Persönlicher Nachruf Peter Struck „So läuft das“

Peter Struck ist viel zu früh von uns gegangen. Er war sicherlich der prominenteste Fürsprecher des Motorradfahrens in der deutschen Politik. Vielleicht ja sogar der prominenteste Motorradfahrer Deutschlands überhaupt.

Foto: Archiv

Dr. Hein Jasper, Internist aus Marburg, hat in den vergangenen Jahren viele Motorrad-Touren mit dem streitbaren SPD-Politiker unternommen. Noch Mitte Dezember 2012 trafen sie sich in Berlin, um den gemeinsamen Urlaub 2013 zu planen. Den wollte Struck dann bereits auf seiner neuen wassergekühlten BMW R 1200 GS statt seiner bisherigen 1200er-RT antreten. Nun, seine letzte aller Reisen kam ihm nun überraschend dazwischen. Anlass für Dr. Hein Jasper, auf www.motorradonline.de exklusiv einen ganz eigenen, persönlichen Nachruf für seinen Freund zu veröffentlichen.

„Motorradfahren, das war für Peter Struck Kavallerie. „Alles aufsitzen!“ und ab ging die Post. „Schritt“ möchte er nicht. Denn so gut er Motorrad fuhr, im Stand oder Schritt konnte es schon mal vorkommen, dass sich sein Motorrad auf die Seite neigte. Blessuren, die dabei vorkamen, kannte er nicht, nur den Weg nach vorn. „Trrrabb“ war für ihn eine kurze Übergangsform zum „Gaaallopp“, der von ihm am meisten geliebten Reise-Art.

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Foto: Archiv

Motorrad, das bedeutete für ihn Freiheit. Wir waren uns darin einig, dass das Motorradfahren die letzte Art des Freibeutertums war. Sehr zutreffend für seine Biker-Emotionen war einmal vor einigen Jahren eine Szene im Straßburger Europa-Parlament. Anlässlich der Motoradreise der „Sportvereinigung Deutscher Bundestag“ lautete seine geistreiche Äußerung, er sei schon immer der Meinung gewesen, dass Radarmessungen für Motorradfahrer abgeschafft werden sollten.

1992 begann er seine Motorradfahrer-Laufbahn auf einer MZ, aber die behielt er nur für kurze Zeit. Dann landete er bei BMW. Er liebte seine Boxer. Erst vor wenigen Wochen hatte er sich den neuen, wassergekühlten Boxer R 1200 GS bestellt . Dies war die Folge eines im April gemachten gemeinsamen Motorrad-Urlaubs auf Teneriffa und La Gomera, bei dem wir die bisherige R 1200 GS gefahren und lieben gelernt hatten. Nun steht seine R 1200 RT noch immer im Stall und wartet vergeblich. Und wir Freunde weinen.

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Peter Struck war ein unbeugsames Urgestein, einerseits ein harter Kämpfer, andererseits ein Mensch mit einem unglaublich tief gefühlten und gelebten Sozialempfinden. Alle, die mit ihm im engen Kreis zu tun hatten und deren Freundschaften pflegte, haben tagtäglich erlebt, dass er mit Freunde zu teilen wusste. Im Vergleich zu manchem Anderen hat er nicht für Macht und  Mammon gelebt, sondern lebenslang seine sozialdemokratischen Überzeugung vertreten. Bezüglich seiner Äußerungen war er verlässlich gegenüber Freunden und Gegnern. Sein herrliches Buch „So läuft das“, ein Teil seiner Biographie, gibt Aufschluss über seinen Charakter und seine politische Weltordnung. Er hat uns hiermit ein feines Vermächtnis und eine höchst lesenswerteres, krimi-ähnliches historisches Werkt hinterlassen.

Freundschaft war für ihn etwas Unantastbares und Unverbrücherliches. Dies galt auch für sein Motorrad und die Motorradfahrerei. Er war ein guter, nimmermünder Fahrer. Er wusste, dass er schon seit langem nicht mehr kerngesund war und eigentlich auf Abruf lebte. Er wünschte sich, wenn es dein sollte, einen schnellen Tod, um nichts in der Welt ein länger währendes Siechtum. Gott war ihm gnädig. Attacke! Zapfenstreich. Das war’s.

Ich durfte elf wunderschöne Motorradjahre mit ihm verleben. Ich hatt‘ einen Kameraden, und ich habe einen guten Freund verloren. Er wird noch lange in meinem Herzen Wohnen.“

Dr. Jasper Hein
Marburg an der Lahn,
für Peter Struck, *24.01.1943 + 19.12.2012

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