MOTORRAD-Checkpoint (Archivversion)

Marktsituation
Seit 2001 fand die FJR 1300 als Neufahrzeug fast 10000 Käufer. Listenpreis: über 14000 Euro. Als Gebrauchte gibt es sie mittlerweile schon für die Hälfte. Bei Angeboten um die 7000 Euro muss man sich jedoch auf Fahrzeuge mit Laufleistungen jenseits von 40000 Kilometern einstellen, was angesichts der Dauerhaltbarkeit des Motorrads (siehe auch 100000-Kilometer-Langstreckentest in MOTORRAD 23/2003) aber kein Grund zur Sorge ist. Da sich Marathonisti nur ungern von ihrer idealen Reisebegleiterin trennen, sind solche Offerten allerdings eher rar. Häufiger werden Maschinen um die 9000 Euro mit 10000 bis 30000 Kilometern angeboten. Dabei ist die Nachfrage nach Modellen bis 2002 nicht ganz so groß, während FJR mit ABS ab Baujahr
2003 – bei gleicher Laufleistung und ähnlich gutem Pflegezustand nur etwa 500 bis 1000 Euro teurer – den Händlern förmlich aus den Händen gerissen werden.
Speziell Kunden, die den preisgünstigen und drehmomentstarken Tourer XJ 900 Diversion im Yamaha-Neufahrzeugprogramm vermissen, sind typische Anwärter auf eine gut gepflegte FJR zu einem Preis unterhalb der für Gebrauchtkäufer generell geltenden 10000-Euro Schmerzgrenze. BMW- und Honda-Pan-European-Überläufer lassen sich dagegen von einem hohen Einstandspreis eher weniger abschrecken und suchen nach fast neuwertigen Fahrzeugen
um die 12000 Euro, die kaum als Gebrauchte bezeichnet werden können, aber dennoch beinahe 3000 Euro unter Listen-Neupreis liegen. Im Internet unter www.mobile.de und www.
motoscout24.de fanden sich in dieser Preisklasse jedenfalls zur Jahresmitte auffallend viele Vorführmaschinen und Tageszulassungen mit keinen oder nur wenigen Kilometern auf dem Tacho, die nach Angaben verschiedener Händler auch guten Absatz finden.
Das vergleichsweise junge Motorrad wird gebraucht fast ausschließlich über Vertragshändler verkauft, weil die Vorbesitzer meist auf
Neumaschinen umsteigen und durch attraktive Finanzierungs- und Inzahlungnahme-Angebote seitens des Händlers so das beste Geschäft machen. Privatverkäufer bieten ihre Yamaha gelegentlich in der Zeitung an, können bei einer ähnlichen Preisvorstellung jedoch nicht den Service und die Gewährleistung eines Ge-
werblichen bieten. Bei markenunabhängigen Gebrauchthändlern ist die FJR 1300 nach MOTORRAD-Recherchen ein eher seltener Gast. Noch ein Hinweis zum Preisgefüge: Die Angaben in der Schwacke-Liste decken sich ungefähr mit den oben angegebenen realen Forderungen in Kleinanzeigenteilen oder auf Internetmärkten.

Besichtigung
Die meisten FJR 1300 wurden von den Vorbesitzern sorgfältig gepflegt und in moderatem Touring-Stil fortbewegt. Hässliche Gebrauchsspuren oder technische Defekte sind selten. Mehrere Besitzer des Typs PR04 klagen allerdings über eine störende Hitzeentwicklung im Tankbereich (unter anderem im Internetforum unter www.fjr-1300.de) durch den gekapselten Motor, der Wärme nicht ideal ableitet. Um
Abhilfe zu schaffen, erhöhte Yamaha ab dem 2003er-Modell die Zahl der Isolationsmatten unter dem Tank. Zweifel am tadellosen Zustand des Motors sollten durch eine ausführliche
Probefahrt ausgeräumt werden. Da vereinzelte FJR nach Händlerauskünften Probleme mit den Ventilführungen hatten, ist ein lückenloses Serviceheft unerlässlich, welches alle Inspektionen und etwaige Reparaturen dokumentiert. Apropos Inspektionen: Alle 10000 Kilometer fallen Kosten zwischen 150 und 250 Euro an, beim Einstellen der Ventile alle 42000 Kilometer kommen rund 150 Euro hinzu. Ist alles picobello, der Preis fair, und sind die Verschleißteile okay, gilt die auch als Gebrauchte nicht gerade kostengünstige FJR 1300 als sichere Bank mit gutem Werterhalt.

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