Der Neuheiten-Paparazzo Ducati Scrambler, Super Duke, BMW-Boxer

MOTORRAD-Leser sichten KTM Super Duke 1290 und neue BMW auf geheimer Testfahrt; BMW- Boxer­ zukünftig eventuell mit variabler Ventilsteue- rung; Gerüchte besagen, Ducati denke über eine Retro-Scrambler nach; Erwischt: Ducati Diavel modellgepflegt.

Foto: Lee

„Natürlich“, werden Ducati-Fans jetzt denken, „eine Scrambler muss kommen!“ Jedem Fan der seit einiger Zeit unter Audi-Regie geführten Bologneser Marke schwirrt die gute alte Einzylindermaschine mit dem wunderschönen Königswellenm­otor im Kopf her­um. Diese stilbildende Ducati Scrambler in charakteristischem Gelb darf in keiner ­renommierten Sammlung fehlen. Das motivierte wohl auch den Motorrad-Computerkünstler Kar Lee. Der nahm sich kurzerhand ein paar Tage Zeit und gestaltete auf Basis einer Ducati Monster eine moderne Interpretation einer Scrambler. Aber was heute noch als freie Erfindung eines Kreativen zählen mag und somit unter die Rubrik Dichtung fällt, könnte schnell Realität werden.

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Ducati Scrambler

Denn eines ist klar: Auch Ducati kann sich der momentan überall aufpoppenden Retro-Welle nicht erwehren. Schon längst machen sich die Ingenieure – getrieben von den Marketing-Abteilungen – Gedanken, wie man am besten eine Retro-Ducati bauen könnte. Dabei gab es schon vor einigen Jahren eine ganze Baureihe von Retro-Ducs, angefangen bei der Mike Hailwood-Replica bis hin zur Sport 1000. Das waren damals keine großen Verkaufserfolge, aber vielleicht kamen die Maschinen einfach nur ein paar Jahre zu früh auf den Markt.

Eine moderne Scrambler, angetrieben von dem druckvollen 1100er-Desmo-Zweiventiler, der als einer der wenigen noch existieren­den Luftgekühlten eine Sonderstellung unter den Motoren einnimmt, das wäre durchaus ein vielversprechendes Projekt. Noch will sich Ducati nicht zu diesen Plänen äußern. Aber MOTORRAD ist sich ganz sicher, dass momentan heftig in diese Richtung gedacht wird. Und es würde uns keinesfalls überraschen, wenn auf der Eicma, der Mailänder Messe im November, eine entsprechende Studieglänzen würde.

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Foto: BMH-Images
Ducati-People bei der Arbeit: Der Versuchspilot winkelt die Prototyp-Diavel zackig ab.
Ducati-People bei der Arbeit: Der Versuchspilot winkelt die Prototyp-Diavel zackig ab.

Ducati Diavel

Viel näher an der Wahrheit ist dagegen die überarbeitete Version der Ducati Diavel. Bei geheimen Testfahrten erwischt, zeigt die Versuchsmaschine eine offensiver gestaltete Auspuffanlage und kleinere Retuschen an der Tankverkleidung. Erste Vermutungen, dass es sich bei dem abgelichteten Prototyp um eine hubraumschwächere Version mit dem neuen 821-cm3-Motor handeln könnte, entpuppten sich in der MOTORRAD-Grafikabteilung als falsch. Dort können Bilder bis in das letzte Pixel analysiert werden und so der Wahrheit auf die Sprünge helfen. Der Vergleich der Motordeckel klärt auf: Ducati stimmt den spurtstarken 1200-cm3-V2 wohl nur neu ab. Die relativ kleinen Auspuffauslässe verraten dabei, dass der bisher so dominante Klang der Diavel künftig etwas gedämpfter in die Umwelt geblasen wird.

Ob das schon auf den Einfluss von Audi zurückzuführen ist? Die zweite auffällige Neuerung betrifft eine neu geformte kleine Verkleidungsscheibe, die von den Versuchsleuten in Bologna mit Tape angeklebt wurde. So sportlich, wie sich der Ducati-Versuchspilot auf Kopfsteinpflaster in die Kurve legt, wird die Diavel-Modellpflege wohl kaum in Richtung Touring gehen. Das würde auch dem einzigartigen Charakter dieses Supersport-Cruisers widersprechen.

