MotoGP-WM: Vorschau (Archivversion) Honda RC 211 V: Der Überflieger

Zu groß scheint die Überlegenheit des offiziellen Honda-Teams und der völlig neu entwickelten RC 211 V, bei der die Ingenieure viel unnötigen Ballast über Bord warfen. So zerfällt das Motorrad beim Zerlegen nicht in Kleinteile, sondern aufgeräumte Fertigungsmodule, die die tägliche Wartung zur einfachen Übung machen. Genauso intelligent ist der Aufbau von Elektrik und Elektronik, bei der auf einen zentralen Kabelbaum verzichtet wurde.Kantig und streng, funktionell und minimalistisch gerieten auch Fahrzeugsilhouette und Verkleidung, die eher an ein futuristisches Batmobil als an die Rubensfigur traditioneller Rennmotorräder erinnert. Ein Ziel beim Design war, reichlich Fahrtwind durch die voluminösen Kühler zu pressen, um so die exzessive Hitze loszuwerden, die sich im Bauch von Rennviertaktern mangels der bei Zweitaktern üblichen Frischgasspülung aufstaut. Zweites Ziel war, bei den Zuschauern mit einer schlanken, ultramodernen Linie für Herzklopfen zu sorgen und künftigen Straßen-Replikas den Weg zu ebnen.Dass Valentino Rossi immer wieder klagte, er habe bei vollem Speed zu wenig Windschutz, war angesichts der Potenz des neuen Motors leicht zu verkraften. Weil das zu groß geratene Triebwerk der NR 500 mit Ovalkolben anfangs der 80er Jahre weit hinten im Rahmen platziert werden musste, suchten die Ingenieure intensiv nach einer Konfiguration, die es erlaubte, die Masse im Schwerpunkt der Maschine zu konzentrieren. Ein V5, der kompakter baute und höhere Drehzahlen erreichte als ein Vierzylinder, aber immer noch in die gleiche Gewichtsklasse bis 145 kg passte, war die Lösung. Bis zu 250 PS stecken in dem mit zahnradgetriebenen Nockenwellen für die vier Titanventile pro Zylinder aufgebauten Triebwerk.Den Fabelwert nicht zu kappen, sondern auf den Boden zu bringen, hieß von Anfang an die Devise. Der Durchbruch kam, nachdem die ab rund 8000/min turmhoch aufragende Drehmomentkurve abgeflacht worden war und Michelin neue Reifen mit nehr Aufstandsfläche im kritischen Schräglagenbereich geliefert hatte. Seither fährt Rossi mit qualmendem Hinterreifen aus der Kurve und um bis zu drei Sekunden schneller als die Konkurrenz.

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