MotoGP-Vorschau (Archivversion) Kampf der Systeme

Im Wettrüsten um den besten Viertakt-Prototyp reifte bisher nur das Honda-Werksteam zur Supermacht. Weil Yamaha, Suzuki und Aprilia noch hinterherhinken, wittern die Fahrer der alten Halbliter-Zweitakter plötzlich wieder Morgenluft.

Startaufstellung in Suzuka. Valentino Rossi macht Faxen für die Fernsehkamera. Max Biaggi versteckte sich hinter einer Sonnenbrille. Kenny Roberts saugt aus seiner Wasserflasche. Es scheint, als habe sich nichts geändert. Doch sowie die Motoren losbrüllen, wird aus dem Start zum ersten Rennen der MotoGP-Saison 2002 der Start in eine neue Ära. Denn in das helle Kreischen der Zweitakter mischt sich ein mächtiges Donnergrollen offener Viertakter, das vom Tribünendach widerhallt und in den Magengruben der Fans vibriert.Anders als vor 20, 30 Jahren, als den Viertaktern im Überlebenskampf auch ihr Gebrüll nichts half, werden dank satten 1000 cm3 nicht nur akustische Urgewalten frei. Während die Zweitakt-Piloten feinfühlig mit Gas und Kupplung spielen müssen, kann sich Valentino Rossi fast verzögerungsfrei in den ersten Gang klinken, die Beschleunigung voll und ganz dem enormen Drehmoment seines Fünfzylindermotors überlassen und wird wie von einer Riesenfaust nach vorn gewuchtet.Zu den wenigen, die ihn aufhalten könnten, zählt Daijiro Katoh mit seiner 15 Kilogramm leichten Honda NSR 500. Vor der ersten Kurve, wo die Viertakt-Piloten trotz Anti-Hopping-Kupplung gegen das Hinterradstempeln Probleme mit der Bremswirkung des Motors haben, huscht der fliegengewichtige Japaner womöglich sogar innen an Rossi vorbei. Dass Katoh erfolgreich Widerstand leistet und der Kampf lange offen bleibt, hoffen nicht nur die japanischen Fans. Denn sonst droht Eintönigkeit.

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