Moto Morini-Versteigerung Außer Spesen nichts gewesen

UPDATE: Der erste Termin zur Versteigerung der insolventen Marke Moto Morini ist ergebnislos verlaufen: Da keine Angebote eingingen, erklärte das Gericht in Bologna die Veranstaltung nach genau zwei Minuten für beendet.

Foto: Archiv

Update vom 14. April 2011: Dabei gibt es durchaus Interessenten für den insolventen italienischen Hersteller. Das Problem bestand aber offensichtlich darin, dass der Insolvenzverwalter Piero Aicardi kurzfristig die Regeln für die Bieter geändert hatte und Morini nur noch komplett zum Kauf angeboten hatte, sprich: mitsamt der Immobilie in Casalecchio di Reno, die schwer mit Hypotheken belastet ist. Angesichts der geforderten Summe von 5,5 Millionen Euro wollte da niemand mehr mitspielen.

Nun wird ein zweiter Versteigerungstermin angesetzt, voraussichtlich in 15 bis 20 Tagen. Auch dabei dürfte wenig herauskommen, da der Insolvenzverwalter nach eigenen Worten dann nur um etwa 200.000 Euro heruntergehen wird. Entscheidend dürfte daher der dritte Termin sein: Dann nämlich werden die Marke und die Immobilie getrennt angeboten. Wann es dazu kommt, weiß derzeit allerdings niemand.

Hoffnung besteht für Moto Morini also nach wie vor – auch wenn die Art der italienischen Insolvenzverwaltung mit ihren Verzögerungs- und Verschleppungstaktiken schwer nachzuvollziehen ist.

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31. März 2011: Vor der Versteigerung der insolventen italienischen Marke Moto Morini, angesetzt für den 13. April in Bologna, haben mehrere Firmen reges Interesse angemeldet. Dazu zählen der koreanische Zweiradbauer Hyosung, der italo-kanadische Unternehmer Stefano Franz sowie I.C.P., ein Hersteller von Ultraleichtflugzeugen aus dem Piemont, der in der Motorradszene bereits als Sponsor in der Grand Prix-Rennserie Moto2 in Erscheinung trat.

An die italienischen Medien wandte sich indes der österreichische Unternehmer Thomas Bleiner mit einer ausgefallenen Idee zur Rettung der Marke: Zusammen mit einem italienischen Partner, so der Ex-Autorennfahrer, wolle er das Dach des Morini-Firmensitzes in Casalecchio di Reno, einem Vorort von Bologna, mit einer großen Photovoltaik-Anlage bestücken und die Sonne zur Stromerzeugung nutzen. Der Strom könne an die Stadt Bologna und weitere umliegende Gemeinden verkauft werden; mittels der erwirtschafteten Gewinne ließe sich dann die Produktion in so kurzer Zeit wieder ankurbeln, dass Moto Morini schon auf der Mailänder Messe im Herbst wieder präsent sein könne.

Insider geben sich allerdings skeptisch, denn noch steht offenbar gar nicht fest, ob sich das Dach des Moto-Morini-Stammsitzes überhaupt für eine große Photovoltaik-Anlage eignet. Unter der Hand wird außerdem ein Zusammenhang mit den Zuschüssen vermutet, die der italienische Staat noch bis Mai für Anlagen dieser Art gewährt. Die örtliche Arbeitnehmervertretung favorisiert eine Lösung mit dem koreanischen Hersteller Hyosung, denn dabei, so Cristina Pattarozzi von der Gewerkschaft CGIL, handele es sich "um einen Kenner der Materie". Zudem habe Hyosung bereits ein überzeugendes Konzept vorgelegt.

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Die Entscheidung liegt nun beim Insolvenzverwalter Piero Aicardi, der sich nach italienischen Recht auch vor der geplanten Versteigerung mit Interessenten auf eine Übernahme einigen kann. Den Wert von Moto Morini hatte er bereits vor zwei Monaten auf mindestens 5,5 Millionen Euro einschließlich des Werksgeländes und 2,6 Millionen Euro ohne die Immobilie angesetzt.

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