MZ ETZ 150/250

Als Westler fällt es nicht eben leicht, sich einer MZ zu nähern, ohne ihr zu nahe zu treten. Vordergründig war jede MZ ein Fortbewegungsmittel für DDR-Bürger, Ausweis sozialistischer Wirtschaftstätigkeit allemal und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Weit über 60 000 Stück der robusten zweitaktenden Einzylinder vom Typ ETZ 125, 150 und 250 wurden in den 80ern pro Jahr im Erzgebirge gefertigt. Braves Arbeitstier, aber auch Quell lebhafter Bikerfreuden. Im Westen mauserte sich die ETZ zum Kult-Krad – galt sie doch in studentischen Kreisen als billiges Fortbewegungsmittel. Verzicht auf Prestige war angesagt, Reduktion auf das Wesentliche. Als Markenzeichen ostdeutscher Bescheidenheit galt der luftgekühlte Einzylinder fortan. Sein Herz schlug im Zweitakt, vernehmlich sirrten die Zylinderrippen, blaue Abgaswolken entwichen dem schnurgeraden Schalldämpferrohr. Manche Dinge galten durchaus als modern: die gekapselte Kette etwa, die Scheibenbremse im Vorderrad, auch der zweckmäßige Kastenprofilrahmen. Noch heute knattern über 22000 ETZ 150 über deutsche Straßen, zumeist in den östlichen Bundesländern. Viele davon werden liebevoll gepflegt, auch und gerade von Wessis. Als Kulturgut sozusagen.

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