01.01.2004 Von: Ralph Andreß
Erschienen in: 02/ 2004 MOTORRAD

Motorraddiebstahl – was tun? (Archivversion) Vorsicht Falle

Während Sie Ihren Tee im Café trinken, macht sich ein Bösewicht an Ihr Motorrad dran. Kein Problem, denken Sie, die Versicherung wird’s schon richten. Tut sie auch. Vorausgesetzt, dass Sie keinen dummen Fehler machen.

Wo gerade noch das Motorrad stand, herrscht jetzt gähnende Leere oder machen sich armselige Reste lang. Geklaut. Einziger Trost: Wenigstens ist man für diesen Fall versichert. Eine Versicherung wäre freilich keine Versicherung, wenn sie sich nicht just davor zu drücken versuchte, vor dem Zahlen nämlich. Deshalb aufs Kleingedruckte achten, der dort verborgenen Fallstricke wegen. Die können schon beim Abschluss oder Wechsel einer Versicherung drohen. Zwar gilt für Haftpflicht Versicherungsschutz von Anfang an, doch Kasko greift erst dann, wenn die erste Prämie bezahlt ist. Und manche Versicherungen lassen sich Zeit mit der Rechnung. Dieses Risiko kann man umgehen, indem man eine vorläufige Deckung ver-einbart. Diese kann direkt mit der Versicherung oder einem Vertreter der Versicherung abgeschlossen werden, nicht aber mit einem Versicherungsvermittler, einem Makler. Auch bei der Abwicklung des Vertrags über das Internet wird die vorläufige Deckungszusage meist nicht erteilt.Versichert ist in Voll- und Teilkaskoversicherung der klassische Diebstahl, Raub und einige Fälle von Unterschlagung. Wer sich sein Motorrad von einem betrügerischen Probefahrer entwenden lässt, ist dagegen in der Regel nicht versichert. Allerdings zahlen einige Gesellschaften auch dann, doch nur, wenn’s im Vertrag steht. Seit der Liberalisierung des Versicherungsmarktes können Assekuranzen ihre eigenen Bedingungen formulieren. Ist das Motorrad weg, muss der Bestohlene zur Polizei, der Diebstahlsanzeige wegen. Dort erhält er eine Bestätigung für die Versicherung, der man umgehend den Schaden meldet. Dazu genügt ein kurzer Brief, dann schickt die Versicherung einen Fragebogen, den es auszufüllen gilt. Außerdem will sie alle Schlüssel und die Fahrzeugpapiere sehen, manchmal auch Serviceheft und Rechnungen. Die Versicherung will prüfen, ob sie zahlen muss. Und sie prüft genau. Auf jedem Fragebogen der Versicherer findet sich der Hinweis, dass bei falschen Angaben Leistungsfreiheit besteht, selbst wenn diese Angaben für die Höhe der Entschädigung ohne Bedeutung sind.Im Grundsatz gilt: Der Versicherungsnehmer muss »das äußere Bild des Motorraddiebstahls« so darlegen, dass sich mit hinreichender Wahrscheinlichkeit auf einen Diebstahl schließen lässt (BGH VersR 1984, 29). Der Bestohlene muss also erklären, dass er sein Motorrad an einer bestimmten Stelle zu einer bestimmten Zeit abgestellt und es »gegen seinen Willen« nicht mehr vorgefunden hat. Diese Umstände müssen vollständig bewiesen werden. Am besten durch Zeugen.Doch was macht der Motorradfahrer, der in der Kneipe saß, derweil seine Maschine verschwand? Hier genügen für den Nachweis des »äußeren Bildes« eigene Angaben. Freilich unter der Voraussetzung, dass der Motorradfahrer uneingeschränkt glaubwürdig ist. Die Frage der Glaubwürdigkeit kann nicht pauschal beantwortet werden. So führt beispielsweise eine rechtskräftige Verurteilung wegen eines Strafverfahrens nicht automatisch zur Unglaubwürdigkeit, andererseits muss auch »unverschuldeten Bürgern« nicht alles geglaubt werden. Deshalb prüft die Versicherung, ob alle Originalschlüssel vorhanden sind und Nachschlüssel angefertigt wurden. Zwar ist es nicht erforderlich, dass der Motorradfahrer alle Originalschlüssel vorlegen kann, sofern er ihr Fehlen plausibel erklärt (BGH VersR 1997, 53). Außerdem bedeutet das spätere Auffinden des Motorrads ohne Spuren an den Schließzylindern nicht zwingend, dass kein Diebstahl vorlag. Selbst wenn der Motorradfahrer Nachschlüssel machen ließ, spricht das noch nicht für eine Vortäuschung eines Diebstahls. Und er muss auch nicht auf den Tag genau sagen, wie viele Schlüssel angefertigt wurden. Jedoch wird die Versicherung kaum zahlen, wenn an Originalschlüsseln frische Kopierspuren festgestellt werden, die Existenz eines Nachschlüssels jedoch unterschlagen wurde. Zahlen muss die Versicherung dagegen Schäden, die beim Versuch des Diebstahls entstanden sind, nicht aber, wenn der Dieb aus Wut über sein Scheitern das Motorrad umgeworfen hat. Hat er es freilich erst mal geklaut, dann sind, falls die Maschine wieder auftaucht, auch Unfall- und Vandalismusschäden zu ersetzen (BGH VersR 1975, 225).Alle Hürden sind genommen, die Versicherung hat kein Haar in der Suppe gefunden, und das Geld fließt trotzdem nicht? Gemach, einen Monat hat die Versicherung Zeit. Findet die Polizei bis dahin das Motorrad, muss es vom Eigentümer zurückgenommen werden. Wird es später entdeckt, gehört es dem Versicherer. Höflich und bestimmt ist dem Versicherer deshalb nach einem Monat eine Frist zu setzen, damit danach Verzugszinsen fällig werden. Sind noch nicht alle Umstände geklärt, zum Beispiel der Wert des Motorrads, braucht man sich nicht vertrösten lassen: Die Versicherung muss einen Vorschuss zahlen.


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