MOTORRAD-Checkpoint (Archivversion)

Marktsituation
Die Ducati-Fangemeinde ist zwar enorm groß, doch der Bestand zählt nur knapp über 1350 Exemplare. Von der 996 R sind hier zu Lande immerhin 757 Fahrzeuge zugelassen. Wenn auch die meisten 996 von Privatleuten verkauft werden, nehmen Ducati-Händler die 916-Nachfolgerin gerne in Zahlung. Nicht zuletzt wegen ihrer mäßigen Tourentauglichkeit liegen die Laufleistungen gebrauchter 996 meist bis zu 50 Prozent unter den angegebenen Durchschnittsfahrleistungen der Schwackeliste. Unter 8000 Euro ist selbst ein 1999er-Modell kaum zu kriegen. Für eine 996 SPS ist etwa das Doppelte fällig, was aber im Vergleich zum horrenden Neupreis von rund 22000 Euro noch in Ordnung geht. Kenner handeln die Edelvariante als Klassiker von morgen.

Besichtigung
Erfolgreich bemühte sich Ducati, die 916-Krankheiten zu kurieren. Seitdem der japanische Regler das Marelli-Bauteil ersetzt hat, kommt es zu keinen Hitzestaus mehr, die neue Bosch-Benzinpumpe
arbeitet ebenfalls zuverlässig. Nervige Kleinigkeiten gibt es dennoch. Dazu gehört der Kühlwasser-Ausgleichsbehälter, der gelegentlich an der Klebestelle undicht wird. Häufig bei 996 der ersten beiden Baujahre sind lecke Kupplungsnehmerzylinder wegen Verschmutzung der Dichtmanschette durch die Kette – ein Absinken des Flüssigkeitsstands im Vorratsbehälter ist ein eindeutiges Indiz. Neue Dichtungen kosten nur wenige Euro, ab Modelljahr 2001 wurde der schwarze Nehmerzylinder durch ein geändertes Bauteil ersetzt.
Häufiger Stop-and-go-Verkehr verschleißt die Trockenkupplung oft vorzeitig. Die letzte Stahlscheibe kann sich in den Kupplungskorb einarbeiten, etwa seit zwei Jahren gibt es ein passendes Ersatzteil mit eingegossenem Stahlkern. Beginnendes Kupplungsrutschen lässt sich mit einer zusätzlichen Stahlscheibe verhindern.
Wer eine 996 des Jahrgangs 2000 oder 2001
im Auge hat, sollte wissen, dass an diesen Fahr-
zeugen bei geringen Laufleistungen unter 10000 Kilometern öfter Hauptlagerschäden vorkamen, die auf Garantie behoben wurden. Bereits seit der Ducati 851 ist Abnutzung an den Öffnerkipphebeln der Vierventilmotoren ein Thema. Resonanzen, zu großes Ventilspiel und eine rüde Fahrweise sind daran sicher nicht unschuldig. Alle 10000 Kilometer werden die 16 Kipp- und Schlepphebel gecheckt – hier sollte man lieber einen Blick mehr als einen zu wenig riskieren.
Besonnene Händler tauschen Bauteile mit
Druckspuren gegen frisch nachverchromte aus.
»Wenn man den Verschleiß hören kann, haben
die Nockenwellen meist auch schon was. Und
dann wird’s teuer«, erklärt Ducati-Händler Heinz Tschinkel aus Hohenbrunn bei München, der
pro nachverchromtem Öffner etwa 50 Euro in Rechnung stellt.
Umsichtige 996-Besitzer montieren gegen Spritzwasser den Spritzschutz von Karbon-Spezia-
list Julius Ilmberger (www.ilmberger-carbon.de,
Telefon 089/6133893, 159,90 Euro), Vielfahrer
verwenden die Gabelbrücke von März (www.
ducati-maerz.de, Telefon 07243/59300, 398 Euro), wodurch die Lenkerstummel 40 Millimeter höher und somit entspannter positioniert sind.
Wer einen besseren Windschutz sucht, kann
auf die Touringscheibe von MRA (www.mra.de, Telefon 07663/93890, 86 Euro) zurückgreifen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote