört Indian ebenfalls zum Polaris-Konzern. Dagegen spricht, dass Victory offiziell von einer vollständigen Neuentwicklung spricht. Wie auch immer: Mehr als die 91 PS des Indian-V2 wird der Motor locker aus dem Ärmel schütteln. Im zweiten von drei Promotion-Videos (YouTube) sind Prüfstandsläufe zu sehen, bei denen das Drehzahl-Limit bei 9500/min liegt. Das ist nicht astronomisch, aber es sind immerhin 1000/min mehr als beim Scout-Motor. Um die 150 PS sollten so im Renntrimm in Kombination mit der hohen Verdichtung – die Rede ist von 15 zu eins – wohl möglich sein.

Doch Leistung ist ja bekanntlich nur ein Teil des Rennerfolg-Puzzles. Fahrwerksmäßig blitzen beim Ami-Projekt erstaunlicherweise dann doch europäische Momente durch. Ein handgefertigter Gitterrohrrahmen, die Schwinge, Umlenkhebelei und Federbeinposition von der Ducati 899 Panigale, Öhlins-Federelemente, Brembo-Bremsen, K&N-Luftfilter – so ganz durch und durch amerikanisch kommt die Pikes Peak-Victory dann doch nicht daher. Dafür schien sie für den Gipfelsturm am 28. Juni bes­tens gerüstet. Anfang Juni startete Don Canet sein Renngerät beim offiziellen Test am Berg und belegte den zweiten Platz. Allerdings: Beim letzten Funktionstest vor Ort und vor dem Rennen verformte Canet die „Project 156“ so nachhaltig kalt, dass es mit dem Wiederaufbau eng werden könnte.

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Foto: Barry Hathaway

Pikes Peak Rennen

Pikes Peak: Das ist das zweitälteste Rennen der USA, gleich hinter dem berühmten „Indy 500“. Schon 1916 traten zum ersten Mal ein paar Verrückte an, um sich auf den 19,99 Kilometern über 1439 Höhenmeter zu messen. Der Gipfel des in Colorado gelegenen Bergs befindet sich auf 4301 Meter Höhe, der Start liegt auf 2862 Metern. In der Höhenluft verlieren Verbrennungsmotoren einen beträchtlichen Teil ihrer Leistung.

Eigentlich ist Pikes Peak eine Autoveranstaltung, bei der die Unser-Rennfahrerdynastie aus den USA lange dominierte.  Aber auch Walter Röhrl trug sich 1987 in die Siergerliste ein, als in den 80er-Jahren noch teilweise auf Schotter gefahren wurde und der Audi Quattro dominierte.

Derzeitiger Motorrad-Rekordhalter ist Carlin Dunne auf einer Ducati Multistrada mit 9.52,81 Minuten. Zum Vergleich: Der französische Rallye-Pilot ­Sébastien Loeb fuhr 2013 in einem Peugeot 208 knapp 8.14 Minuten.

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