MOTORRAD-Checkpoint (Archivversion)

Marktsituation
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Michail Gorbatschows berühmter Ausspruch hat sich schon häufig bewahrheitet. Auf die V-Strom 1000 trifft er dagegen nicht zu, denn von 2002 bis September 2005 konnte Suzuki Deutschland immerhin 6736 Exemplare absetzen. Ein schöner Erfolg für den Nach-
zügler, schließlich beackert die Konkurrenz, allen voran BMW, dieses Marktsegment schon wesentlich länger. Verglichen mit den Verkaufszahlen einer BMW R 1150 GS ist die V-Strom 1000 jedoch nur
ein kleines Licht: So schaffte die Boxer-Enduro in ihren besten Zeiten annähernd das Gesamtverkaufsergebnis der V-Strom 1000 – pro Jahr.
Auch auf dem Gebrauchtmarkt sind die BMW-Enduros gesuchter. Gleichwohl sind die bundes-
weit befragten Händler insgesamt zufrieden mit der
beständigen Nachfrage nach gebrauchten V-Strom 1000. Gut erhaltene Exemplare, bevorzugt in der Preisregion zwischen 4500 und 6000 Euro, warten meist nicht lange auf einen Käufer. Für diesen Betrag werden in der Regel Maschinen der ersten beiden Baujahre mit Laufleistungen zwischen 10000 und 25000 Kilometern offeriert. Für jüngere V-Strom 1000 ab 2004, erkennbar am neu gestalteten Cockpit und der verstellbaren Verkleidungsscheibe, mit weniger als 10000 Kilometer auf dem Tacho muss man einen Aufschlag von rund 1000 Euro einkalkulieren. Viel teurer sollte eine gebrauchte V-Strom 1000 nicht kommen, weil einige Vertragshändler mittlerweile sogar Neufahrzeuge des aktuellen 2005er-Jahrgangs zu Preisen um 8000 Euro anbieten.
Solche Dumpingangebote wirken sich erfahrungsgemäß negativ auf das Preisniveau junger Gebrauchtmaschinen aus. Die sind ohnehin einem verstärkten Preisdruck ausgesetzt, weil das Angebot an BMW
R 1150 GS immer größer wird. Diese weisen zwar häufig höhere Laufleistungen auf, besitzen aber ein ABS. Ein Argument, das gerade bei der typischen Klientel für eine gebrauchte V-Strom sticht. Dabei handelt es sich nämlich überwiegend um gestandene Biker ab 40 Jahren, die den Sicherheitsgewinn eines Blockierverhinderers oft höher bewerten als das Plus an Motorleistung der Suzuki (98 gegenüber 85 PS).
Zum Vergleich einige Händler-Verkaufspreise laut Schwacke-Liste. Danach soll eine V-Strom 1000 des ersten Modelljahrs 2002 mit einer Laufleistung von etwa 31000 Kilometern noch rund 5750 Euro wert sein. Ein Exemplar von 2004 mit 14700 Kilometern auf dem Tacho wird zirka 1000 Euro höher bewertet.

Besichtigung
Nach dem Debakel bei der TL 1000 S haben die
Suzuki-Ingenieure das V2-Triebwerk grundlegend überarbeitet, bevor sie es der V-Strom einpflanz-
ten. Mit Erfolg, denn dort erweist sich der 1000er
als ausgereifter und standfester Antrieb. Ernsthafte
mechanische Defekte kennt die große V-Strom nicht. Kleinere Macken indes schon. So fielen die ersten beiden Modelljahre mit klappernden Kupplungen
auf. Ursache waren zu schwache Torsionsfedern am Kupplungskorb. Überdurchschnittlich häufig neigt außerdem der Kupplungsnehmerzylinder der hydraulischen Kupplung zu Undichtigkeiten.
Stirbt die betriebswarme V-Strom bei der Probefahrt im Leerlauf ab, liegt die Ursache oft an einem zu kleinen Ventilspiel. Häufig werden auch Konstantfahrruckeln, Auspuffpatschen im Schiebebetrieb oder eine harte Gasannahme moniert. Hier hilft nur die penible Synchronisation des Doppeldrosselklappensystems der ab Werk sehr mager abgestimmten
Einspritzung. Manche Händler gehen weiter und programmieren das Motormanagement neu, was jedoch zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führt.

Tests in MOTORRAD*
DL 1000 V-Strom (Typ WVBS): 7/2002 (TT), 8/2002 (VT), 13/2002 (VT), 6/2003 (VT), 2/2004 (LT), 8/2004 (VT), 16/2004 (KV), 2/2005 (VT)

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