Bisher zwar noch nicht fotografiert, wird aber eine kleine Version der Ducati Panigale mit Sicherheit bald ins Licht der Öffentlichkeit treten. Die deutlich günstigere und auch leistungsschwächere Supersportlerin wird dabei nicht ­etwa vom neuen 821er-Motor, sondern von einer abgespeckten Version des Panigale 1199ers angetrieben. Das ist notwendig, um die besondere Fahrwerkskonstruktion der Supersport-Ducati mit voll ­tragendem Motor zu realisieren. Mit dem Gehäuse der kleineren Motoren, das auf dem alten Testastretta-Motor basiert, ­wäre eine solche Bauart nicht möglich. Die Baby-Panigale wird die Nachfolge der durch­aus erfolgreichen 848 antreten, deren sanfterer Motor im Vergleich zu den Top-Va­ri­­anten mit 1200 Kubikzentimetern immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Wenn sich dann noch der Preis unter 14 000 Euro einpendelt, kann das Projekt ein Erfolg werden.

Foto: Jung
Neuer Wasserboxer und noch viel neuerer Wasserboxer: Was da einem ­MOTORRAD-Leser vor die ­Linse kam, verwundert und hat „nichts mit uns zu tun“, so ein BMW-Sprecher. Tatsache ist, hier handelt es sich um neue Zylinderköpfe, wahrscheinlich mit der BMW-Spezialität „Valvetronic“ aus den sparsamen Pkw-Motoren.
Neuer Wasserboxer und noch viel neuerer Wasserboxer: Was da einem ­MOTORRAD-Leser vor die ­Linse kam, verwundert und hat „nichts mit uns zu tun“, so ein BMW-Sprecher. Tatsache ist, hier handelt es sich um neue Zylinderköpfe, wahrscheinlich mit der BMW-Spezialität „Valvetronic“ aus den sparsamen Pkw-Motoren.

Neuer BMW-Boxer?

Leser Karl H. staunte nicht schlecht, als er vor Kurzem auf einer Autobahnraststätte zwei neue BMW R 1200 GS entdeckte. Während die eine völlig normal und dem Ducati-Fahrer vertraut aussah, trug die zweite Maschine ganz neue Zylinderköpfe mit ziemlich ausladenden Formen. Vor allem auf der Ansaugseite oben bauten die Köpfe deutlich üppiger als die der ohnehin nicht sehr zarten Serienmaschine. Geistesgegenwärtig zückte Karl H. seine Kamera und lichtete die beiden schnell davonbrausenden Fahrer samt Maschinen ab. Schöner hätte die Situation eigentlich kaum eingefangen werden können, zeigt sich doch schon auf den ersten Blick, welchen gewaltigen Unterschied die beiden GS aufweisen.

Sollte sich unter dem professionell gefertigten Ventildeckel gar eine variable Ventilsteuerung verstecken? BMW-Pressesprecher Rudolf Probst dementiert: „Das hat nichts mit uns zu tun, wir haben keinen solchen Motor.“ Allein, MOTORRAD fehlt der Glaube. Denn wer sonst sollte sich denn schon jetzt einen neuen Zylinderkopf gebastelt haben als jemand, der mit BMW selbst in Verbindung steht? So ein lauffähiges Versuchs­muster zu bauen dauert in der Regel ein paar Tage, die neue GS gibt es erst seit knapp fünf Monaten zu kaufen.

Klar ist, BMW baut seit über zehn Jahren Pkw-Motoren mit variablen Ventilsteuerungen, deren Leistung über den Hub der Einlassventile geregelt wird und nicht mehr über eine Drosselklappe. Diese im BMW-Sprech „Valvetronic“ genannte, patentierte Steuerung sorgt nicht nur für beste Verbrauchs- und Abgaswerte, sondern auch für ein noch mal deutlich verbessertes Ansprechverhalten. Eigenschaften, die auf ­einen Motorradmotor ziemlich gut passen. Und BMW wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn die Erkenntnisse aus dem Automobilbereich nicht auch für die Motorradsparte genutzt würden.

