MV Agusta F4R 312 (Archivversion) Speed Dreams

Namen sind Schall und Rauch? Von wegen. Die MV Agusta F4R 312 trägt ihren Namen als unbescheidenen Hinweis auf den Top Speed, den sie erreichen soll: 312 km/h. Womit der MV – freiwillige Selbstbeschränkung auf 299 km/h hin oder her - das Blaue Band des schnellsten Serienmotorrades gebühren würde. Weshalb der Konjunktiv? Weil die F4R 312 auf Basis der F4 1000 R und damit mit deren Höchstgeschwindigkeit von 301 km/h homologiert ist. Auf den prestigeträchtigen Eintrag der 312 km/h in die Fahrzeugpapiere müssen stolze Besitzer also verzichten.
Die Kraft, die die F4 in diese Geschwindigkeits-Sphären schießen soll, schöpft sie im Prinzip aus einem 1000-R-Motor mit überarbeitetem Zylinderkopf. Im Klartext: Titan-Einlassventile mit 30 statt bisher 29 Millimeter Durchmesser, schärfere Nockenwellen mit 1,1 Millimeter mehr Hub, Drehzahllimit um 500 auf etwa 13500/min erhöht, Drosselklappen mit 46 statt 48 Millimeter Durchmesser. Maßnahmen, die hohe Spitzenleistung erzielen, was freilich nicht ohne kleinere Einbußen beim Drehmoment in der ersten Hälfte des Drehzahlbandes machbar war.
Doch das ist auf der Rennstrecke im königlichen Park zu Monza eher zweitrangig. Bereits der Soundcheck in der Boxengasse weist die 312 als waschechte MV aus. Dieses knurrige Scharren und Röcheln mit leicht mechanisch-mahlendem Unterton: wundervoll. Auch fahrend gibt die MV akustisch eine ausgezeichnete Darbietung. Wobei die Geräuschkulisse im Schiebebetrieb dank des EBS genannten Motorbremsmanagements noch intensiver ist als beim Beschleunigen. Ein Bypasss-Ventil im Ansaugtrakt des zweiten Zylinders schleust dabei im Schiebebetrieb Luft an der geschlossenen Drosselklappe vorbei in den Brennraum, um Hinterradstempeln zu reduzieren. Es funktioniert, wenn auch nicht so wirkungsvoll wie eine gute Anti-Hopping-Kupplung.
Geschmiedete Räder beflügeln das Handling. Trotzdem kann die 312 ihr relativ hohes Gewicht in engen Schikanen nicht ganz verheimlichen. Höhere Priorität auf der Wunschliste hätte eine insgesamt straffere Abstimmung der Federelemente. Denn sowohl bei hurtig hingeknallten Schräglagenwechsel als auch bei langen Beschleunigungsphasen wie in der legendären Parabolica ist Bewegung im Fahrwerk.
Was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass dieser Motor richtig Druck hat. Zwar scheint er unterhalb von 6000/min nicht so zwingend zu Werke zu gehen, wie in der F4 1000 R, doch darüber spannt er so energisch wie gleichmäßig die Muskeln, dass die Werksangabe von 183 PS glaubhaft erscheint. Die Brembo-Zangen liefern eine tadellose Vorstellung. Nicht nur vor dieser unsäglichen Stop-and-go-Schikane Ende Start-Ziel, auf die die MV mit Tacho 292 zustürmt. Um für die High-Speed-Jagd besser gerüstet zu sein, bekam die R 312 zudem eine etwas höhere Verkleidungsscheibe, die den anstürmenden Fahrtwind effektiver vom Piloten fernhält

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