Motorradfahrer des Jahres 2005 (Archivversion) Ruck, zuck Ende Gelände

Vorrunden, Zwischenrunden: alles Geschichte. 20 Finalisten zeigten beim Motorradfahrer des Jahres am Nürburgring, wer die
Pylonen umschmeichelt – oder schon am ersten Erdhügel scheitert.

Ein großes Finale braucht einen dramaturgischen Höhepunkt. Von 20 auf drei Männlein in drei Tagen. Jetzt sitzen also die Sieger beim großen Gala-Abend auf drei Motorrädern und werden unter rhythmischem Klatschen und beobachtet von hunderten Augenpaaren nach oben gepumpt. Jawohl, gepumpt. Die Motorräder balancieren auf kleinen Hebebühnen, und tapfere Helfer beackern die Liftanlagen wie sonst die Blasebälge am Baggersee. Im Nu sind alle drei am Gipfel
angelangt. Auf Kommando gleiten plötzlich zwei Motorräder nach unten, Nebel steigt auf, und auf der dritten Maschine hockt der verdutzte Gewinner mit Überblick, während die anderen beiden, am Boden zurück, nach oben schauen.
Triumphiert hat 2005 ein Herr Christian Daleiden aus Luxemburg. Genau der Daleiden, der auch 2003 gewonnen hatte. Wie, was – schon wieder? Aufgeweckte Zeitgenossen wie Vorjahressieger Ulrich Kunzi, heuer interessierter Beobachter, prophezeiten den Sieger bereits vorher. »Der Christian ist am coolsten und macht keine Fehler«, meinte Kunzi und legte im Umkehrschluss nahe, dass die anderen eben zu viele Fehler machen. Geheimnisse, Tricks, Voodoo? Warum gewinnt der eine, und die anderen träumen davon?
Sonntag, Geländeprüfung. Für acht
Aspiranten mit Bodenkontakt eigentlich schon das Ende. Gleiche Bedingungen für alle, jeder kämpft sich auf gestellten KTM-Enduros durch das Geläuf. Oberste Regel: Egal, ob routinierter Geländepilot oder
bekennender Straßenfeger – auf gar keinen Fall stürzen. Lieber 90 statt 101 Prozent! Wie ausgebufft ein Sieger so etwas analysiert, erläutert wieder Ulrich Kunzi: »Die Kupplung geht extrem schwer, der Motor stirbt leicht ab, da bin ich letztes Jahr mit hoher Drehzahl und Kalkül ge-
fahren.« Was nichts anderes heißt, als
dass jedes Pünktchen zählt, eine verpatzte Übung sich nicht mehr aufholen lässt.
Außer bei der Geländeübung droht für
einen Sturz eh das komplette Aus.
Schaut man sich die Finalsieger der letzten Jahre an, ergibt sich in der Typologie ein fast einheitliches Bild. Ruhig,
bescheiden, begeisterungsfähig, sich mit anderen über deren Erfolge freuen, aber gleichzeitig mit höchster Konzentration an die eigenen Übungen wagen. Und – nicht zu vergessen – mit ausreichend Talent
gesegnet. Nun ist es nicht so, dass alle
anderen die gegenteiligen Eigenschaften besäßen, doch oft, so scheint es, fehlt
die kritische Selbsteinschätzung.
Da gibt es den Poser, der nach jeder Übung hupt wie wild und Aufmerksamkeit will, aber auf der Grand-Prix-Strecke
wie eine Schnecke fährt. Da gibt es Übereifrige, die zetern und kleingeistig den Spaß vergessen, und natürlich auch Teilnehmer wie den ehemaligen Rennfahrer Jens-Uwe Meyer, der mit kaum Bock
und Zeit für Vorbereitung sich und seiner
Suzuki GSX-R in netter, perfekt organi-
sierter Gesellschaft einfach ein paar flotte Runden gönnt.
Viele Pylonen führen nach Rom, und nächstes Jahr ist Fußball-WM. Da sind
wir dann glücklicherweise alle Trainer. Mehr
Infos: www.motorradfahrer-des-jahres.de

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