Kommentar von MOTORRAD-Chefredakteur Michael Pfeiffer MZ: Das Drama neigt sich dem Ende zu - wieder einmal

Insider hatten die Nachricht, die mich am Samstag um 14 Uhr erreichte, schon länger erwartet: "Motorenwerke Zschopau GmbH stellen Antrag auf Insolvenz mit Sanierungsplan" überschrieb Pressemann Andreas Schulz eine Pressemitteilung, in der sogar noch versucht wurde zu erklären, warum es jetzt so weit gekommen ist. Von einem nicht erteilten Überbrückungskredit war da die Rede.

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Foto: MRD

Dabei kämpft MZ-Geschäftsführer und Mitbesitzer Martin Wimmer schon von Anfang an um Kredite, Bürgschaften und mit seinen Teilhabern. Seine Pläne flogen oft hoch. Blockheizkraftwerke, Hybridroller, Fahrräder, Posttransportroller - dem nimmermüden Wimmer fiel eigentlich immer etwas ein, womit er die Welt beglücken wollte. Und auch immer wieder etwas Neues. 

Nur das Nächstliegende, das war ihm seltsamerweise ziemlich fern: Motorräder! Warum nahm er nicht einfach die bestehende 125er, rüstete sie auf die aktuellen Abgasgesetze um und baute die robusten Einsteigermaschinen weiter? Der MZ-Vierventiler war ein Klasse- Motor. Eine Einspritzung draufbauen, Katalysator dran, und schon wäre die kleine MZ für die nächsten Jahre flott gewesen. Ersatzteile hätten gepasst, der Handel hätte gewusst, woran er ist, und die Kunden auch. Ich hätte mir auch durchaus vorstellen können, dass Schritt für Schritt Teile aus chinesischer Produktion (Wimmer war ja lange in China tätig) die Maschinen günstiger hätten machen können.

 

Weit gefehlt. Statt sich mit vollem Einsatz um die Firma zu kümmern, schraubte Wimmer lieber auf dem Rennplatz an den Maschinen seiner Fahrer. Statt sich um verkaufbare Produkte zu kümmern, trieb er lieber sensationelle neue, noch nie da gewesene Technologien voran. Die dann natürlich viel zu lange brauch ten, um Serienreife zu erlangen. Ins Bild dazu passt, dass der Insolvenzantrag wegen eines Formfehlers nicht angenommen wurde.

Nach wie vor glaube ich, dass man aus MZ wieder einen profitablen Motorradhersteller formen kann. Man muss eben schauen, dass hinten aus den großen Werkshallen in Hohndorf auch irgendwann Motorräder rauskommen. Martin Wimmer hat das nicht geschafft. Die Marke selbst besitzt noch genügend Strahlkraft, um zu überleben. Es scheint so, als ob das jetzige Kapitel sich dem Ende zuneigt. Wieder einmal.

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