Motorrad Selbsthilfe Altona Selber schrauben zum kleinen Preis
Wer Motorrad fährt, will auch schrauben. Manchmal zumindest. Nur wo, wenns draußen fiese regnet, die Karre partout nicht in die Dachgeschosswohnung geht und sowieso ein wichtiges Werkzeug fehlt?
Die rote Kawasaki GT 550 belegt den dritten Platz. Die vordere Bremse packt nicht mehr richtig zu, und die Kiste hat bereits 37917 Kilometer und etliche Jahre auf dem Buckel. Per Google kam ihr 50-jähriger Fahrer Guntram Otzen zu Tobi. Tobi heißt mit vollem Namen Tobias Trapp und ist der Inhaber der Motorrad Selbsthilfe Altona kurz MSA. Da steht sie nun auf Arbeitsplatz Nummer 3, die Kawa. Und Tobi auch. Er hört sie ab, fingert an Bremshebel und -leitungen und verschreibt ihr neue Stahlflexleitungen. Diese zu besorgen bedeutet für Tobi zwei Schritte an die gegenüberliegende Werkstattwand, sie zu montieren ist Aufgabe von Guntram. Tobi sagt, Kunde schraubt. So ist das Grundprinzip der MSA.
Für erschwingliche zehn Euro die Stunde toben sich bereits seit 1996 schraubwütige Kunden in der kleinen Werkstatt in einem Hamburger Hinterhof aus. Sie wechseln Kettensätze, stellen Ventile ein, zerlegen ihre Öfen komplett oder machen einfach nur einen Ölwechsel. Auch ein solcher kann zu einem dreistündigen Event ausgeweitet werden, wenn man es zu gut gemeint hat mit der Ablassschraube. Alte Regel: Nach fest kommt ab. Für solche Fälle gibt es dann Tobi, der einem hilft, Gewinde auszubohren und neu zu schneiden. Oder einem nebenbei die Vergaser synchronisiert. Und der jede noch so abgenudelte Schraube in Bewegung bringt. Nebenbei berät er noch Kunden am Telefon und hilft da, wo jemand gerade nicht weiter weiß.
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Info SelbsthilfewerkstattTobi macht nicht nur Sachen heile, sondern pflegt auch das Verhältnis zwischen Kunden und ihren Maschinen.
Foto: Jahn
Eine BMW R 1200 C kommt bei Kilometer 14907 auf Platz 4 zum Stehen. Cruiser-Lenker Peter Schlüter weiß, was er will: Ölwechsel, und zwar flott, denn er will weiter. Er liebt das Prinzip der MSA: reinkommen, drankommen. Bei BMW isses wie beim Edel-Friseur ohne Termin geht gar nichts, weiß der 46-Jährige. Und auch, dass ein solcher Termin vier bis sechs Wochen in der Zukunft liegen kann. Auf Platz 5 ist Kai Widmann, auch wenn er heute der Erste war. Er ist mit dem Verbrauch seiner Z 750, Baujahr 1983, nicht zufrieden. Zehn Liter pro Woche Standzeit sind ihm einfach zu viel, darum wird heute der Tank abgedichtet. Tank ab, poröse Fläche schleifen, den Rest erledigt Tobi. Mit den Worten "da wolln wir mit dem Zeug auch nicht sparsam sein", drückt er die Kaltmetall-Knete emsig an die marode Spritblase. Kai freut sich, schon seit sieben Jahren nicht mehr auf der Straße inmitten zahlloser Hundehaufen schrauben zu müssen. Seine erste Zett von damals hätte er vermutlich sofort wieder verkauft, wäre da nicht die Selbsthilfe gewesen.







