Motorentechnik der MV Agusta F4-750

Die Zielsetzung für den neuen Cagiva-Motor formulierte Claudio Castiglioni zu Beginn der Entwicklung eindeutig: Das Triebwerk sollte der kompakteste und leistungsstärkste Vierzylinder seiner Klasse werden, gerade gut genug für eine zukünftige Superbike-WM-Maschine. Tatsächlich wirkt das in Varese entstandene Aggregat mit seinen eng um den Motor geschlungenen Gehäusedeckeln und der hinter den Zylindern liegenden Lichtmaschine vergleichsweise zierlich. Doch im direkten Vergleich haben die japanischen Entwickler bei ihren neuesten Kreationen die Nase bereits wieder vorn. Der Trend zum seitlichen Antrieb der Nockenwellen spart im Gegensatz zum mittigen der F4 durch Wegfall eines Kurbelwellenlagers Baubreite und Reibung. Auch die Möglichkeit geringer Baulänge durch schräg oder direkt übereinander liegende Getriebewellen wie bei Suzukis GSX-R oder Yamahas R1 haben die Konstrukteure mit den hintereinander liegenden Getriebewellen nicht genutzt. Doch in zwei Punkten hebt sich das Kraftwerk konstruktiv von der Konkurrenz ab. Mit 73,8 Millimeter Bohrung und 43, 8 Millimeter Hub hat es die kurzhubigste Auslegung. Bei folgenden Modellen stocken 52 Millimeter Hub das Arbeitsvolumen auf 890 cm³ auf. Das interessanteste Merkmal der Konstruktion betrifft die Anordnung der Gaswechselorgane. Im von Ferrari entwickelten Zylinderkopf sind die Ein- und Auslaßventile nicht paarweise parallel, sondern radialförmig im Brennraum plaziert. Die spezielle Konfiguration erfordert aber einen aufwendigen Ventiltrieb. Die beiden obenliegenden Nockenwellen betätigen die Ventile über konisch geschliffene Nocken und Tassenstößel. Das Radialprinzip und die kurzhubige Auslegung sind gut für große Ventildurchmesser, sowie hohe Spitzendrehzahlen -und somit für hohe Spitzenleistung. Für die soll auch die Einspritzanlage sorgen. Als Leistung gibt Cagiva 126 PS an und hat zumindest in der Serie das angepeilte Ziel, der Beste zu sein, verfehlt, ein Attribut, das der neuen Suzuki GSX-R 750 mit nominell 135 PS gebürt. Überhaupt würden sich Technikfreaks neben dem Kasettengetriebe und dem Radialkopf weitere technische Highlights wie zahnradgetriebene Nockenwellen oder eine Trockenkupplung wünschen, die den Anspruch vom exklusiven Superbike noch deutlicher unterstreichen. Trotzdem dürfen die Superbike-Fans im allgemeinen und MV-Fans im besonderen hoffen, daß der Motor der F4 das Potential hat, an die grandiosen Erfolge von deren Vorgängern anzuknüpfen.

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