MOTORRAD-Interview BMW-Chef Dr. Diess Einzigartige Technik

BMW-Motorrad-Chef Dr. Herbert Diess steht Chefredakteur Michael Pfeiffer Rede und Antwort über die neue Vierzylinder-BMW. Über deren sensationelle Technik berichtete MOTORRAD bereits in Heft 21 und 22/2003.

Foto: Gargolov
BMW-Motorrad-Chef Dr. Herbert Diess
BMW-Motorrad-Chef Dr. Herbert Diess
Herr Dr. Diess, die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, wann kommt denn nun die neue K-BMW?
Sie werden sicher nicht überrascht sein, wenn ich Ihnen sage, dass die Markteinführung noch in diesem Jahr stattfindet.
Bedeutet das dann das Ende der alten K-Baureihe?
Überhaupt nicht. Ich bin der festen Überzeugung, dass der liegende Vierzylinder mit längs liegender Kurbelwelle für einen Tourensportler wie die K 1200 GT oder für einen Tourer wie die K 1200 LT das richtige Konzept ist. Wir werden beide Maschinen weiterbauen, das Tourer-Modell haben wir ja gerade erst überarbeitet.
Stimmt, und mit einem bemerkenswerten elektrohydraulischen Hauptständer ausgerüstet.
Ja. Und mit nun 116 PS, Navigationssystem, verstellbaren Soziustrittbrettern und einem viel besseren Handling. Aber zurück zur neuen K. Sie wird der erste echte Vierzylinder-Sportler von BMW sein und damit auch kein bisheriges Modell ersetzen.
Echte Sportler haben heute richtig Leistung...
Das haben wir...
Wie viel denn?
Genügend. Sehr viel mehr, als wir bisher hatten, und das aus 1170 cm3.
Echte Sportler sind auch richtig leicht...
Die neue K 1200 S wird auch leicht. Das
Leistungsgewicht wird um 50 Prozent besser sein als das der R 1100 S.
K 1200 S?
Ja, die neue Vierzylinder-BMW wird K 1200 S heißen, wie alle Vierzylinder, selbst wenn die Kurbelwelle nun quer zur Fahrtrichtung eingebaut ist. Wir haben uns das lange überlegt, aber wir bleiben bei unserem System. Die Boxer heißen R, und das seit
über 80 Jahren, die Einzylinder heißen F.
Aber wartet die Neue nicht mit einer ganzen Menge neuer technischen Lösungen auf, so dass ein neuer Name
gerechtfertigt wäre?
Nein, schauen Sie nur, wie oft wir da schon
den Boxer neu hätten benennen müssen. Doch Sie
haben Recht. Wir haben in die K 1200 S viel einzigartige Technik eingebaut. Zum Beispiel die völlig neue Vorderradführung: Sie entkoppelt die Lenkung von den Radkräften und leitet die Kräfte optimal in die Rahmenstruktur. Das Ergebnis ist ein unerreicht präzises Lenkgefühl auch beim Bremsen. Oder der neue Motor, der unterhalb des Hauptrahmens extrem nach vorne geneigt
ist. Der sehr schlanke Kardanantrieb, das speziell konstruierte Getriebe, ja sogar ein elektronisch regelbares Fahrwerk haben wir.
Was bezweckt BMW mit dieser Technik-Offensive?
Wir wollen den K 1200 S-Fahrern eine neuen Maßstab an Agilität und Fahrfreude bieten. Relaxed fahren und trotzdem sehr sportlich unterwegs sein, das ist unser Ziel. Und Sie werden nicht enttäuscht sein, wenn Sie die
neue K zum ersten Mal bewegen. Der tiefe Schwerpunkt, der lange Radstand, die besondere Geometrie, all das funktioniert prächtig. Und das Tolle ist:
Die Maschine bleibt jederzeit leicht beherrschbar, auch durch unser weiter
verbessertes ABS-System.
Starke Motorräder dieser Leistungsklasse haben oft Schwierigkeiten mit
steigenden Vorderrädern und Lenkerschlagen. Was tut BMW dagegen?
Unsere Vorderradführung spricht so perfekt an, da brauchen wir keinen Lenkungsdämpfer. Der sehr niedrige Schwerpunkt lässt ein unfreiwillig steigendes Vorderrad kaum zu.











Zum Motor: Warum bringt BMW jetzt auch einen quer eingebauten Reihenvierzylinder, wie man ihn aus Japan kennt?
Unser Vierzylinder ist anders. Es ist der schmalste seiner Klasse. Wenn man alle Parameter für ein Sportmotorrad sorgsam abwägt, Leistung, Gewicht, Baulänge und so weiter, dann kommt man an einem quer eingebauten Vierer kaum vorbei. Warum sollen wir uns dem verschließen?
Eine letzte Frage: Wann kommt die K 1200 S, und was wird sie kosten?
Sie steht in jedem Fall auf der Münchner Messe Intermot, über den Preis denken wir noch nach.
Herr Dr. Diess, ich danke für das Gespräch.

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