Moto Guzzi Flieg, Adler, flieg!

Ein völlig neues Modell, zwei bemerkenswerte Studien und die gesamte Palette auf Kat umgestellt - die Übernahme von Moto Guzzi durch Aprilia scheint die Marke zu beflügeln.

Kein Zweifel, der Moto-Guzzi-Stand war auf der Intermot einer der Publikumsmagneten. Die von MOTORRAD in Ausgabe 18 enthüllte Studie Griso wirkt in echt noch viel beeindruckender als auf den Fotos. Eine gelungene Mischung aus Muscle Bike und Cruiser, mit dickem Schalldämpfer und Krümmern, einem monumentalen Motor und aufs Nötigste reduzierten Anbauteilen. Satte 102 PS stecken in dem auf 1100 cm3 vergrößerten Vierventiler aus der längst verblichenen Guzzi Daytona, genug, um mit der trocken 198 Kilogramm leichten Griso für reichlich Spaß zu sorgen. Ein neu entwickeltes Fahrwerk mit mächtiger Einarmschwinge und Momentabstützung hinten, progressivem Hebelsystem für das stehende Monofederbein sowie eine dicke Upside-down-Gabel zeigen auf, dass Moto Guzzi mit der Vergangenheit brechen will. Ende 2003 soll die Griso auf den Markt kommen.
Ebenfalls spektakulär wirkt die Sportler-Studie MGS-01. Vom gleichen Vierventiltriebwerk beseelt, jedoch mit Zweiarmschwinge, soll sie den Weg der Marke im Sportler-Segment aufzeigen. Allerdings fehlt der MGS-01 mit dem hochgelegten Auspuff im Heck und der japanisch angehauchten Halbverkleidung noch etwas der Guzzi-Spirit.
Viel braver kommt die Breva daher. Breva heißt ein Wind am Comer See, der schönes Wetter bringt. Die kleine Allrounderin soll die Traditionsmarke wieder im Stückzahl verheißenden Einsteigersegment verankern. Mit einem Preis von voraussichtlich 7400 Euro wird sie die günstigste Kardanmaschine weltweit sein. Ihr 48 PS starker 750er-Zweiventiler basiert auf der luftgekühlten V-Motorenbaureihe V35 bis V65 von Ende der 70er Jahre. Heron-Zylinderköpfe mit parallel stehenden, über Stoßstangen und Kipphebel betätigten Ventilen, längsliegende Kurbelwelle, Trockenkupplung, Fünfganggetriebe und Kardanantrieb – Technik von gestern, gründlich renoviert. Drei-Wege-Katalysator, Einspritzung, überarbeitetes Getriebe und Hinterachsantrieb machen die Breva fit für künftige Schadstoffnormen sowie ein langes Leben.
Zuverlässigkeit erhöhen und Anpassung an die künftigen Abgasgesetze waren auch die wichtigsten Aufgaben der Aprilia-Ingenieure bei den bestehenden Guzzi-Baureihen. Sie rüsteten sowohl die 74 PS starke Variante des 1100ers für die Touren- und Cruiser-Modelle als auch die 91-PS-Version der Sportler- und Naked-Guzzis auf geregelten Kat und hydraulischen Ventilspielausgleich um. Es tut sich also was bei Moto Guzzi. Wie viel, zeigte der neue Boss Provazzo nur ganz wenigen Vertrauten. Die durften schon mal einen Blick in die Guzzi-Zukunft werfen. Sie hat immer noch zwei Zylinder und Kühlrippen, aber vier Ventile, obenliegende Nockenwellen, senkrechte Einlasskanäle, Wasserkühlung, 1400 cm3 Hubraum und Dampf ohne Ende.

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