MOTORRAD-Messungen Rennstrecke (Archivversion)

Nicht erschrecken! Wer bereit ist, sich mit diesem Wust von Zahlen und Diagrammen intensiv zu beschäftigen, kann eine Menge erfahren.
Die Tabelle oben links zeigt, wie schnell die Ducati und die Suzuki an den Schlüsselstellen des Kurses waren, der Streckenplan oben rechts verdeutlicht, um welche Stellen es sich handelt, ohne
dabei die in Lédenon so wichtigen topographischen Verhältnisse darzustellen zu können. Trotzdem: Zwischen dem zweiten und dritten Bogen der Triple Gauche ist die 999 R rund neun km/h schneller als die GSX-R 1000 und holt so die acht Hundertstelsekunden Vorsprung, die von der Suzuki Ende Start/Ziel herausgefahren werden konnten, wieder auf. Hier liegen also beide gleichauf. Die Passage zwischen Triple Gauche und der scharfen 180-Grad-Rechts unten im Tal ist der einzige Streckenabschnitt, in dem die GSX-R 1000 ihre überlegene Motorleistung (siehe Leistungsdiagramm rechts) auch umsetzen kann. Eine Zehntelsekunde beträgt der Vorsprung, der durch rund zehn km/h mehr Speed herausgefahren wird. Danach wird steil bergauf in Rechtsschräglage beschleunigt, bevor die kommende 180-Grad-Links angebremst wird. Wieder lupft die GSX-R beinahe unvermeidlich das Vorderrad – und verliert so Zeit und Speed. Drei km/h und 14 Hundertstel gehen verloren, bevor eine Schlüsselstelle des Kurses folgt. Nach der erwähnten Links wird kräftig beschleunigt, um sich dann in eine direkt auf einer Kuppe gelegene Links zu werfen. Hier verliert die Suzuki fast eine halbe Sekunde auf die Ducati.
In der letzten langen Bergabpassage mit dem exakt zu treffenden leichten Linksknick hin zur letzten Linkskurve des Kurses sind es noch einmal drei Zehntel. Die gleiche Spanne bleibt in der Kurve selbst und beim Rausbeschleunigen
liegen, so dass die GSX-R 1000 Start/Ziel zwar wieder mit Geschwindigkeitsüberschuss, aber auch mit 1,2 Sekunden oder 75 Meter Rückstand passiert.
Im oberen Diagramm links ist der Geschwindigkeitsver-
lauf von beiden Motorrädern (Ducati: rot, Suzuki: blau)
dargestellt, während im unteren Drehzahl (oben) und Drosselklappenstellung abzulesen sind. Erstaunlich dabei: Die Situationen, in denen die GSX-R in jene Drehzahlbereiche vorstößt, in denen sie wirklichen Leistungsüberschuss hat, sind dünn gesät und lediglich im ersten Teil des Kurses zu finden. Die Drosselklappen des Vierzylinders sind deutlich seltener ganz geöffnet und dürfen in der Anfahrt auf Start/
Ziel wegen der steigenden Frontpartie nur verhalten aufgezogen werden. Auffällig und bezeichnend für das Leistungsangebot moderner Vierzylinder-Tausender: Auf der Suzuki fährt Arne von der Triple Gauche bis hin zur Bergab-Passage vor der letzten Links alles in einem Gang. Und zwar im Zweiten!

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