Interview mit Massimo Bordi MV Agusta arbeitet an Supermoto und GT

Massimo Bordi,Vizepräsident MV Agusta, über die Brutale 675 und neue Modelle der Italiener.

Foto: Gadda

Die neue Brutale 675 kommt spät für die laufende Saison. Zu spät?
Ich glaube nicht. Wir sind ja eine kleine Firma, und wir werden dieses Jahr nur noch rund 2500 Exemplare der B3, wie wir sie intern nennen, bauen. Die sind bereits alle ausverkauft. 

Woran liegt die starke Nachfrage? Am Preis von nur knapp 9000 Euro?
Zum Teil natürlich daran, ja. Die Zeiten, wo man nur mit hochpreisigen Motorrädern überleben konnte, sind meiner Meinung nach endgültig vorbei. MV Agusta strahlt als Marke eine große Faszination aus, und jetzt können sich mehr Leute so ein Motorrad leisten. Wichtig ist aber auch, dass wir uns mit der B3 neue Kundenkreise erschließen, denn sie ist nicht so extrem wie unsere anderen Motorräder.

Welche Motorradfahrer sind das?
Nicht gerade Anfänger, da sie ja immerhin 110 PS hat. Aber zum Beispiel Wiedereinsteiger, denn sie ist leicht und niedrig, was sie sehr handlich macht. Und dank der unterschiedlichen Mappings kann man es mit ihr auch mal ruhiger angehen lassen.

Zählen auch Frauen zur Zielgruppe?
Frauen? Klar. Speziell donne con le palle.

Das lässt sich nun kaum ins Deutsche übersetzen (der italienische Ausdruck „donne con le palle“ bedeutet wörtlich „Frauen mit Eiern“ und lässt sich etwa mit „Frauen, die ihren Mann stehen“ übersetzen. Die Red.)
Dann schreibt eben Frauen mit Charakter. Aber im Ernst: Wir haben uns selbstverständlich die Entwicklung des Motorradmarkts genau angesehen. Mit der B3 dehnen wir unser Potenzial auf etwa 100 000 mögliche Interessenten allein in Europa aus, denn das Motorrad hat zwar supersportliche Gene, ist aber nicht so extrem ausgelegt wie der Rest unserer Palette, und es kommt zum überaus fairen Preis.

Solche Produktionszahlen wird MV aber kaum erreichen.
Nein, das nun nicht. Insgesamt bauen wir dieses Jahr knapp 8000 Motorräder. 2013 sollen es 10 000 werden, und bis 2016 dann 15 000 Stück pro Jahr. Wir sind auf einem guten Weg.

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Foto: MV Agusta

Welche Modelle sollen für die Stückzahlen sorgen?
Mit dem Dreizylindermotor, der die F3 und die B3 antreibt, lässt sich eine ganze Menge anstellen, zumal man den Hubraum ganz leicht von jetzt 675 auf 850 bis 900 ccm vergrößern kann. Auf der Mailänder Messe im November zeigen wir die Rivale, unsere Interpretation des Themas Supermoto. Ebenfalls bereits in der Entwicklung ist eine GT, also ein Tourenmotorrad.

Bei der Einführung der F3 im Frühjahr setzte es aber Kritik für das ruppige Ansprechverhalten des Motors. Ist das Problem inzwischen gelöst?
Ja. Das war unser erstes Motorrad mit Ride-by-Wire, und da mussten wir in Sachen Abstimmung noch lernen. Inzwischen klappt das aber, und bei den F3-Modellen, die wir bereits ausgeliefert hatten, haben wir kostenlos nachgebessert.

Wirklich linear ist die Leistungsentfaltung aber nicht, weder bei der F3 noch bei der B3.
Unser Dreizylinder dreht hoch, da macht es nichts, wenn er von ganz unten nicht gleich mit voller Power kommt. Ich bin total begeistert von diesem Motor, obwohl ich ihn nicht selbst entwickelt habe. Er ist schmal, kurz, superkompakt, technisch auf dem neuesten Stand - einfach der beste Motor der Welt.

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