Man kann sich also ziemlich sicher sein, dass BMW an der Applikation ihrer Valvetronic für den Boxermotor arbeitet. Immerhin soll der aktuelle wassergekühlte Boxer ja mindestens ein Jahrzehnt oder noch länger im Programm bleiben. Da wird man noch einige Register in Sachen Leistung, aber auch in Sachen Verbrauch und Abgas ziehen müssen. Ein Blick auf die Bauweise der Automotoren zeigt, das hier speziell im Ansaugbereich deutlich mehr Bauraum gebraucht wird. Unsere Vermutung könnte also für die hier erwischte Prototypmaschine durchaus zutreffen.

Wie würde die Valvetronic funktionieren? Die Einlassventile werden über einen Rollenschlepphebel betätigt, der von einem in der Höhe blitzschnell verstellbaren Gleithebel gedrückt wird. Auf diesen wirkt die Nockenwelle. So werden, je nach Stellung des Gleithebels, die Ventile mehr oder weniger weit geöffnet. Ein Stellmotor, der bei den BMW-Pkw-Motoren ein ziemlicher ­Brocken ist, liefert dabei winkelgenau und blitzschnell die richtige Hebelstellung. Im Leerlauf beträgt der Ventilhub dann nur ein paar Zehntelmillimeter, bei Vollgas bei den Pkw-Motoren nahe zehn Millimeter. Ob die ganze Sache drehzahlfest genug für einen Motorradmotor sein wird, sei dahingestellt. Bisher regeln die Motoren bei etwas über 7000/min ab. Im Sinne der zukünftigen Anforderungen an einen modernen Motor drängt sich aber diese BMW-Spezialität nahezu auf. Mehr zu dem ganzen Thema Valvetronic lesen Sie in der nächsten Ausgabe von MOTORRAD, Heft 19/2013.

Foto: Rabanser
Früh aufstehen lohnt sich, vor allem auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Nicht nur das Panorama begeisterte Leser Valentin Rabanser, sondern auch der bullige Klang einer getarnten KTM 1290 Super Duke.
Früh aufstehen lohnt sich, vor allem auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Nicht nur das Panorama begeisterte Leser Valentin Rabanser, sondern auch der bullige Klang einer getarnten KTM 1290 Super Duke.

KTM 1290 Super Duke

Und noch einem Leser ist MOTORRAD sehr dankbar: Valentin Rabanser wollte auf dem Großglockner den Sonnenaufgang erleben und zog in aller Frühe auf den Berg. Neben einem gigantischen Alpenpanorama entzückte ihn aber auch noch ein bulliger Wohlklang, zelebriert von einem dicken Zweizylinder. Dank schnell gezücktem Fotohandy konnte Valentin einen KTM-Versuchsfahrer ablichten, der die noch gut getarnte, aber endgültig gestaltete, seriennahe Version der 1290 Super Duke über den Großglockner trieb. Schön zu sehen ist dabei der ansprechend designte Auspufftopf und die schlanke Zweipersonensitzbank. Beim Thema Nummernschildhalter tun sich natürlich alle Formbildner schwer. KTM-Hausdesigner Gerald Kiska beweist aber wohl auch hier wieder, welche Gestaltungskraft in ihm steckt. Bei der neuen Super Duke passt offensichtlich alles.

Technisch dürfen die KTM-Macher aus dem Vollen schöpfen. Genauer gesagt, aus dem vollen Hubraum. Denn mit 1290 Kubikzentimetern wird KTM in Kürze den hubraumstärksten Hochleistungszweizylinder der Welt auf den Markt bringen. Ob KTM dabei den bestehenden Adventure 1190-Motor einfach aufbohrt oder auch den Hub der Kurbelwelle vergrößert, bleibt momentan reine Spekulation. Klar ist aber, dass dieser Dickste aller Dicken erst a­m Anfang seiner Karriere steht. Sinn würde er in einer Reise­enduro genauso machen wie in einem Sportler oder gar in einer Art Alpen-Diavel. Aber so weit in die Zukunft zu spekulieren wäre dann doch zu kühn. Wenn es um die Wahrheit geht, dann kann man davon ausgehen, dass die Super Duke 1290 spä­tes­tens im Herbst 2013 präsentiert wird und im Frühjahr 2014 bei den KTM-Händlern steht.

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