MOTORRAD präsentiert: MBS 600 E62 (Archivversion) Leichtes Rädchen

Umwoben vom luftig leichten MBS-Gitterrohr-Fahrwerk, setzt ein aufgemotzter, 113 PS starker Kawasaki ZZ-R 600 Motor neue Maßstäbe in der supersportlichen Mittelklasse.

Mit extrem wenig Gewicht, verpackt hinter einer zierlichen Silhouette, wählte Heiko Heinemeyer mit seiner MBS-Eigenkonstruktion den Weg des geringsten Widerstandes. »Power Bikes mit abartiger Leistung aufzubauen ist zwar gerade Mode, unser Ziel sieht dagegen etwas anders aus: das Handling einer 250er gepaart mit den Fahrleistungen einer 900er«, kommentiert der Tüftler sein Konzept vom Supersport-Motorrad. Wunsch oder Wirklichkeit? Die Meßwerte sprechen für sich: 258 km/h Topspeed - schneller als die 125 PS starke Honda CBR 900 RR. Im Sprint bis 200 km/h vergehen 10,9 Sekunden - die MBS 600 bleibt der Fireblade dicht auf den Fersen. Beeindruckende Werte, zweifellos. Den Choker spielte die MBS jedoch bei den Testfahrten auf der Nürburgring-GP-Strecke aus. Mit der Präzision einer CNC-Fräsmaschine segelt die MBS in messerscharfen Radien um die Ecken, beugt sich ohne Verzögerung aufs Kommando in Schräglage. In den schnellen Passagen, wo sich jeder Seriensportler nur mit straffen Lenkbefehlen von einer Schräglage in die andere zwingen läßt, klappt die MBS 600 wie von Zauberhand durch die Wechselkurven. Der Hintergrund: Die extrem auf Handlichkeit getrimmte Rahmen- und Lenkgeometrie und das mit rennmäßigen 53 Prozent des Gewichts belastete Vorderrad.Für ganz eilige Zeitgenossen dürfte bei der Jagd nach Rekordrunden allerdings die Feder/Dämpferabstimmung eine Stufe härter ausfallen. »Wir haben den Kompromiß zwischen Straße und Supersport bewußt gewählt, um auf schlechten Straßen ausreichend viel Komfort und Fahrstabilität zu garantieren«, erläutert Tuner Heinemeyer sein Fahrwerks-Set-up.Schließlich soll die von MOTORRAD getestete MBS 600 als zulassungsfähige Kleinserie unters Volk gebracht werden, weshalb die winzigen Scheinwerferchen und die noch fehlende Lichtmaschine durch TÜV-gerechte Bauteile ersetzt werden müssen.Daß es bei der Kleinserie bleibt, dafür wird allein der Preis sorgen: 58800 Mark kostet der bis ins letzte Detail handgefertigte und nur mit feinstem Zubehör komplettierte Edelrenner. Ein Meisterwerk für sich: der hartgelötete Rahmen mitsamt Dreiecks-schwinge aus Chrom-Molybdän-Rohren. Nach dem Muster des holländischen Fahrwerks-Guru Nicco Bakker gezeichnet, gibt Heiko Heinemeyer entgegen dem allgemeinen Trend zum uniformen Alu-Chassis der funktionellen, klassischen und trotzdem leichten Stahlkonstruktion den Vorzug (Rahmen mit Schwinge 16,5 Kilogramm, zum Vergleich: rund 19 Kilogramm bei Suzukis GSX-R 600). Doch in Sachen Rahmenkonstruktion führen viele Wege nach Rom, wie die Technik-Story ab Seite 36 beweist.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote