MOTORRAD-Kommentar Punktewertung (Archivversion)

Motor
Ganz nüchtern betrachtet hat die italienische Extravaganz der japanischen Perfektion nicht viel entgegenzusetzen. Mit deutlichem Abstand gewinnen die beiden Reihenvierer, wobei der R1-Motor nur dank des besseren Getriebes vorne liegt. Dieses hohe Niveau kann weder der Ducati-V2 noch der Aprilia-V4 mitgehen. Beide lassen bei den Fahrleistungen Federn. Was nicht nur den Motoren an-gelastet werden muss, sondern seinen Grund auch in den längeren Sekundär-übersetzungen hat. Bei der RSV4 kommt noch etwas anderes, Entscheidendes hinzu: Das Ride-by-wire-System ist keineswegs ausgereift , die Verbindung vom Gasgriff zum Motor verbesserungswürdig. Wie es richtig geht, zeigt Yamaha mit der gleichen Technologie.

Sieger Motor: Yamaha


Fahrwerk
Achtung, aufgepasst, dieses ist eine LandstraßenWertung! Hier geht es nicht um die schnelle Runde auf der Piste, sondern um Dinge wie Komfort oder Stabilität auf der Autobahn. Auf Landstraßen dritter Kategorie kann die neue Aprilia RSV4 nichts reißen. In Sachen messerscharfe Performance auf der glattgebügelten Hausstrecke dagegen ist sie kaum zu schlagen. Dennoch ist es erstaunlich, wie die R1 mit ihrer grundsätzlich deutlich kommoderen Abstimmung dagegenhält und rundum begeistert. Wo die Aprilia den ganzen Mann und viel Einsatz fordert, ist die R1 freundlich zum Fahrer, macht es ihm leicht und ihn so auch über lange Strecken schnell und effizient. Die Ducati-Abstimmung hingegen funktioniert auf der Landstraße nicht, die speziell dieser GSX-R 1000 leider auch nicht.

Sieger Fahrwerk: Yamaha


Alltag
Es war nicht anders zu erwarten: Im Alltag sieht Japan gut, Italien in der Regel schlecht aus. Da macht auch die neue Aprilia keine Ausnahme. Aber sie schlägt sich für eine so eindeutig positionierte Rasse-Sportlerin richtig gut, distanziert die Ducati trotz fehlenden Soziusplatzes deutlich. An die Qualitäten einer Yamaha – und erst recht der Suzuki – kommt sie jedoch nicht heran. Beide glänzen mit bequemen Fahrer-Arrangements (und vor allem Sitzpolstern, die ihren Namen auch verdienen) sowie mit reichhaltiger Ausstattung (verstellbare Fußrasten!) und ordentlicher Reichweite. Dass die Suzuki trotzdem so klar vorne liegt, verdankt sie der deutlich besseren Sozius-Ergonomie (auf der R1 eine Zumutung) und dem geringeren Verbrauch, der den Aktionsradius erweitert.

Sieger Alltag: Suzuki

Sicherheit
Hätte die Aprilia einen soziussitz, läge sie vermutlich mit der Yamaha gleichauf. So aber muss sie sich trotz toller Bremsen hinten anstellen. Ebenso wie die Suzuki, weil deren Bremsanlage und auch das Fahrwerk deutlich schlechter funktionierten wie bei früheren Testexemplaren. Deshalb wird dieses Kapitel ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der famos bremsenden Ducati, deren Bremdosierung im Alltag jedoch zu giftig ist, und der ausgeglichenen Yamaha.

Sieger Sicherheit: Yamaha


Kosten
Durchweg unerfreulich schlagen sich die vier Boliden auf die Verhältnisse in der Brieftasche nieder, egal, ob Zwei- oder Vierzylinder, egal, welche Konfiguration. Daran werden auch die endgültigen Werte für die Aprilia nichts ändern.

Sieger Kosten: Ducati


Sieger-Preis-Leistung
Die Suzuki steht hier dank ihres deutlich günstigeren Preises knapp vorn, aber die ausgewogene Yamaha mit ihrem spannenden Motor ist nahe dran. Italien ist traditionell teuer.

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